Gold mit Perspektive




03.05.21 11:39
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - So sehr Gold als sicherer Anlagehafen in der Pandemie gefragt war, so sehr ist es mit der Hoffnung auf deren Überwindung in den Hintergrund gerückt, so die Analysten der Helaba.

Für das Edelmetall würden sich aber auch Chancen nach der Pandemie bieten. Die weltweit gestiegene Staatsverschuldung werde den Notenbanken keinen schnellen Ausstieg aus ihrer Krisenpolitik eröffnen. Eine fortgesetzt negative Realverzinsung dürfte sich positiv auf den Goldpreis auswirken.

Nachdem Gold im Sommer letzten Jahres ein Allzeithoch über 2.000 US-Dollar je Feinunze (Uz.) (1.734,45 Euro/Uz.) erreicht habe, sei es stetig bergab gegangen. Wachstumshoffnungen hätten die Risikofreude der Anleger befördert, anziehende Inflationserwartungen und steigende Anleiherenditen hätten dem zinslosen Edelmetall seit Anfang dieses Jahres darüber hinaus deutlich zugesetzt. Das habe zur Folge gehabt, dass Aktien von einem Hoch zum nächsten geeilt seien. Hingegen habe der Preis für eine Feinunze Gold bis auf ein Tief Anfang März von 1.681 US-Dollar bzw. 1.418 Euro nachgegeben. Seitdem allerdings habe sich das Edelmetall wieder etwas erholen können. So habe der Goldpreis zwischenzeitlich wieder die Marke von 1.800 USD/Uz. erreicht,auch wenn dieser Wert aufgrund steigender Anleiherenditen nicht habe gehalten werden können. Seit Jahresbeginn verbleibe für Goldanleger in Euro ein Verlust von etwa 5%, während der deutsche Leitindex DAX (ISIN: DE0008469008, WKN: 846900) ein stattliches Plus von über 10% erzielt habe.

Doch entscheidend für die Entwicklung des Goldpreises sollte im weiteren Jahresverlauf weniger die Nominalverzinsung, sondern vielmehr die Realverzinsung sein - die Verzinsung der 10-jährigen Staatsanleihe nach Abzug der Inflationsrate. Von diesen dürften die maßgeblichen Impulse auf den Goldpreis ausgehen. Schließlich sei die Bekämpfung der Pandemie mit einer gigantischen Ausweitung der Verschuldung erkauft worden. Die Staatsverschuldung im Euroraum werde sich 2021 auf über 100% des Bruttoinlandsproduktesbelaufen, während mit einem Haushaltsdefizit von gut 10% zu rechnen sei. Die Frage, wie sich die Staaten im Euroraum ihrer Schuldenlasten wieder entledigen könnten, werde in den Fokus rücken. Dabei dürfte der gegenwärtig zu beobachtende Inflationsdruck bereits ein Vorbote sein.

In diesem Jahr werde sich die durchschnittliche Preisteuerung im Euroraum von 0,3% auf knapp 2% beschleunigen. Damit gehe eine Niveauverschiebung auf rund 2% einher, d.h. die Inflation werde sich nicht mehr wie in den Vorkrisenjahren unter 1% bewegen. Inflationserwartungen und implizit die Anleiherenditen würden damit ebenfalls nach oben drängen. Für die Realverzinsung müsse das aber nicht gelten. Schließlich wolle sich die Europäische Zentralbank einem Anstieg der langfristigen Zinsen mit Anleihekäufen entgegenstellen, im Notfall sogar die Zinskurve direkt steuern. Damit möchte die EZB sicherstellen, dass das Finanzierungsumfeld für Unternehmen und Staaten auch in der Nachkrisenära günstig bleibe. Dank dieser geldpolitischen Unterstützung dürfte sich der Preis für eine Feinunze Gold bis Jahresende wieder in Richtung 2.000 US-Dollar bzw. 1.600 Euro verteuern. Für Gold würden sich also Perspektiven über die Pandemie hinaus eröffnen. (03.05.2021/ac/a/m)






 
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