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Finanzmärkte: Verunsicherung - Zeit, die Segel ein Stück weit zu reffen?




13.04.18 10:30
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt sich kurz vor seiner Frühjahrstagung optimistisch und hält an der Wachstumsprognose von 3,9% für die Welt in diesem und im kommenden Jahr fest, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Jedem, auch IWF-Präsidentin Christine Lagarde, sei aber klar, dass sich immer mehr dunkle Wolken aufbauen würden. Häufig ziehe eine Gewitterfront - Segler würden das bestätigen können - an einem vorbei. Statt darauf zu hoffen, sollte man sich jedoch lieber auf einen möglichen Sturm vorbereiten.

Die politischen und wirtschaftlichen Risiken hätten in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Der zunächst nur verbal von den USA angekündigte Protektionismus sei in Form von tatsächlich implementierten Schutzzöllen u.a. auf Stahl und Aluminium wahr geworden. Zusätzliche wesentlich massivere Handelsmauern gegen China seien von der Trump-Administration verkündet worden, während China mit Gegenmaßnahmen reagiert habe und sich der Handelskonflikt rhetorisch in neue Höhen schraube.

Des Weiteren hätten neue Sanktionen der USA gegenüber Russland bzw. gegenüber einer Reihe von russischen Unternehmensführern jüngst die Märkte überrascht und würden befürchten lassen, dass von russischer Seite entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet würden. Der ungelöste Ukraine-Konflikt sowie der Fall Skripal würden ihr Übriges tun, um die Beziehungen der westlichen Welt zu Russland für absehbare Zeit in der Nähe des Gefrierpunkts zu lassen. Dazu komme noch die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Russland auf bzw. über syrischem Boden.

Die EU müsse sich derweil mit dem Gedanken vertraut machen, ab April 2019 das wichtige Mitglied Großbritannien verloren zu haben. Und auch wenn sich während der bis Ende 2020 geltenden Übergangsphase faktisch nicht viel ändern dürfte, werde das Selbstbewusstsein der EU nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Dabei seien die populistischen Tendenzen in Osteuropa, die durch die Wiederwahl Victor Orbans als Staatschef Ungarns bestätigt worden sei, wenig hilfreich.

Gehe man auf die andere Seite des Atlantiks, so bahne sich hier möglicherweise ein Unfall in Bezug auf die Nafta-Verhandlungen an. Das seit 24 Jahren bestehende Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada werde derzeit neu verhandelt. Angesichts der im Juli anstehenden Präsidentschaftswahlen in Mexiko würde es nicht verwundern, wenn die Verhandlungen weiterhin ergebnislos bleiben würden. Sollte der Linkspopulist Lopez Obrador die Wahlen gewinnen, wird nach Erachten der Analysten der HSH Nordbank AG ein Abbruch der Verhandlungen wahrscheinlicher - Nafta könnte der Vergangenheit angehören und mit ihm zahllose globale Wertschöpfungsketten. Wem das alles noch nicht genüge, der könne sich noch überlegen, welche konjunkturellen Rückwirkungen die von der im letzten FED-Protokoll in Aussicht gestellte straffere Geldpolitik auf die USA habe.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Finanzmärkte in einem Umfeld solider Konjunkturdaten erstaunlich robust auf politische Schocks reagieren würden. Die Weltkonjunktur sei weiterhin breit aufgestellt. Und nicht jedes der angesprochenen Risiken werde sich manifestieren. So erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG beispielsweise, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China bald in konstruktiven Verhandlungen münden dürfte. Dennoch, der Aufschwung werde nicht ewig weitergehen und für Investoren und Unternehmen werde es allmählich Zeit, die Segel ein Stück weit zu reffen. (Ausgabe vom 12.04.2018) (13.04.2018/ac/a/m)







 
 
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