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Endgültiger Abschied von den "Fifty Shades of Green"




15.10.20 15:55
Triodos IM

LA Driebergen-Rijsenburg (www.aktiencheck.de) - Seit geraumer Zeit beschreibt der Ausdruck "Fifty Shades of Green" die Herausforderung für Investoren, sich in einem Meer von nachhaltigen Anlageoptionen zurechtzufinden - von dunkelgrün über hellgrün bis hin zu schlichtem Greenwashing, so Jacco Minnaar, Vorstandsvorsitzender von Triodos Investment Management.

Kapitalanlagen mit nachhaltigen Anlagestrategien seien in den letzten Jahren exponentiell gewachsen und obwohl ich das Wachstum sehr begrüße, würden zu viele Produkte nur auf einen Marketing-Hype anstatt auf einer authentischen Investmentstrategie basieren. Die Popularität von Nachhaltigkeits- und ESG-geprüften Indices habe sprunghaft zugenommen. Für Investoren, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollten, sei dies zunächst einmal eine positive Entwicklung. Unsere Untersuchungen würden jedoch zeigen, dass von den Top-10-Unternehmen, die in mehreren bekannten Nachhaltigkeitsindices enthalten seien, nur ein Unternehmen die strengen Mindeststandards von Triodos IM erfülle. Das sei verblüffend. Das Problem dabei sei, dass Nachhaltigkeit kein geschützter Begriff sei und es weder global noch national anerkannte Definitionen gebe. Dies mache den Sektor sehr anfällig und sei einer der Gründe, warum Minnaar die neue EU-Taxonomie begrüße, die ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Aktivitäten sei. Endlich könnten wir uns von der vagen und irreführenden Produktpropaganda ein für alle Mal verabschieden.

Als Instrument biete die EU-Taxonomie einen systemischen und zukunftsorientierten Ansatz, der erhebliche Auswirkungen auf die Transformation der Branche für nachhaltige Investments habe. Sie unterstütze den Übergang zu einer Wirtschaft, die im Einklang mit den sehr ehrgeizigen Zielen für die Verringerung klimaschädlicher Gase in der EU stehe, und skizziere ein Klassifizierungssystem und Screening-Kriterien, die die wirtschaftlichen Aktivitäten definieren, die einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels oder zur Anpassung an diesen leisten könnten. Mit anderen Worten definiere sie, was "grün" eigentlich bedeute. Vermögensverwalter würden offenlegen müssen, wie ihre Produkte die Kriterien erfüllen und warum diese keinen Schaden anrichten würden. Das werde die Wettbewerbsbedingungen angleichen, Vergleiche erleichtern und das Vertrauen der Investoren stärken. Letztendlich werde es den Markt verändern, da es das Angebot an Produkten mit grünem Anstrich reduziere, und Minnaar gehe davon aus, dass der Sektor durch Innovation und Produktentwicklung umgestaltet werde.

Es gebe natürlich Stimmen, die mit dem Konzept nicht einverstanden sein, und solche, die sich für eine verzögerte Umsetzung einsetzen würden. Einige seien nicht unbedingt vom Mehrwert der Taxonomie überzeugt, während andere sie als zu komplex und zu aufwendig empfinden würden. Aber wir hätten keine Zeit zu verlieren. Die Taxonomie werde bis Ende 2021 in die Praxis umgesetzt, obwohl die Richtlinien dafür noch nicht vorlägen. Zuvor müsse jedoch das Berichtswesen der Unternehmen verfeinert werden, die Datenlieferanten müssten die Informationen angemessen verpacken, und die lokalen Finanzaufsichtsbehörden müssten sich vergewissern, wie sie das alles überwachen würden. Als Sektor müssten wir agil vorgehen, die Dynamik beibehalten und vorantreiben.

Obwohl wir ein 100%iger Impact-Investor seien, würden wir bereits jetzt wissen, dass nicht alle unsere Fonds die Auflagen der EU-Taxonomie zu 100 % erfüllen würden. Unserer Strategie liege eine Vision und eine Theorie des Wandels zugrunde - wir würden über die globalen Probleme nachdenken, die wir angehen wollten, und dies führe uns schließlich zu den Lösungen, in die wir investieren würden. Das bedeute aber auch, dass bei vielen unserer Fonds soziale Ergebnisse im Fokus stünden, die von der Taxonomie noch nicht abgedeckt seien. Dieser Umstand habe Minnaar dazu bewogen, für die Aufnahme zusätzlicher Screening-Kriterien einzutreten, die sich an den sozialen Herausforderungen orientieren würden, die in der Agenda 2030 und allen 17 SDGs umrissen würden. Wir brauchen kluge, aktive Investitionen, die nicht nur Umweltverbesserungen erreichen würden, sondern die auch zu allgemeineren gesellschaftlichen Fragen wie Ernährungssicherheit, Bildung und Gesundheitsversorgung Stellung beziehen würden.

Bis zur offiziellen Einführung der EU-Taxonomie und bevor wir uns endgültig vom Greenwashing verabschieden könnten, rufe Minnaar alle Investoren, Eigentümer, Vermögensverwalter und Entscheidungsträger auf, ihre Hausaufgaben zu machen. Sie sollten sich selbst fragen: Bin ich davon überzeugt, dass mein Geld für meine Wirkungs-, Risiko- und Ertragsziele eingesetzt werde? Was passiere, wenn ich in diesen Fonds investiere? Was sei die Vision meines Vermögensverwalters? Wenn Sie mit Ihren Antworten nicht zufrieden seien, Sie sollten einen Blick auf alternative Optionen werfen, bei denen es kein Greenwashing gebe, sondern eine ehrliche Verpflichtung zu reiner Nachhaltigkeit. (15.10.2020/ac/a/m)



 
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