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Geisteswandel im Rohstoffsektor?




08.06.21 10:28
LOYS

Oldenburg (www.aktiencheck.de) - Jeder an der Wirtschaft Interessierte weiß, dass Rohstoffe zuletzt stark im Preis gestiegen sind, so Dr. Christoph Bruns von LOYS.

Die deutlich anziehende Teuerung sei nicht zuletzt den anziehenden Kursen für Metalle, Energie, Holz und Agrargüter an den Rohstoffbörsen der Welt geschuldet. Angesichts der sehr zyklischen Natur der Rohstoffmärkte würden die derzeitigen Preisaufschwünge keine Überraschung darstellen. Immerhin sei ihnen ein drastischer Einbruch vorangegangen.

Man erinnere sich etwa daran, dass der Rohöl Juni Future Kontrakt des letzten Jahres kurzzeitig bei minus 137 US-Dollar für ein Fass Öl notiert habe. Kurzum: Rohstoffanleger seien drastische Preisschwünge gewohnt. Gerne werde in diesem Zusammenhang von Schweine-Zyklen gesprochen, die eine Überinvestition in guten und Unterinvestition in schlechten Rohstoffzeiten implizieren würden.

Nun aber gebe es Hinweise darauf, dass ein Umdenken bei den Rohstoffunternehmen eingesetzt habe. Anstatt alten Traditionen zu huldigen, die hohe Investitionen auf steigende Rohstoffnotierungen folgen lassen und entsprechende Investitionsstopps verfügen würden, nachdem die Kurse in den Keller gerauscht seien, sei neuerdings zu beobachten, dass die Rohstoffkonzerne ungeachtet der stolzen Preisaufschläge mit Investitionen in neue Lager- und Förderstätten zögern würden. Zur Begründung heiße es, der gesamte Sektor habe in der Vergangenheit zu geringe Renditen auf das eingesetzte Kapital verdient und die hohen Gewinnniveaus schmölzen regelmäßig im Abschwung dahin. Es falle nicht schwer, Belege für die wilden Ausschläge in der Profitabilität von Rohstoffaktien zu finden. Der amerikanische Energieriese Exxon habe im Jahr 2018 einen Gewinn von ca. 20 Milliarden Dollar erwirtschaftet, während im Jahr 2020 mehr als 20 Milliarden Dollar verloren worden seien.

Manches spreche dafür, dass hier ein Geisteswandel seinen Lauf nehme. Obwohl manche Rohstoffe wie z.B. Kupfer, Lithium und Kobalt knapp zu werden drohen würden, würden sich die Förderunternehmen mit kapazitätserweiternden Investitionen nach wie vor zurückhalten. Neben ökonomischen Überlegungen mögen dabei auch die derzeit in Mode stehenden ESG-Wahrnehmungen eine Rolle spielen, so die Experten von LOYS. Rohstoffunternehmen seien in gewissen Gesellschaftskreisen nicht gut beleumundet, obwohl ihre Produkte gerne und reichlich konsumiert würden. Auch werde mitunter vergessen, dass die Staaten oft Hauptprofiteure der Rohstoffförderung seien. Es dürfe sehr wohl daran erinnert werden, dass z.B. beim Tanken von Benzin in Deutschland fast 65% des Benzinpreises in die Staatskasse fließe.

Für Investoren sei die neu praktizierte Investitionsdisziplin der Rohstoffbranche eine fabelhafte Nachricht. Anstatt auf größere Mengen zu setzen, würden die Anbieter höhere Preise präferieren. Und so nehme es nicht Wunder, dass etwa der Energiesektor seit Jahresbeginn an der Wall Street alle anderen Branchen in den Schatten gestellt habe, was die Wertentwicklung angehe. Während manche Analysten bereits einen Superzyklus für Rohstoffe ausgerufen hätten, bilde die Kombination aus verfallenen Aktienkursen, steigenden Rohstoffnotierungen, allgemeiner Unbeliebtheit und neuentdeckter Investitionsdisziplin der Unternehmen einen fruchtbaren Nährboden für künftige Wertentwicklungen. (Ausgabe vom 01.06.2021) (08.06.2021/ac/a/m)







 
 
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