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Kolumnist: Bernd Raschkowski

Der Euro als Krisengewinner / Ausbruch aus dem Abwärtstrend




10.03.20 10:48
Bernd Raschkowski

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Inmitten der Corona-Verwerfungen ist die jüngste Aufwärtsbewegung des Euros etwas untergegangen. Die Gemeinschaftswährung hat trotz der zahlreichen Probleme der Euro-Zone in den letzten Wochen massiv an Wert hinzu gewonnen. Seit Mitte Februar ging es um 6,7 Prozent nach Norden - das ist im Devisen-Bereich extrem viel. Es wird Zeit für eine Betrachtung der Hintergründe inklusive der charttechnischen Marken.


Euro/US-Dollar mit dynamischer Aufwärtswelle


Währen der DAX im Panik-Modus auf ein neues Verlaufstief einbrach, kletterte der Euro in schnellen Schritten auf ein neues Sechsmonatshoch empor. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,1374 US-Dollar. Mitte Februar, also erst vor wenigen Wochen, notierte der Euro noch bei 1,08 US-Dollar. Seitdem setzte die dynamischste Aufwärtswelle der letzten Jahre ein.


Die Stärke der Währung ist allerdings auch auf die Schwäche des Dollars zurückzuführen. Die europäische Einheitswährung profitiert derzeit von den fallenden US-Zinsen und der Rückabwicklung der großen Carry-Trades der vergangenen Jahre.


Zinssenkung der US-Notenbank drückt den Dollar


Die Fed hatte letzte Woche eine spontane Leitzinssenkung um 50 Basispunkte bekannt gegeben. Mit der Zinssenkung reagierten die amerikanischen Währungshüter auf die starken Konjunktursorgen im Zuge der Corona-Ausbreitung. Aktuell signalisieren die Fed-Fund-Futures sogar eine nochmalige US-Zinssenkung im März zum regulären Notenbank-Termin.


Normalerweise hätten die Börsianer solch einen Schritt begrüßt, schließlich wird dadurch die Kreditvergabe angekurbelt und die Unternehmen können sich günstiger finanzieren. Nun wurde es jedoch anders interpretiert. Die überraschende Zinssenkung verschreckte die Anleger eher. Nach dem Motto „Wie schlimm muss es um die Wirtschaft stehen, dass solch ein Schritt notwendig ist?“ gingen die Marktteilnehmer in Deckung und verkauften ihre Positionen. Und: Kann ein geldpolitisches Werkzeug überhaupt die Konsumlaune und das Vertrauen der Bevölkerung zurück bringen?


Rückabwicklung der Carry-Trades


Der Euro galt lange Zeit als schwach, die zahlreichen Brandherde (hohe Staatsverschuldung, maue Wirtschaft in weiten Teilen der Euro-Zone, politische Uneinigkeit, etc.) setzen der Währung zu. Plötzlich wird der gebeutelte Euro jedoch zum Krisen-Gewinner.


Die Gemeinschaftswährung profitiert unter anderem von der Rücknahme der sogenannten Carry-Trades. In den letzten Jahren hatten sich viele Investoren rund um den Globus in Euro verschuldet und das Geld in den USA angelegt, schließlich gab es dort deutlich höhere Zinsen. Es war ein ertragreiches Geschäft. Aktuell werden solche Positionen teilweise aufgelöst. Infolgedessen fällt der Dollar und steigt der Euro.


Charttechnik: Abwärtstrend gebrochen


Die außerordentliche Zinssenkung der US-Notenbank hatte den langjährigen Anstieg des Dollars schnell gestoppt. Die US-Währung verlor innerhalb weniger Tage deutlich an Wert. Im Umkehrschluss wurde der langfristige Abwärtstrend im Euro gebrochen.


In der folgenden Abbildung ist die Entwicklung des Währungspaars Euro/US-Dollar seit Anfang 2018 dargestellt (Euro in US-Dollar, Candlestick-Chart):


 



 


In der obigen Abbildung ist der charttechnische Abwärtstrend der vergangenen Jahre sowie der Ausbruch über die Trendlinie zu sehen. Damit hat der Euro ein positives Signal generiert. Maßgeblich hierfür war der Sprung über die negative Abwärtstrendlinie bei 1,11 US-Dollar.


Mit dem Bruch des Abwärtstrends verbessern sich nach der Lehre der Charttechnik die Aussichten für die Währung. Eine neue Aufwärtsbewegung ist nun wahrscheinlicher als ein Rückfall in den Abwärtstrend. Mittelfristig sind steigende Notierungen wahrscheinlich. Als Kursziel der nächsten Monate gilt der Bereich von rund 1,152 Dollar. Erst in dem Bereich besteht ein großer Widerstand.


Das positive Gesamtbild für den Euro würde sich erst mit einem Rutsch der Währung unter 1,11 US-Dollar eintrüben. In diesem Fall müsste der jüngste Ausbruch als Fehlsignal betrachtet werden.


Freundliche Grüße aus Köln


Ihr


Bernd Raschkowski
Chefredakteur
www.rohstoff-und-devisen-news.de



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