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Eurozone: Auf grauen Winter könnte hellerer Frühling folgen




11.01.19 12:15
Berenberg

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Eine Reihe von politischen Krisen und externen Schocks hat die Konjunktur in der Eurozone aus dem Tritt gebracht, so Dr. Florian Hense von der Berenberg.

Nachdem die Wirtschaft 2017 noch um 2,5% gewachsen sei, habe sich das Wachstumstempo 2018 stetig und spürbar verlangsamt, auf nur noch 0,6% annualisiert im dritten Quartal. Für das Gesamtjahr 2018 erwarte man 1,8%.

An den Märkten grassiere sogar die Angst vor einer Rezession. Vor allem die von den USA geschürten Handelsspannungen würden auf der Stimmung der Unternehmen lasten. Dazu kämen wachsende Sorgen um China und der Einbruch der Ausfuhren in einige Schwellenländer wie der Türkei. Gleichzeitig hätten die bis in den November hinein hohen Preise für Heizöl und Kraftstoffe die Kaufkraft der Verbraucher so geschmälert, dass sie ihre Ausgaben für andere Güter und Dienstleistungen hätten einschränken müssen. Seit Oktober würden zudem die sich zuspitzenden Brexit-Wirren sowie die Reformrolle rückwärts der radikalen Regierung in Rom das Geschäftsklima in der Eurozone trüben.

Für die kommenden Monate zeichne sich noch kein Ende der aktuellen Wachstumsschwäche ab. Man müsse sich zunächst auf weitere schlechte Nachrichten einstellen. Dennoch könne dem grauen Winter ein hellerer Frühling folgen. Denn wirtschaftlich gesehen gebe es keinen echten Grund für eine Stagnation oder sogar eine Rezession.

Die Stimmung bewege sich immer noch oberhalb langfristiger Durchschnitte. Viele Länder der Eurozone hätten im Nachgang der Finanz- und Eurokrisen Strukturreformen umgesetzt. Die besseren Bedingungen für Investitionen und Jobs würden für ein höheres Potenzialwachstum sorgen. Ein anhaltend solides Beschäftigungswachstum mit anziehenden Löhnen steigere die verfügbaren Einkommen. Allmählich auftretende Engpässe auf dem Arbeitsmarkt und eine hohe Auslastung der Industrie würden für Investitionsbedarf seitens der Unternehmen sorgen. Dass Unternehmen dafür auch vermehrt Kredite aufnehmen würden, ohne es zu übertreiben, zeuge von Zuversicht. Die öffentliche Hand zeige sich spendabel, die Geldpolitik bleibe trotz Ende der Netto-Anleihekäufe relativ locker und ein unterbewerteter Euro-Wechselkurs stütze die Wettbewerbsfähigkeit von Exporteuren.

Wir rechnen damit, dass die politischen Risiken, die uns derzeit in Atem halten, nicht voll eintreten und sich die Konjunktur deshalb ab Frühling wieder erholen kann, so Dr. Florian Hense weiter. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht. Der Anreiz für Trump, "Deals" mit China und der EU abzuschließen, statt mit einer weiteren Eskalation die Chancen der eigenen Wiederwahl zu gefährden, dürfte mit dem Auslaufen des Fiskalstimulus immer größer werden. Inmitten schwerer politischer Turbulenzen in Großbritannien rechne man damit, dass eine überparteiliche Mehrheit im Parlament einen harten Brexit verhindern wolle. Angesichts des Risikos, dass höhere Risikoaufschläge zu einer Kreditklemme in Italien führen könnten, zeichne sich ab, dass Rom bei seinen Ausgabenplänen etwas zurückhaltender werde. Die Türkei und einige andere Schwellenländer würden voraussichtlich im Winter den Tiefpunkt ihrer Anpassungskrisen erreichen. Der Rückgang der Rohölpreise könne dem derzeit lahmenden Konsum im Laufe des Jahres 2019 wieder etwas mehr Schwung verleihen.

Der Winterpause der Konjunktur könnte somit ein Frühling mit wieder etwas mehr Wachstum folgen. Trotz eines vermutlich schwachen Starts in das neue Jahr sei 2019 insgesamt ein Wachstum von 1,2% möglich. Für 2020 rechne man mit 1,7%, also einem BIP-Wachstum wieder etwas oberhalb des Trends von 1,5%.

Es bleibe aber das Risiko, dass die Sorgen um die Zukunft und die aktuellen Abwärtstendenzen eine gewisse Eigendynamik entwickeln würden. Selbst wenn einige der derzeit heiß diskutierten Risiken an Bedeutung verlieren würden, könnten Haushalte und Unternehmen für einige Zeit noch derart nervös sein, dass selbst kleinere Störungen ihr Konsum- und Investitionsverhalten nachhaltig beeinträchtigen würden. Die Wachstumsdelle könnte somit tiefgreifender und länger ausfallen, als man es zurzeit erwarte. (11.01.2019/ac/a/m)







 
 
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