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G20-Treffen haben sich im Post-Multilateralismus überholt




04.12.18 10:15
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.aktiencheck.de) - Die geringere Gefahr einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China rechtfertigt die aktuell wieder optimistischere Börsenstimmung, so Dr. Karsten Junius, CFA bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der G20-Gipfel ansonsten ein klarer Misserfolg gewesen sei. Er zeige, dass multilaterale Politikansätze in Zeiten von "my-nation-first" kaum eine Chance hätten.

Die Aktienmärkte würden den Ausgang des G20-Treffens mit Kursgewinnen feiern. Zu Recht. Schließlich hätten sich die Aussichten für die Finanzmärkte und die Weltkonjunktur klar verbessert. Zudem würden viele Beobachter und vor allem die Organisatoren erleichtert sein, dass das G20-Treffen ohne Eklat zu Ende gegangen sei und Trump die Gastgeber anders als auf dem G7-Treffen in Kanada im Nachhinein nicht noch brüskiert habe.

Nun höre sich doch der Waffenstillstand im amerikanisch-chinesischen Handelskrieg nach einem Erfolg an. Aber sei dies ein Erfolg des G20-Gipfels? Eines Gipfels, der über etliche Monate von Sherpas der Teilnehmerländer in vielen Runden vorbereitet worden sei. In Runden, in denen immer mehr Themen besprochen worden seien, bei denen die Unterhändler aber offensichtlich kaum zu einem von ihnen einen Konsens gefunden hätten. Die Abschlusserklärung enthalte daher keine gemeinsame Haltung zum Protektionismus, keine Erklärung zum Klimaschutz, kein klares Bekenntnis zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte. Kein Wunder, dass die Konflikte einiger Teilnehmerländer in der Krim, im Jemen, beim internationalen Handel oder dem Klimaschutz ungelöst bleiben würden. Vielfach sei zu lesen, dass die Abschlusserklärung eh nicht so bedeutsam sei wie die bilateralen Treffen am Rande des Gipfels. Aber wozu dann die immensen Vorbereitungen der Unterhändler, wenn das Kommuniqué eh keine Rolle spiele? Sei es nicht vielmehr so, dass das Kommuniqué keine Rolle mehr spiele, weil die G20 als Gruppe keine Rolle für die Weltpolitik mehr spiele? Schließlich werde gemeinsames Handeln unmöglich sein, wenn gemeinsame Formulierungen schon nicht mehr gelingen würden.

Einige hätten das Treffen im Vorfeld daher bereits als "G2" bezeichnet, da die Welt nur darauf schaue, wie sich Trump und Xi Jinping verstünden und ob es zu einer Deeskalation des Handelskrieges komme oder nicht. Sicherlich seien die bilateralen Treffen am Rande des G20-Gipfels wichtig. Aber brauchen wir wirklich dafür einen solch immensen Gipfel, oder dient er nur dazu den wichtigsten Regierungschefs noch mehr internationales Scheinwerferlicht und eine noch größere Bühne für ihre Egos zu bieten, fragt sich Dr. Karsten Junius, CFA bei der Bank J. Safra Sarasin AG. Für den chinesisch-amerikanischen Waffenstillstand hätte es jedenfalls kein G20-Treffen gebraucht, für die Unterzeichnung des NAFTA-Nachfolgeabkommens ebenso wenig. Bei einer anderen Stimmungslage des US-Präsidenten wäre es zu beidem vielleicht spontan auch nicht gekommen.

Die G20-Gipfel hätten in der Vergangenheit eine wichtige Funktion gehabt. Sie hätten nach der Finanzkrise 2008 dazu beigetragen, dass die Fehler der großen Depression nicht wiederholt worden seien, dass die Weltwirtschaft nicht in den Strudel einer Abwertungsspirale oder des Protektionismus geraten sei. G20-Gipfel seien daher Ausdruck eines multilateralen Verständnisses und Versuchs zu gemeinsamen Politikansätzen zur Lösung globaler Probleme gewesen. Die Notwendigkeit dazu bestünde weiter. Und sicherlich sei es besser, wenn die Delegationen von 20 Ländern ein paar Mal um die Welt fliegen würden, um sich in Argentinien zu treffen, als wenn auch nur zwei von ihnen, ihre Konflikte direkt mit Waffen austragen würden.

Aber vielleicht sei es auch Zeit einzugestehen, dass multilaterale Ansätze wie die G20 in Zeiten von "my-nation-first" nicht mehr funktionieren würden. In Zeiten, in den internationale Regeln und Abkommen, Populismus und Willkür von Autokraten und denen, die dies gerne wären, weichen würden, verkämen G20-Treffen zu teuren Fotobühnen. Das nächste G20-Treffen sei vermutlich unvermeidlich. Aber wie wäre es, wenn es das nächste Mal als Video-Konferenz stattfinde? (Ausgabe vom 03.12.2018) (04.12.2018/ac/a/m)






 
 
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