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Frankreich: Fitnesstrainer Macron braucht mehr Zeit




05.12.18 11:20
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Reformen von Präsident Macron sind wichtig, da sie die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen, so die Analysten der Helaba.

Schnelle Wachstumserfolge sollten allerdings nicht erwartet werden. 2019 wachse das Land fast im Durchschnitt der Eurozone.

Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten im Frühjahr 2017 seien die Hoffnungen groß gewesen, dass sich das Wirtschaftswachstum rasch beleben würde. Nach immerhin 2,3% steige das Bruttoinlandsprodukt 2018 nur noch um 1,6%. Eine gewisse Enttäuschung sei mittlerweile im Land spürbar. Geduld sei aber angesagt, denn die Strukturreformen würden mit Zeitverzug wirken. Dies gelte nicht nur für die durchgeführten Änderungen des Arbeitsrechts, die die Flexibilität und Effizienz in den Unternehmen erhöhen würden. Auch die Steuersenkungen auf Kapitalerträge, die schrittweise Absenkung der Körperschaftsteuer auf 25% sowie die Beschränkung der Vermögensteuer auf größere Immobilienvermögen dürften sich allmählich in zusätzlichen Investitionen niederschlagen. Die Erhöhung der Sozialsteuer CSG bei gleichzeitiger Senkung der Sozialabgaben verringere die Arbeitskosten und werde sich mittelfristig positiv auf die Beschäftigung auswirken.

Eine große Herausforderung für die Regierung sei die Stärkung der Industrie. Seit 2009 sei die Produktion des Sektors nur um gut 12% gestiegen, während die deutsche ein Plus von mehr als 35% aufweise. Die vorhandenen Strukturschwächen würden sich nur allmählich beheben lassen. So habe Frankreich keine mit Deutschland vergleichbaren wettbewerbsstarken industriellen Cluster. Nach wie vor hätten die Unternehmen zu wenige hochwertige, innovative Produkte im Angebot und der Mittelstand sei traditionell exportschwach. Immerhin habe der Lohnkostenanstieg begrenzt werden können. Positiv seien auch die Reformen der beruflichen Bildung zu werten.

2019 dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 1,5% annähernd so stark steigen wie in der Eurozone. Die privaten Konsumausgaben hätten 2018 das Wirtschaftswachstum gebremst. Die Erhöhung der Sozialsteuer habe im ersten Halbjahr den Zuwachs der Nettoeinkommen gedämpft, während die Entlastung durch die Sozialbeiträge erst in der zweiten Jahreshälfte in Kraft getreten sei. Dies sollte sich neben der steigenden Beschäftigung 2019 positiv auf die privaten Verbrauchsausgaben auswirken. Die Tariflohnsteigerungen hätten zuletzt weiter zugenommen. Von der Preisentwicklung sei allerdings mit keiner Entlastung zu rechnen. Die Inflation werde 2019 bei rund 2% liegen. Trotz der nur zögerlich sinkenden Arbeitslosigkeit dürfte der Privatkonsum durchschnittlich zulegen.

In Frankreich steige das staatliche Defizit 2019 wieder. Nach den Planungen der Regierung werde ein Wert von 2,8% des Bruttoinlandsprodukts zugrunde gelegt, nach 2,6% im Vorjahr. Neben dem schwächeren Wachstum seien Sondereffekte wie die Übernahme der Verschuldung der Staatsbahn SNCF ein Grund hierfür. Die Sanierung der öffentlichen Finanzen komme nur zögerlich in Gang. Geplant sei ein moderater Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst über mehrere Jahre. Zudem gebe es Überlegungen, einige Sozialleistungen nicht mehr automatisch mit der Inflationsrate steigen zu lassen

Das französische Geschäftsklima habe sich zuletzt eingetrübt. Die Ausrüstungsinvestitionen seien 2018 nur noch um schätzungsweise gut 3% gestiegen. Zwar dürften diese auch 2019 einen positiven Wachstumsbeitrag liefern; da sich eine konjunkturelle Erholung allerdings erst allmählich einstelle, werde der Anstieg der Kapitalbildung kaum höher ausfallen als im Vorjahr. Nur moderate Impulse kämen weiterhin von den Bauaktivitäten, während der Außenhandel 2019 einen leicht negativen Wachstumsbeitrag erbringen dürfte. (Ausgabe vom 03.12.2018) (05.12.2018/ac/a/m)







 
 
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