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Französische Präsidentschaftswahlen - kein Grund zur Sorge?




08.04.22 10:40
Aegon Asset Management

Baltimore (www.aktiencheck.de) - An diesem Wochenende werden die französischen Bürgerinnen und Bürger in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen für eine neue fünfjährige Amtszeit an die Urnen treten, so Gareth Gettinby, Multi Asset Investment Manager bei Aegon Asset Management.

Bis vor kurzem hätten die Märkte die Wahl fast völlig ignoriert, da der derzeitige Amtsinhaber Emmanuel Macron in den Meinungsumfragen komfortabel vorne gelegen habe. Doch in den letzten zwei Wochen hätten sich die Umfragen deutlich angenähert, und die Anleger würden sich nun dafür interessieren.

Angesichts des sich zuspitzenden Rennens seien die französischen Aktien stark gefallen, und der zehnjährige Spread zwischen Frankreich und Deutschland habe sich über den Höchststand vom Februar hinaus ausgeweitet. Es sei jedoch schwierig, das Risiko einer möglichen Niederlage Macrons vom Russland-Ukraine-Konflikt und den Reaktionen der Zentralbanken auf die steigende Inflation zu trennen.

Es werde erwartet, dass kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erhalte, und eine Stichwahl zwischen den beiden Spitzenkandidaten für den 24. April anstehe. Insgesamt würden in der ersten Runde am Sonntag zwölf Kandidaten antreten, wobei es sich in der Realität um fünf Hauptkandidaten handele.

Präsident Macron hoffe auf eine zweite Amtszeit, während die Rechtspopulistin Marine Le Pen erneut seine Hauptkonkurrentin sein werde, obwohl Jean-Luc Mélenchon von einem Anstieg der Umfragewerte profitiere. Die aktuellen Umfragen würden darauf hindeuten, dass die beiden anderen Hauptkandidaten die zweite Runde nicht erreichen würden.

Bis gestern hätten alle Umfragen auf einen Sieg Macrons hingedeutet, was angesichts seiner hohen Zustimmungswerte nicht überrasche, denn keine einzige Umfrage gehe von einem Sieg Le Pens aus. In den letzten zwei Wochen habe sich Macrons Vorsprung in den Umfragen gegenüber Le Pen in der voraussichtlichen zweiten Stichwahl zwischen den beiden verkleinert. Mitte März hätten die Umfragen auf einen komfortablen Sieg Macrons mit rund 20 Punkten Vorsprung vor Le Pen hingedeutet (60% bis 40%).

Laut POLITICO-Umfragen habe sich dieser Vorsprung in den letzten Wochen verringert, und Le Pen liege im Durchschnitt acht Prozentpunkte hinter dem Präsidenten. Die knappste Umfrage (Harris Interactive) sehe Macron mit 51,5% zu 48,4% vorne, ein Ergebnis, das innerhalb der Fehlermarge liege.

Bei der letzten Wahl in Frankreich im Jahr 2017 habe Macron im zweiten Wahlgang mit 66% der Stimmen über Le Pen gesiegt. Da die POLITICO-Umfrage einen Vorsprung von 54% gegenüber 46% für Macron nahelege, deute dies darauf hin, dass die Führungsposition des Präsidenten viel verwundbarer sei als 2017. Le Pen habe in diesem Wahlkampf ihre Botschaften geändert und fordere nicht mehr, dass Frankreich die Eurozone verlasse. Eine ihrer Maßnahmen sei die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie von 20% auf 5,5%, was dazu beitragen könnte, die Wähler zu beeinflussen, da die höheren Energiekosten weiterhin erhebliche Auswirkungen auf die französische Bevölkerung hätten.

Angesichts der aktuellen Faktoren und Ereignisse, auf die die Märkte reagieren würden, sei es schwierig, die Auswirkungen eines Sieges von Le Pen auf die Märkte isoliert zu betrachten. Die Experten würden davon ausgehen, dass alles andere als ein Sieg Macrons bei einer zweiten Präsidentschaftswahl eine große Überraschung für die Marktteilnehmer wäre. Für die Bürger Großbritanniens sei die Überraschung des Brexit-Votums noch in Erinnerung, so dass ein Sieg von Le Pen nicht ausgeschlossen werden könne. Er sollte als "Tail Risk" betrachtet werden und würde die Unsicherheit für das französische Wachstum, die Inflation und die Finanzen erhöhen.

Das Ergebnis würde zu einem Rückgang der europäischen Aktien führen, insbesondere des französischen Aktienmarktes (CAC 40), zu einer weiteren Ausweitung des Spreads zwischen Frankreich und Deutschland und zu einer Schwächung des bereits schwachen Euro, insbesondere gegenüber dem sicheren Hafen Schweizer Franken. (08.04.2022/ac/a/m)







 
 
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