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Finanzmärkte im Herbst: Wenn Bullen sich vor Bären fürchten




08.11.18 12:10
Neuberger Berman

New York (www.aktiencheck.de) - Joseph V. Amato, Vorsitzender und Chief Investment Officer - Equities bei Neuberger Berman, erklärt, warum sich jetzt eine gute Gelegenheit bietet, sich von hoch bewerteten Aktien zu trennen und in defensive Titel umzuschichten.

Zu Jahresbeginn hätten Investoren davor gewarnt, dass sich der Konjunkturzyklus bis zum Ende des Jahres 2018 seiner späten Phase annähern könnte. Schätzungen zufolge würde das starke Wachstum der Unternehmensgewinne die Märkte noch eine Weile antreiben können. Diese Entwicklung böte demnach die Chance, sich von hoch bewerteten Aktien zu trennen und in defensivere Titel umzuschichten.

Diese Erwartungen hätten sich ausgerechnet im Halloween-Monat Oktober bewahrheitet. Es sei zu einem Ausverkauf gekommen, bei dem die Kurse an einem Tag um mehrere Prozentpunkte gefallen seien und an anderen Tagen heftig geschwankt hätten. Dem S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) habe eine zehnprozentige technische Korrektur gedroht.

Halloween dauere nur einen Tag, und schon bald beginne die Weihnachtszeit. Eine Zeit, in der die Aktienkurse meist stark zulegen würden. Bisher hätten im November die Optimisten die Nase vorn gehabt. Bedeute dies, dass der Oktober günstig gewesen wäre, um neue Positionen einzugehen?

Auf den ersten Blick schien der Ausverkauf im Oktober nicht viel mit den wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu tun zu haben, so die Experten von Neuberger Berman. Letzte Woche seien sehr gute neue amerikanische Bruttoinlandsprodukt-Daten (BIP) bekannt gegeben worden. Auch dass die Unternehmensgewinne in den USA nicht mit den Quartalen zuvor Schritt hätten halten können, habe niemanden überrascht. Und doch hätten mehr Unternehmen die Analystenerwartungen übertroffen - sogar mit größerem Abstand als langfristig üblich.

Andererseits habe sich diese Berichtssaison dadurch ausgezeichnet, dass die Unternehmen weniger optimistisch in die Zukunft blicken würden. Investoren hätten General Electric (ISIN US3696041033/ WKN 851144) abgestraft, als der Konzern seine Dividende massiv gekürzt habe. Auch Google (ISIN US02079K3059/ WKN A14Y6F) und Amazon (ISIN US0231351067/ WKN 906866) seien kräftig gefallen, als sie die Umsatzerwartungen verfehlt hätten, auch wenn sie die Gewinnerwartungen übertroffen hätten. Apple (ISIN US0378331005/ WKN 865985) habe es nicht gut bekommen, dass der Konzern in Zukunft keine Absatzzahlen mehr veröffentlichen wolle. Small Caps und eher zyklische Titel hätten zweistellig verloren. Die Bären hätten heftig reagiert, wenn Unternehmen ihre Umsatzziele nur knapp verfehlt hätten - und die Kurse seien sogar gefallen, wenn die Ziele nur knapp übertroffen oder zurückhaltende Zukunftserwartungen geäußert worden seien. Das habe insbesondere für zyklische Unternehmen gegolten.

Die bisherige europäische Gewinnsaison enttäusche und die jüngsten Einkaufsmanagerindexdaten (PMIs) seien schwach. Dem offiziellen chinesischen PMI zufolge hätten Industrie- und Dienstleistungskonjunktur sowie Exportaufträge noch weiter geschwächelt, sodass der Renminbi auf den niedrigsten Wert seit über zehn Jahren gefallen sei. Auch die PMIs der großen asiatischen Exportnationen - Taiwan, Malaysia und Thailand - hätten letzte Woche eine Rezession angezeigt, just als bekannt geworden sei, dass die USA Zölle auf die restlichen Importe aus China planen würden.

Neben einigen scharfen Äußerungen der FED seien die Risiken, also ein längerer Abschwung in Europa sowie China und die Folgen der Zölle, genauso eingetreten, wie am Anfang des Jahres prognostiziert worden sei. Im Oktober seien sie dann Realität geworden. Seither würden die Investoren über den Tellerrand blicken und mehr wahrnehmen als die derzeitigen hohen Unternehmensgewinne in den USA. Die für alle entscheidende Frage ist also, wo wir im Konjunkturzyklus stehen, so die Experten von Neuberger Berman.

Neuberger Berman gehe davon aus, dass der jüngste Ausverkauf am Markt eher eine spätzyklische Korrektur als ein Hinweis auf das Ende des Zyklus sei. Dennoch seien die Chancen im Oktober zum Positionsaufbau nicht mit den Anfängen von 2016 gleichzusetzen, als es einen ähnlichen Gegensatz zwischen nervösen Märkten und scheinbar stabilen Fundamentaldaten gegeben habe. Der Konjunkturzyklus sei heute einfach zwei Jahre weiter fortgeschritten.

Könnten auf dem derzeitigen Niveau US-Aktien noch um 5 bis 10 Prozent steigen? Mit Sicherheit. Höhere Kursgewinne seien perspektivisch jedoch eher unwahrscheinlich, solange sich die Zahlen aus Europa nicht wieder verbessern würden, China auf zusätzliche massive Konjunkturprogramme verzichte, nicht klar sei, wie lange der Konjunkturzyklus anhalte oder wann die FED ihre Zinserhöhung abschließe. Schon jetzt werde der S&P 500-Index bei einem Stand von 2.740 Punkten fast zum 16Fachen der für das nächste Jahr erwarteten Gewinne gehandelt.

Vermutlich seien die Ängste im Oktober übertrieben gewesen und es sei davon auszugehen, dass Aktien durchaus noch zulegen könnten. Doch die Sorge vor einer Konjunkturwende bleibt berechtigt: Wir sind davon überzeugt, dass zukünftige Kursrallyes erneut eine gute Gelegenheit sind, allmählich in defensivere Titel umzuschichten, so die Experten von Neuberger Berman. Halloween dauere nur einen Tag, doch die heftige Marktkorrektur im Oktober werde so schnell nicht vergessen sein. (08.11.2018/ac/a/m)







 
 
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