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Kolumnist: Holger Steffen

Einhell: Da geht noch was




16.05.18 13:03
Holger Steffen

Seitdem wir Ihnen die Einhell-Aktie vor knapp zwei Jahren als
„interessante Einstiegsgelegenheit“ (Ausgabe Nr. 26/2016) präsentiert
haben, hat das Papier um über 180 % an Wert zugelegt. Diese Performance
hat zugegebenermaßen selbst uns ein wenig überrascht, schließlich hatten
wir den Werkzeugbauer für den Heim- und Handwerkerbedarf seinerzeit zwar
als solide expandierendes Unternehmen, aber nicht als Wachstumsrakete
eingestuft.
Tatsächlich nahm das Wachstum der letzten beiden Jahre dann durchaus
explosive Züge an, und die Treiber dafür sind weiterhin intakt.
Überrascht vom zuletzt steilen Wachstumspfad wurden offenbar nicht nur
wir, sondern auch das Management selbst. Nachdem schon 2016 die eigenen
Prognosen deutlich übertroffen wurden, musste die Unternehmensleitung
die Planzahlen für 2017 gleich mehrmals nach oben korrigieren. Wurden zu
Jahresbeginn noch 500 Mio. Euro Umsatz in Aussicht gestellt, so lagen
die Einnahmen dann realiter bei 553 Mio. Euro.

Förmlich pulverisiert wurde die Ertragstaxe: Statt der ursprünglich
angepeilten 18 Mio. Euro lag der Gewinn vor Steuern (EBT) mit 35,7 Mio.
Euro fast doppelt so hoch. Netto stellte sich der Gewinn auf 21,2 Mio.
Euro, das entspricht fast einer Verdreifachung in den letzten beiden
Jahren. Und auch die Umsatzsteigerung summiert sich in einem allgemein
eher beschaulichen Marktumfeld auf stramme 25 % seit 2016.

Zurückführen lässt sich dieser Boom vor allem auf einen Schlüsselfaktor,
die sog. „Power X-Change“-Technologie, die den Betrieb verschiedenster
Geräte mit demselben Akku ermöglicht und damit praktisch ein
Alleinstellungsmerkmal von Einhell darstellt. Hier haben die Bayern
offensichtlich einen Nerv im Markt getroffen, denn der Trend bei
elektrischen Werkzeugen geht mit zunehmend leistungsfähigen
Akku-Technologien ohnehin weg vom Stromkabel, so dass die Vorteile einer
einheitlichen Batterie immer mehr zum Tragen kommen. Neben diesem
umsatzseitigen Volltreffer hat das Management aber auch kostenseitig
seine Hausaufgaben gemacht, insbesondere bei der Sanierung der
schwächelnden Niederlassungen in Übersee.

So wurde die defizitäre brasilianische Tochter inzwischen verkauft,
während die Gesellschaften in Argentinien und Australien den Turnaround
geschafft haben. Insgesamt hat sich 2017 dadurch der Gewinnbeitrag aus
Übersee mehr als verdoppelt und maßgeblich zum kräftigen Gewinnschub
beigetragen. Bleibt die Frage, ob die Bayern ihr Wachstumspulver damit
erst einmal verschossen haben. Dafür gibt es aber bislang keine
Hinweise, vielmehr sieht das Management allein in der Ausschöpfung der
bisherigen Erfolgstreiber noch große Potenziale, allen voran in der
Power X-Change-Technologie. Wie wir exklusiv vom Unternehmen erfahren
haben, hat sich der Umsatz der Produktfamilie schon im letzten Jahr
verdoppelt auf nunmehr 16 % der Konzernerlöse, bis 2022 soll der Anteil
noch mal kräftig auf 25 bis 30 % zulegen.

Weiter ausbauen will das Management auch den zweiten bewährten
Wachstumspfad, das E-Commerce-Geschäft. Schon 2017 ist der Online-Absatz
kräftig gestiegen und steuert inzwischen rd. 13 % der Konzernerlöse bei.
Im laufenden Jahr sollen Kapazitätserweiterungen sowohl auf der
Verkaufsseite, z.B. durch neue Tools wie Livechats und Videoberatung,
wie auch im Service, etwa durch Knowledge Bases und User-Communities,
für weitere Impulse sorgen.


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