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Europas Wirtschaft überrascht positiv




13.10.20 16:22
AB

München (www.aktiencheck.de) - "Die Weltwirtschaft hat sich im dritten Quartal 2020 erholt - doch nun kommt eine schwierigere Phase: Ein erneuter Anstieg der Covid-19-Ansteckungszahlen und der allmähliche Entzug von Stützmaßnahmen könnten die Lage wieder verschlimmern", sagt Darren Williams, Chefvolkswirt beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Der wirtschaftliche Schaden, den die Pandemie angerichtet habe, werde noch einige Monate fortbestehen und erfordere zusätzliche politische Hilfsmaßnahmen. Zwar könnten die Notenbanken, etwa die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Anleihekauprogramme erweitern. Doch ihre Munition sei weitestgehend verschossen - und nun sei die Fiskalpolitik am Zug.

Besonders große Sorgen würden sich die Experten um die Wirtschaft in den USA machen. Zwar habe die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal zugenommen und etwa zwei Drittel der Einbußen vom Jahresanfang wieder wettgemacht. Doch zusätzlich zur anhaltenden Gefahr des Corona-Virus würden Sektoren wie Reisen und Freizeit noch eine Zeitlang Schwierigkeiten haben. Mehr als zehn Millionen Menschen seien nun dauerhaft arbeitslos. Hinzu komme: Mit der Einstellung von Corona-Nothilfen würden die Haushaltseinkommen einbrechen - und je länger die Erholung auf sich warten lasse, desto langanhaltender werde der Schaden.

Europas Wirtschaft habe dagegen angenehm überrascht: Nachdem sie im zweiten Quartal um ganze 11,8 Prozent geschrumpft sei, würden die Experten ein Wachstum von mehr als zehn Prozent im dritten Quartal erwarten - und damit einen Output von lediglich fünf oder sechs Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Das betreffe vor allem den Einzelhandel, wo die Umsätze um 27 Prozent angestiegen seien.

Zwar könnten erneute Infektionsausbrüche der Konjunktur einen Dämpfer versetzen, doch ab dem kommenden Frühling dürfte die Erholung nachhaltiger sein - vorausgesetzt, man bekomme das Virus unter Kontrolle und die fiskalischen Stützmaßnahmen würden fortdauern. Zuviel Vorfreude sei jedoch verfrüht, denn das Bild sei immer noch durchwachsen: Verarbeitendes Gewerbe, Bau und KFZ-Zulassungen seien immer noch sieben, drei beziehungsweise neun Prozent unter Vorkrisenstand und auch der Einkaufsmanagerindex PMI sei schon zwei Monate infolge gefallen.

Eine signifikante Erholung würden die Experten auch für Großbritannien erwarten, nachdem die Volkswirtschaft im zweiten Quartal massive Einbrüche von 20,4 Prozent erlitten habe. Dennoch gebe es zahlreiche Stolpersteine, die die Entwicklung ins Gegenteil verkehren könnten: Nicht nur ein erneuter Lockdown bei steigenden Infektionszahlen und das Ende des 'Job Retention Scheme' seien für die Wirtschaft eine Bedrohung, sondern auch das Damoklesschwert des Brexit. Ob ein Austritt aus der Zollunion oder eine Rückkehr zu den Bedingungen der Welthandelsorganisation (WTO) - beide Ausgänge hätten eine destabilisierende Wirkung.

Chinas Wirtschaft hingegen gewinne weiter an Fahrt und Tiefe und die Experten würden damit rechnen, dass dies auch im vierten Quartal anhalte, gestützt durch zusätzliche geldpolitische Impulse. Viele Indikatoren würden darauf hindeuten, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern würden, darunter die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende und Nicht-Verarbeitende Gewerbe. Dennoch sollten Investoren gewisse Risiken nicht außer Acht lassen: Die Spannungen zwischen den USA und China würden zunehmen und könnten im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen eskalieren - und sich fortsetzen, sollte Donald Trump im Weißen Haus bleiben. Besonders für Unternehmen, die nicht in globale Lieferketten oder Systeme integriert seien, würden US-Sanktionen eine Gefahr darstellen. (13.10.2020/ac/a/m)






 
 
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