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Es ist Zeit für etwas Optimismus




25.03.20 14:05
Quant.Capital Management

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) - Als Risikomanager ist es eine der wichtigsten Aufgaben, in guten Zeiten die Gefahr zu sehen und in schlechten Zeiten die Zukunft nüchtern zu analysieren, so Ivan Mlinaric, Geschäftsführer der Quant.Capital Management GmbH.

Derzeit seien die Zeiten schlecht - aber rein analytisch betrachtet, drehe sich der Ausblick. Es sei Zeit für etwas Optimismus.

Politik und Wirtschaftswissenschaft würden sich wie Pendel bewegen: Nachdem noch nach dem Ausbruch in Wuhan die Gefahren des neuartigen Coronavirus für Gesellschaft und Wirtschaft verharmlost worden seien, habe dies vor wenigen Wochen in das gegenteilige Extrem umgeschlagen. Die Politiker stünden im Wettbewerb um die restriktivsten Maßnahmen, die Volkswirte würden sich mit Horrorszenarien überschlagen: Rezession, Depression, die schlimmste Depression aller Zeiten oder gar der Zerfall des Wirtschaftssystems? Es scheine keine Grenzen zu geben. Die Börsen würden Jo-Jo spielen, die Infektionszahlen würden steigen, Unternehmen würden geschlossen bleiben. Die Lage sei verheerend für eine auf Wirtschaftswachstum gepolte Gesellschaft. Was solle angesichts dieser nackten Fakten positiv stimmen?

Es seien die weit gezogenen Rahmenbedingungen, die Anlass zu Optimismus geben würden. So sehen die Experten eine starke Welle internationaler Kooperation und Hilfsbereitschaft. Die EU habe zur Hochzeit der Krise medizinische Hilfsgüter nach China geschickt. Jetzt helfe China mit Hilfsgütern für Italien, genau wie Russland medizinisches Material und Personal dorthin sende. Deutschland nehme Patienten aus Frankreich und Italien auf, Infektionsschutzkleidung werde international geteilt, die Liste lasse sich fortsetzen. Dazu komme, dass man ein Geraderücken der Prioritäten in Wirtschaft und Gesellschaft beobachte. Die Gesundheit der Menschen wird dem wirtschaftlichen Wohlstand vorgezogen. Die prompt proklamierte Abkehr von der schwarzen Null sowie die Zusagen schneller und unbürokratischer Hilfen würden dies unterstreichen.

Wer jetzt denke, dass diese Krise noch lange, vielleicht allzu lange dauern werde, unterschätze die unglaubliche Innovationskraft der Menschheit. Weltweit würden Labore gemeinsam an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten. In den USA sei Virologen für ihre Forschung gerade "Summit", der schnellste Supercomputer der Welt, zur Verfügung gestellt worden, dessen eigentlicher Einsatzzweck in der Nuklearforschung liege. Hierzulande würden die derzeit leistungsfähigsten Computerressourcen in Europa - eine davon sei das Forschungszentrum in Jülich - genutzt, um Wirkstoffe zur Entwicklung von Medikamenten gegen das Coronavirus zu simulieren. In der Suche nach einem Impfstoff scheine der wissenschaftliche Erfolg zumindest zeitweise über den wirtschaftlichen Erfolg gestellt. Fast unbemerkt würden Forscher daneben an vielversprechenden Ansätzen für Medikamente zur Behandlung der Krankheit arbeiten. Diese könnten viel früher zur Verfügung stehen als gedacht und die Pandemie beherrschbar machen.

Dazu kämen weitere Entwicklungen, die positiv stimmen würden: In der Krise lerne man wieder die öffentlichen Gesundheitssysteme zu schätzen, die am Wohle des Menschen ausgerichtet seien und nicht primär am Profit. Wir sehen, dass unser immer noch starkes Gesundheitssystem dazu beiträgt, Todesopfer zu vermeiden. Wir haben die Kapazitäten, unseren Nachbarn in der Not zu helfen, so die Experten von Quant.Capital Management.

Für die Kapitalmärkte stimmt hoffnungsvoll, dass uns einmal mehr die Anfälligkeit und Zerbrechlichkeit eines Systems vor Augen geführt werden, das auf kurzfristigen finanziellen Erfolgen beruht. Wenn wir unsere Lektionen diesmal lernen, werden wir dem realen wirtschaftlichen Erfolg in Zukunft mehr Beachtung schenken als den Erfolgen des finanziellen Engineerings, so die Experten von Quant.Capital Management. Dazu komme, dass die aktuelle Situation wie ein Turbo wirke und die Durchsetzung modernen digitaler Technologien in der breiten Wirtschaft deutlich beschleunigen werde. In Italien seien 3D-Drucker dazu verwendet worden, kurzfristig benötigte Ersatzteile für Beatmungsgeräte herzustellen. In China seien autonome Fahrzeuge dafür eingesetzt worden, den öffentlichen Raum zu desinfizieren. Autonome Roboter würden genutzt, um die U-Bahn-Schächte in Hongkong zu desinfizieren. Überlastetes medizinisches Pflegepersonal in den USA und China werde durch neue, teilautonome Systeme unterstützt. So würden nicht nur die Mitarbeiter entlastet, sondern auch die Verbreitung des Virus beim Personal verlangsamt.

Die Reduktion finanz-magischer Übertreibungen, ein massiver Innovationsschub und steigende Produktivität durch digitale Technologien sowie ein Zurückbesinnen auf unser Wertesystem, begleitet von weitreichenden fiskalpolitischen Maßnahmen würden für Investoren Chancen bieten und nachhaltige Ertragsquellen eröffnen. Und auch, wenn es fast zynisch klinge: Für langfristig orientierte Anleger mit ausreichender Risikotragfähigkeit würden sich günstige Einkaufskurse ergeben.

Die Krise sei noch nicht vorbei, aber sie könnte möglicherweise schneller enden, als dies von vielen Beobachtern erwartet werde. Fast sicher sei allerdings auch, dass eine Erholung unter starken Schwankungen erfolgen werde. Wer jetzt - auch angesichts der zum Teil starken Tagesgewinne - eine schnelle und schnurgerade Aufwärtsbewegung erwarte, werde enttäuscht werden. Insofern ist es für uns als Risikomanager wieder an der Zeit, im Positiven auch die Gefahren zu sehen und einen Schutzschild dagegen zu bauen, so die Experten von Quant.Capital Management. Denn wer möchte nach den Verlusten und angesichts mancher Aufwärtsbewegungen das gerade wieder Gewonnene schon wieder verlieren? Ein Risikomanagement mit neutralem Blick sei die beste Chance, in unruhigen Zeiten einigermaßen ruhig schlafen und neue Chancen nutzen zu können. (25.03.2020/ac/a/m)






 
 
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