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Kolumnist: Bernd Niquet

Eure Fußball-WM könnt ihr jetzt wohl vergessen




14.04.18 10:51
Bernd Niquet

Das ist schon eine erstaunliche Zeit heute, in der die wichtigen Dinge nicht in diplomatischen Zirkeln besprochen, sondern per Twitter verkündet werden. Als Mensch, der noch aus einer anderen Zeit kommt, könnte man da den US-Präsidenten Donald Trump tatsächlich für einen Verrückten halten.

Ich habe allerdings zwei Gegenargumente: Erstens scheinen mir heute beinahe alle Leute verrückt zu sein, im Sinne von ver-rückt, wie ein Möbelstück, das nicht mehr an seinem Platz steht. Und zweitens halte ich Trump für durchaus bedacht.


Denn dass der letzte Giftgasanschlag in Syrien nicht unbeantwortet werden durfte, war ja wohl jedem klar. Und natürlich unterstützen die Franzosen und Engländer die USA. Nur wir Deutschen möchten gerne mal wieder, auch hier, ausschließlich das Gute im Menschen sehen.


Jetzt hat es also einen Angriff gegeben, der jedoch weit geringer ausgefallen ist als das, was vorher angekündigt worden war. Eigentlich war das nicht viel mehr als eine Alibi-Gegenschlag.


Vorher hatte ich mir überlegt, was wohl geschieht, wenn die USA tatsächlich machen, was Trump angekündigt hat, nämlich mit ihren Raketen auch die Russen zu bedrohen. Und die Russen diese dann abschießen und gleichzeitig, wie ebenfalls angekündigt, die Abschussbasis der USA angegriffen hätten.


Das ist jetzt zum Glück vom Tisch. Die Reaktion der Russen steht jedoch noch aus.


Woran ich bei allem auch denke: Kann man jetzt eigentlich in Russland noch eine friedliche Fußball-Weltmeisterschaft spielen? Jetzt, wo ziemlich klar ist, dass das Giftgas des Anschlages in Großbritannien aus Russland stammt und Russland in Syrien einen Kriegsverbrecher unterstützt?


Ich denke, das geht nicht. Doch das wäre natürlich die ultimative Katastrophe für Deutschland. Schließlich ist Fußball unser Leben.


Zudem interessiert hierzulande eigentlich kaum jemanden der Krieg dort unten. Und wenn, dann will er damit bloß nichts zu tun haben. Gäbe es nicht die Flüchtlinge, würden wir ihn wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Man merkt das daran, wenn man sich Nachrichtensendungen wie „heute“ anschaut, wo auch in Momenten kurz vor dem Abgrund noch ausführlich und länger als über die Politik über den Sport berichtet wird.


Gelacht wird natürlich auch in diesen Sendungen, obwohl gerade Menschen auf grausamste Weise gestorben sind. Hauptsache der Ball rollt und das Wetter ist schön. Das ist Deutschland. Und von der Kanzlerin kann man nur deswegen nicht sagen, sie ziehe ihren Schwanz ein, weil sie gar keinen hat.


Und das ist die wirtschaftliche dominierende Macht in Europa. Die Führungsmacht. Die Historiker werden einmal den Kopf schütteln.




Bernd Niquet





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