Die Gefahren eines Währungskrieges




16.08.19 11:39
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Nicht ganz unerwartet gesellt sich dieser Tage ein Verwandter zum Handelskrieg, nämlich der Währungskrieg, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Im Zentrum der Auseinandersetzung stünden die USA und China. In Wirklichkeit gehe es jedoch um die ganze Welt.

Alle würden von einem drohenden Währungskrieg sprechen. In der Tat: Spätestens seit dem China durch den Anstieg des Yuan/US-Dollar Wechselkurses auf über 7 Yuan signalisiert habe, dass das Land auch mit einer Schwächung seiner Währung auf die höheren Zollsätze antworten könne, sei diese Gefahr real. Sie könnte auch die EU und Deutschland treffen. Dabei werde klar, dass Währungs- und Handelskrieg eng miteinander verwandt seien.

Zunächst aber: Was sei überhaupt ein Währungskrieg? Klassischerweise sei dies eine Entwicklung, bei der sich Länder in einen Abwertungswettlauf begeben würden, um vermeintlich ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder zu stärken. Da im Zuge dieses Wettlaufs die Zentralbanken viel Geld in das System pumpen würden, verliere der Finanzmarkt an Stabilität, die Schwankungen der Wechselkurse würden steigen, Unsicherheit nehme zu und dieses Gemisch führe letztlich zu einem geringeren Wirtschaftswachstum. Am Ende würden alle verlieren. Genau aus diesem Grund würden die G20-Länder traditionell bei ihren Treffen betonen, dass sie grundsätzlich nicht zum Mittel der Währungsmanipulation greifen würden.

Im Fall von China gehe es dem Land darum, den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bei den durch US-Zölle belasteten Exporten durch die Abwertung des Yuan zumindest teilweise wiederherzustellen. Wenn es bei einer einmaligen Abwertung bliebe, wäre das vermutlich nicht von großem Schaden. Eine fortgesetzte Schwächung des Yuan würde jedoch insbesondere die asiatischen Nachbarn und Haupthandelspartner Chinas in Bedrängnis bringen. Auch ihre Währungen kämen verstärkt unter Druck.

Eine Abwertung der Währungen in Asien, wohin immerhin rund ein Drittel aller EU-Warenexporte gehen würden, würde auch europäische Unternehmen treffen. Der Wettbewerbsdruck für die Industrien nähme entsprechend hierzulande zu, da die Exporteure aus Asien abwertungsbedingt günstiger ihre Produkte anbieten könnten und aufgrund der von den USA aufgebauten Handelshemmnisse ohnehin zu größeren Preiszugeständnissen bereit sein dürften. Im schlechtesten Fall würde die EU ihrerseits zu Abwehrmaßnahmen greifen, wodurch der Handelskrieg eine noch globalere Dimension erreichen würde.

Leider ende hier noch nicht die Liste möglicher Risikoszenarien. Die US-Regierung unter Donald Trump könnte auf eine stärkere Abwertung des Yuan mit neuen Handelsbeschränkungen reagieren.

Außerdem sei da noch die Möglichkeit, dass die USA selber am Währungsmarkt interveniere, also Fremdwährungen kaufe, um dem Dollar zur Abwertung zu verhelfen. Das klinge zunächst abwegig, weil die USA in einem nachhaltigen Umfang zuletzt vor über 30 Jahren direkt in die Währungsmärkte eingegriffen hätten, und zwar anlässlich des Plaza- und des Louvre-Abkommens. Mancher Beobachter möge auch glauben, dass die Regierung zu Devisenmarktinterventionen gar nicht befugt sei. Das sei falsch.

Wechselkursangelegenheiten seien Sache des US-Finanzministeriums und somit letztlich eine Entscheidung des US-Präsidenten. Da die Schwächung des US-Dollar erfordern würde, einen breiten Korb an Fremdwährungsassets zu kaufen, kämen die USA in die Verlegenheit auch deutsche, französische und italienische Staatsanleihen zu kaufen und würden damit der EZB helfen, das hiesige Zinsniveau niedrig zu halten. Das könne eigentlich nicht im Sinne der US-Regierung sein. Nicht zuletzt solche Überlegungen würden die Wahrscheinlichkeit eines derartigen Eingriffes gering erscheinen lassen. Ignorieren sollte man dieses Szenario dennoch nicht.

Im Währungskrieg würden sich manche Regierungen mit den Mitteln des Handelskrieges und im Handelskrieg mit den Waffen des Währungskriegs wehren. Weder der eine noch der andere Konflikt dürfe weiter eskalieren. Die EU, die bestenfalls konjunkturell, schlimmstenfalls in direkter Weise von diesem Konflikt betroffen sein werde, müsse ihr gesamtes Gewicht auf die Stärkung der Welthandelsorganisation legen und der Versuchung widerstehen, Zölle gegen Drittländer zu erheben. Andernfalls müssten wir den Freihandel zu Grabe tragen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. (Ausgabe vom 15.08.2019) (16.08.2019/ac/a/m)







 
 
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