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Finanzmärkte: Verfrühter Risikoabbau nicht angebracht, aber Gefahren im Blick behalten




12.01.21 13:45
Fisch Asset Management

Zürich (www.aktiencheck.de) - Das aktuelle Hauptrisiko für die weitere Entwicklung der Finanzmärkte ist die große Abhängigkeit des Systems von monetären Impulsen und damit die sehr hohe Sensitivität auf kleinste Änderungen bei der Liquiditätsversorgung oder der Geldmengendynamik, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Änderungen bei der monetären Dynamik müssten nicht zwingend von den Zentralbanken ausgelöst werden. Es könne auch systemintern zu Veränderungen kommen (Geldmenge M1 falle, Umlaufgeschwindigkeiten würden sich ändern, Geldmultiplikatoren würden sinken), die nicht von den Notenbanken direkt gesteuert würden. Das erschwere das Markttiming zusätzlich, da die Investoren im aktuellen Umfeld künftige Änderungen der Geldpolitik sehr früh antizipieren würden und deshalb stark auf solche systemendogenen monetären Schwankungen reagieren könnten.

Gründe für die aktuell hohe Sensitivität des Systems hinsichtlich monetärer Impulse seien einerseits der seit längerem fallende US-Dollar und der damit verbundene stetige Anstieg der Inflationserwartungen in den USA. Diese Entwicklung zeige, dass immer mehr neu gedrucktes Notenbankgeld von den Aktienmärkten und der Konjunktur auch auf die Devisenmärkte überschwappe und dort Bedenken zur Geldwertstabilität auslöse. Das werde zusätzlich durch die jüngst wieder stark steigenden Gold- und Bitcoinpreise bestätigt.

Andererseits würden auch die zunehmenden Staatsdefizite immer stärker durch die Notenpresse finanziert, was die Abhängigkeit des Systems von monetären Faktoren zusätzlich erhöhe. Derzeit bröckele es gewissermaßen an allen Fronten im Finanzsystem. Die Lage unterscheide sich damit deutlich vom Krisenjahr 2009. Der US-Dollar habe damals zulegen können, die Defizite seien kleiner gewesen und die Geldpolitik habe noch mehrere Jahre großer Quantitative-Easing-Programme vor sich gehabt. Der Handlungsspielraum der Zentralbanken sei deutlich größer gewesen.

Trotz der erwähnten Gefahren und hoher Anfälligkeit des Systems auf kleine Störungen würden die grundsätzlichen Treiber im Moment noch klar positiv bleiben: Die Geldpolitik sei sehr locker, die staatlichen Stimulusprogramme würden wirken und die globale Konjunktur sei auf dem Erholungspfad. Die Reflation laufe wie gewünscht und ein moderat tieferer US-Dollar sei kurzfristig sogar positiv. Er ermögliche vielen Emerging Markets ihre eigene Geldpolitik zu lockern und die Staatsdefizite zu erhöhen. Höhere langfristige Zinsen würden steilere Zinskurven bedeuten und seien ein günstiges Signal für die Konjunktur. Historisch sei es in einem solchen Umfeld stets zu Kursgewinnen an den Aktien- und Kreditmärkten gekommen. Erst wenn sich der Reflationstrend zu stark beschleunige, werde es gefährlich. Die Experten von Fisch Asset Management würden die Entwicklung deshalb genau beobachten, aber einen verfrühten Risikoabbau für nicht angebracht halten. (12.01.2021/ac/a/m)







 
 
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