Kolumnist: Geldanlage-Report

Gold: Wie geht es weiter!?




22.04.13 12:32
Geldanlage-Report

http://www.geldanlage-report.de/


Lieber Geldanleger,


vor allem in Krisenzeiten kaufen Investoren Gold. Das trieb in den letzten Jahren den Kurs in Rekord-Höhen. Jetzt gab es einen historischen Preissturz. Über die Gründe darf spekuliert werden.


Zweifellos hat der Ausverkauf am Markt für Edelmetalle – nicht nur Gold ist betroffen – auch viel mit Übertreibung und Irrationalität zu tun.


Wie Sie jetzt reagieren sollten:


Der Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.530 Dollar (Winter-Tief 2011) hatte bei Gold eine Stop-Loss-Welle losgetreten. Das bedeutet: Investoren drückten nach Unterschreiten der Marke aus Angst vor weiteren Verlusten auf den Verkaufsknopf.


Am vergangenen Montag rutschte der Goldpreis in der Spitze um 8,3 Prozent auf 1.355,80 Dollar je Feinunze ab. Das war der tiefste Stand seit Februar 2011 und der mit Abstand höchste Tagesverlust seit 30 Jahren. Auch die Preise für Gold und Platin verbilligten sich deutlich. Im Wirtschaftsmagazin „Forbes“ war danach von einem „Gold-Blutbad” die Rede.


Ist der langjährige Anstieg der Edelmetallpreise damit beendet, wie es viele Analysten jetzt behaupten? Drohen weitere deutliche Verluste?


Lassen Sie sich nicht verunsichern! Zwar kann keiner die weitere Entwicklung vorhersagen und behaupten, es könne nur so und nicht anders kommen (wer das macht, ist ein Scharlatan), aber „Horrorszenarien“ von Tiefständen beim Gold unter 1.000 Dollar, wie sie beispielsweise im Internet kursieren oder von sogenannten „Crash-Propheten“ herausposaunt werden, sind eher unwahrscheinlich.


Inzwischen ist der starke Preisverfall der letzten Handelstage auch bereits gestoppt. Die erste große Panik scheint damit aus dem Markt zu sein. Der Kursrutsch hat aber seine Spuren hinterlassen. Der Nimbus vom Gold ist erst einmal angekratzt. Nachdem es über Jahre nur aufwärts ging und der Preis auch im vergangenen Jahr lange Zeit mehr oder weniger stabil blieb (mit fallender Tendenz allerdings), müssen sich die Anleger auf schwankungsfreudige Zeiten einstellen.


Was hat den drastischen


Preisrutsch bei Gold ausgelöst?


Eine Mischung aus mehreren Faktoren hat den Preis so kräftig nach unten gezogen: So haben viele Banken – u.a. auch die führende US-Investmentbank Goldman Sachs am 10. April – ihre Prognosen für Gold wegen nachlassender Inflationssorgen revidiert und warnten Mitte vergangener Woche vor einem möglichen weiteren Preisverfall.


Auch die Euro-Schuldenkrise, die lange für große Verunsicherung sorgte, hat sich nach Ansicht vieler Markteilnehmer (ich teile die Ansicht nicht) leicht entspannt. Eine wichtige Rolle spielten wohl auch Großinvestoren wie der berühmt-berüchtigte Milliardär George Soros.


Die Meldung, dass Soros Ende vergangenen Jahres massiv Geld aus dem weltgrößten Goldfonds abgezogen hatte, ließ bei einigen Anlegern sämtliche Alarmglocken schrillen. Ebenfalls nicht förderlich für den Goldkurs war die Idee Mario Draghis, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), das überschuldete Zypern solle seine Goldreserven doch auf den Markt werfen.


Zwar wären das noch nicht einmal 15 Tonnen. Nicht genug, um den Goldpreis zu drücken. Allerdings könnte ein solches Vorgehen zum Vorbild werden für andere Krisenländer. Und Italien, Spanien und Portugal besitzen zusammen immerhin 3.115 Tonnen Gold.


Schlussendlich setzte ein fataler Herdentrieb ein, der den Goldpreis abstürzen ließ.


In den Internetforen, aber nicht nur dort, kursieren viele Verschwörungstheorien. Da wird von Preismanipulationen durch große Investoren geschrieben, die gewaltig am fallenden Goldpreis verdienen, wenn die entsprechenden Wetten aufgehen.


Selbst das Frankfurter Bankhaus Metzler fabuliert in einer Analyse von 'Big Money', das bewusst auf einen Bruch wichtiger Unterstützungszonen von Gold hingearbeitet hat, um an der nachfolgenden Abrissbewegung zu partizipieren.


Ich glaube nicht an die Manipulationstheorie. Eventuell wird es jedoch Ermittlungen zu dem Thema geben. Im Zuge des Libor-Skandals sind vor allem die US-Aufsichtsbehörden aufmerksamer geworden. Bereits im März hatte das angesehene „Wall Street Journal“ mit Bezug auf Insider berichtet, dass die US-Behörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) genau prüfe, ob die Preise am Goldmarkt noch in einem transparenten Prozess entstehen.


Wie ist die aktuelle Lage?


Sie bleibt angespannt! Der Abwärtstrend des Goldpreises, der bereits sechs Monate und folglich doppelt so lange wie 2012 andauert, hat unbestritten eine neue Dimension erreicht. Auffällig ist auch die stark nachlassende Unterstützung der institutionellen Anleger.


Seit Jahresbeginn belaufen sich die Mittelabflüsse im weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, auf 15 Prozent. Das Volumen hat den Stand von 2010 erreicht. Zum Vergleich: Damals notierte der Goldpreis im Bereich von rund 1.200 Dollar.


Und die Hände scheinen weiter „zittrig“ zu bleiben, denn die Anzeichen mehren sich, dass das stärkere Wachstum in den USA dazu führen könnte, dass die Federal Reserve ihre konjunkturstützenden Maßnahmen zurückfährt.


Das aber würde steigende Zinsen bedeuten, die teilweise durch eine positive Sicht auf die US-Wirtschaft und den damit einhergehenden Anstieg des Dollar getrieben werden. Alles das wäre Gift für den Goldpreis.


Kauflaune kann man derzeit in erster Linie in Asien beobachten. Inder und Chinesen, die weltweit am meisten Gold nachfragen, nutzen den stärksten Kurssturz der vergangenen drei Jahrzehnte, um sich mit dem edlen Metall wieder einzudecken. Juweliere, die Goldbarren verkaufen, sind ausverkauft. Der Blick auf den Shanghai Gold Exchange bestätigt die gestiegene Nachfrage.


Die Liebe der Chinesen zum Gold hat allerdings auch historische Gründe. Vor 1949 erlebte das Volk mehrfach eine Hyperinflation, die Geldentwertung zerstörte das Vertrauen in Papiergeld. Das wirkt bis heute nach – obwohl der Yuan inzwischen weltweit stark an Bedeutung gewinnt.


MEIN FAZIT:


- Der Markt für Edelmetalle ist in Aufruhr. Nach Jahren stetig wachsender Gewinne ist offenbar ein Sättigungseffekt eingetreten. Das ist aber keine neue Erkenntnis: Der Goldpreis ist schon seit Monaten auf Talfahrt, allerdings eher nach und nach und nicht in Form drastischer Einbrüche.


- Auch Silber kann sich dem allgemeinen Abwärtsstrudel nicht entziehen, da es sowohl als Edelmetall als auch als Industriemetall (abhängig von einer starken globalen Konjunktur) behandelt wird. Und beide Sorten schwächeln.


- Die meisten Experten-Prognosen für den Goldpreis in den nächsten Monaten liegen bei Notierungen zwischen 1.300 und 1.400 Dollar pro Feinunze. Die noch vor kurzem ins Blick gefasste Schwelle von 2.000 Dollar pro Feinunze (also mehr als das Rekordhoch von 1.920 Dollar aus September 2011) ist aktuell kein Thema mehr.


- Wer Goldmünzen oder kleine Goldbarren besitzt, sollte sie behalten. Ähnliches gilt für Anteile an Goldfonds. Panik war noch nie ein guter Ratgeber.


- Wer weiter an Gold glaubt, der sollte noch geduldig sein. Mittel- bis langfristig sehe ich weiterhin höhere Goldpreise. Für Schnäppchenjäger ist es aber noch zu früh. Wenn ein Ausverkauf erst einmal begonnen hat, ist er schwer zu stoppen. Es ist also durchaus möglich, dass der Preis für Edelmetalle – auch der Silberpreis könnte noch fallen – sich noch weiter vergünstigt.


- Eines sollten Sie immer bedenken: Wie jede andere Geldanlage auch birgt der Kauf von Gold und Silber Chancen und Risiken. Da geht es den Edelmetallen nicht anders als Aktien. Die haben neben der zum Teil guten Kursentwicklung des letzten Jahres und der letzten Monate einen weiteren Vorteil: Oft werfen sie attraktive Dividenden ab.


- Gold und Silber dagegen bringen keinerlei Erträge...



powered by stock-world.de




 

Finanztrends Video zu Goldpreis


 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
1.493,16 $ 1.487,19 $ 5,975 $ +0,40% 14.10./20:01
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XC0009655157 965515 1.557 $ 1.197 $
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
FXCM
1.493,16 $ +0,40%  20:01
  = Realtime
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
RSS Feeds




Bitte warten...