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Kolumnist: Miningscout.de

Fracking: Nicht nur in Deutschland ein heißes Thema




27.03.14 13:12
Miningscout.de

Das Thema Fracking steht seit der Krim-Krise und einem Vorstoß von EU-Kommissar Oettinger wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Verschiedene Politiker von CDU, SPD und FDP sprechen sich für eine Pilotanlage in Deutschland aus und stoßen damit bei der Industrie auf offene Ohren. Die Öffentlichkeit ist hingegen gespalten, Fracking wird sehr kritisch gesehen. Noch kritischer wird diese Methode, die eigentlich Hydraulic Fracturing heißt, in Frankreich beäugt. Dort hat Präsident Hollande ein Verbot für Fracking ausgesprochen, welches vom Verfassungsgericht bestätigt wurde. Alle entsprechenden Genehmigungen sind daraufhin zurückgezogen worden.


Investitionen gehen zurück


Ganz anders ist die Situation in den USA. Dort gibt es seit 2008 einen Fracking-Boom, der in der Folge die Öl- und Gasproduktion deutlich nach oben gebracht hat. In der Folge sind die Preise für Öl und Gas in Übersee klar zurückgegangen. Teils hat vor allem der Gaspreis ein Niveau erreicht, das Fracking unwirtschaftlich macht. Experten schätzen, dass die Frackingkosten pro Million British termal unit (BTU) Gas zwischen 3 und 7 Dollar liegen. Zuletzt kostete das BTU aber weniger als 2 Dollar. Frackinggesellschaften kamen in Probleme. Im Zusammenhang mit den Frackinginvestitionen mussten von großen Konzernen in der Folge Milliarden Dollar abgeschrieben werden. Dass die Methode inzwischen vorsichtiger gewertet wird, zeigen die aktuellen Investitionssummen, die die Analysten der Nord LB zusammengetragen haben. 2011 wurden in den USA noch mehr als 30 Milliarden Dollar ins Fracking investiert, 2012 lag der Betrag noch knapp unter 7 Milliarden Dollar, für 2013 rechnet man mit 3,4 Milliarden Dollar.


Vor mehr als 50 Jahren gab es in Deutschland bereits Fracking


Beim Fracking werden Sand, Wasser und Chemikalien in den Erdboden gepresst. Gestein wird dadurch aufgebrochen. Der Sand und die Chemikalien halten das Gestein offen, so dass die gesamte Flüssigkeit, inklusive Öl oder Gas, an die Oberfläche kommen kann. Zwischen 0,2 Prozent und 11 Prozent der eingebrachten Substanz besteht aus Chemikalien. Insgesamt kommen, so die Universität von Manchester, bis zu 260 verschiedene Substanzen zum Einsatz, davon werden 58 mit Sorge betrachtet, 38 Substanzen sind für den Menschen toxisch. In den USA geht man mit dieser Sorge relativ entspannt um. In Deutschland, in dem es auch schon Fracking gab, sind die Richtlinien deutlich höher, die Gefahren erscheinen dadurch geringer. Erstmals hat es 1961 in Deutschland einen Fracking-Versuch gegeben. Zuletzt kam die Methode 2011 zum Einsatz. Experten schätzen, dass sie deutschlandweit rund 300 Mal durchgeführt wurde. Vorfälle sind nicht bekannt. So sieht man beim Umweltbundesamt auch kaum Unterschiede bei den Fracking-Risiken im Vergleich zu anderen Bohrtätigkeiten. Allerdings muss man auch den Flächenbedarf, den Wasserverbrauch und die Lagerung der Chemikalien sowie mögliche Gefahren durch Erdbeben bei der Gesamtbetrachtung berücksichtigen.


Ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt ist auch, wie viel Gas (und Öl) man durch Fracking an die Oberfläche fördern kann. Die entsprechenden Schätzungen müssen immer wieder revidiert werden – meist nach unten. So sprach die amerikanische Energy Information Agency noch 2011 davon, dass im US-Boden 32,9 Billiarden Kubikmeter Gas lagern, die via Fracking gefördert werden können. Aktuelle Schätzungen gehen von 16,1 Billiarden Kubikmetern aus. Zum Vergleich: Aus konventionellen Lagerstätten können die USA rund 11 Billiarden Kubikmeter Gas fördern.


China, Argentinien und Algerien können profitieren


Profiteure eines Frackings-Booms wären auch China (31,6 Billiarden Kubikmeter), Argentinien (22,7 Billarden Kubikmeter) und Algerien (20,0 Billiarden Kubikmeter). In Europa liegen Polen (4,2 Billiarden Kubikmeter) und Frankreich (3,9 Billiarden Kubikmeter) in der Statistik vorne. Für Deutschland belaufen sich die Schätzungen auf 0,7 bis 2,3 Billiarden Kubikmeter.


Die Experten der Nord LB glauben nicht daran, dass es in Europa zu einem echten Fracking-Boom kommen wird. Zumindest momentan sei dies nicht mehrheitsfähig. Die jüngsten Politiker-Äußerungen in Deutschland lassen daran aber zumindest Zweifel aufkommen.



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