Erweiterte Funktionen


Kolumnist: Robert Halver

Einen treueren Aktien-Freund als die Fed gibt es nicht




24.07.20 13:00
Robert Halver

Ohne Zweifel bietet der bizarre Regierungsstil Donald Trumps genug Angriffsfläche für Kritik. Konjunkturell dagegen überrascht Amerika mit deutlichen Erholungszeichen. Damit das auch so bleibt, werden weitere Billionen schwere Konjunkturhilfen vorbereitet, die sicher auch dem US-Präsidentschaftswahlkampf geschuldet sind. Und damit aus dem amerikanischen Weißkopfseeadler durch die Schulden-Orgie kein Pleitegeier wird, muss die US-Notenbank ein konsequenter Erfüllungsgehilfe der amerikanischen Fiskalpolitik bleiben.Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Bei Konjunkturhilfen stimmt das noch!


In den USA wird bereits über das nächste Konjunkturprogramm verhandelt. Das dann fünfte Hilfspaket könnte sogar noch höher ausfallen als die bisherigen. Immer auf die Präsidentschaftswahl schauend, wollen die Republikaner den Demokraten, die Hilfen von drei Billionen fordern, in puncto Rettungswillen in nichts nachstehen. Angesichts der großen Massenarbeitslosigkeit will sich niemand als Konjunkturbremser präsentieren. Schon gar nicht Trump, der in Umfragen deutlich zurückliegt.




Auch die US-Notenbank warnt vor einer „Einkommensklippe“, einem plötzlichen Auslaufen der Corona-Nothilfsprogramme für Arbeitslose Ende Juli mit fatalen Folgen für die Binnenwirtschaft. Zwar befindet sich der US-Einzelhandel auf eindrucksvollem Erholungskurs. Aber die Konsumentenerwartungen haben sich bereits wieder eingetrübt.




Ohnehin liefert die zweite Infektionswelle und das erste Mal seit März wieder steigende US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe das passende Alibi für eine Verlängerung der Sozialleistungen für Arbeitslose, die traditionell eher demokratisch wählen.




Mit Stabilitätsfragen wie der beispiellosen Rekordverschuldung beschäftigt sich Amerika wenig. Schon immer wurden Schulden als Highway betrachtet, auf dem die Konjunktur möglichst hohe Geschwindigkeit aufnehmen soll. Allein in diesem Jahr werden die USA die seit Staatsgründung 1776 angehäufte Staatsverschuldung noch einmal um ca. 20 Prozent erhöhen.




Ein cleverer Trick: Schulden einfach weginflationieren


In diesem Schuldenspiel muss die US-Notenbank nachhaltig dafür Sorge tragen, dass die erdrückende Schuldenlast tragfähig bleibt. Dabei legt die Fed allergrößten Wert auf negative reale Renditen auf US-Staatsanleihen, also nach Abzug der Preissteigerung. Damit frisst Inflation Schulden auf. Auf diese Art hat Amerika bereits seine Weltkriegsschulden in den Griff bekommen.




Zu diesem Zweck wird bei der Fed auch über die sogenannte Yield Curve Control diskutiert. So könnte die Notenbank den Zinsmärkten signalisieren, dass sie die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bei null Prozent verankern will. Allein schon diese konkrete Ansage würde deutlich renditesenkenden Druck auch auf die gesamte Zinsstrukturkurve ausüben. Ohnehin lautet das Motto „Never fight the Fed!“. Selbst bei geringen Inflationsraten wie aktuell 0,6 Prozent könnte sich Amerika real entschulden.




In Krisen ist die US-Notenbank schon immer vor den Karren Washingtoner Interessen gespannt worden. Diese „lieb gewonnene“ Tradition wird auch bei der Konjunkturerholung konsequent fortgesetzt.




Marktlage - Der Crash bleibt weiter aus


Meldungen über eine Dynamisierung der Neuinfektionen in Europa schüren wieder Ängste bei Anleger vor einer zweiten Infektionswelle. Ohnehin sorgen anhaltend hohe Neuinfektionen in den USA für Irritationen. Auch wenn selbst Trump die Bevölkerung auf eine sich weiter verschlechternde Lage einschwört, mehren sich dennoch die Anzeichen, dass der Hochpunkt allmählich überschritten ist.




Um den konjunkturellen Erholungsprozess nicht zu sehr zu gefährden, will die US-Politik Virusinfektionen nur regional eindämmen. Auch deswegen überwiegt der Optimismus an den US-Aktienbörsen, die ihre viralen Krisen-Verluste in diesem Jahr teilweise bereits wieder aufgeholt haben und sogar, siehe S&P 500 und Nasdaq Composite, eine positive Jahresperformance aufweisen. Tatsächlich, die realen US-Konjunkturdaten seit Mai zeigen gemessen an den zuvor getroffenen Analysteneinschätzungen dramatisch positive Überraschungen.




Sentiment und Charttechnik DAX - Zwar Vorsicht, aber…


Laut Fund Manager Survey der Bank of America Merrill Lynch begegnen institutionelle Anleger der Hausse aufgrund der Angst vor einer zweiten Infektionswelle durchaus mit Skepsis. Auch im Macro Risk Index der Citigroup dominiert mit einem Wert von 0,54 die vorsichtige „Risikoabneigung“. Werte größer als 0,5 signalisieren zunehmende Risikoscheu, Werte kleiner als 0,5 Risikofreude.




Immerhin rechnen knapp drei Viertel der Fondsmanager mit einem anziehenden Wachstum der Weltwirtschaft. In puncto Aktienauswahl haben US-Aktien, Gesundheits- und Technologieaktien die Nase vorn.




Der Fear & Greed Index von CNN Business hat sich zuletzt aus dem Bereich „Neutral“ in „Gier“ vorgearbeitet. Diese Entwicklung kann auch als Kontrasignal aufgefasst werden, was Volatilität begünstigt und die Gefahr zwischenzeitlicher Rücksetzer an den Aktienmärkten birgt.




Für einstweilen mehr Kursschwankungen spricht auch die nahende Endphase des US-Präsidentschaftswahlkampfs, bei dem Trump noch einmal alle Register ziehen wird. Die aktuellen diplomatischen Spannungen zwischen Washington und Peking sind dafür ein Beispiel. Doch scheint man abseits des Wahlkampfgetöses ein tatsächliches Anfachen des transpazifischen Handelskonflikts bislang vermeiden zu wollen.




Dramatische Aktieneinbrüche sind nicht zu erwarten. Das liegt auch daran, dass die Kassenhaltung der großen Kapitalsammelstellen überdurchschnittlich hoch ist. Es ist also genug Anlagemunition vorhanden, um attraktive Einstiegschancen bei Kursrücksetzern zu nutzen. Nicht zuletzt haben die Vermögensverwalter seit Mitte März realisieren müssen, dass eine zu lange Aktienabstinenz gefährlich ist.




Charttechnisch liegen auf der Unterseite erste Unterstützungen bei 12.913 und 12.812 Punkten. Bei Unterschreitung liegen die nächsten Haltelinien bei 12.773 und 12.536. Auf dem Weg nach oben trifft der DAX bei 13.147 und 13.224 auf erste Widerstände. Darüber liegen weiter Barrieren bei 13.314 und schließlich 13.500 Punkten.




Der Wochenausblick für die KW 31 - Die Fed spielt weiter den barmherzigen Samariter


In China schreitet die Konjunkturerholung gemäß offiziellem chinesischen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe fort. Im Gegensatz dazu sind in Japan laut Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen nur schwache Erholungstendenzen zu beobachten.




In den USA unterstreichen die vorläufigen BIP-Zahlen für das II. Quartal den verheerenden Konjunktureinbruch. Allerdings signalisiert der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago gemeinsam mit soliden Auftragseingängen langlebiger Güter, dass die US-Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. Und auch das von der University of Michigan veröffentlichte Konsumentenvertrauen stabilisiert sich weiter. Auf ihrer Sitzung wird die Fed klar betonen, dass sie die US-Konjunkturerholung weiter massiv unterstützen wird.




In der Eurozone fällt der Wirtschaftseinbruch gemäß vorläufiger BIP-Zahlen für das II. Quartal dramatisch aus. Die Inflationsentwicklung im Juli bleibt laut Erstschätzung verhalten.




In Deutschland verstetigt sich die Konjunkturerholung laut ifo Geschäftsklimazahlen. Auch die Einzelhandelsumsätze fassen allmählich wieder Tritt.




Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.


Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: https://www.roberthalver.de/Newsletter-Disclaimer-725




Disclaimer


Die Baader Bank AG stellt Ihnen auf dieser Website verschiedenste Informationen zur Verfügung, insbesondere zum Unternehmen, zu Anlageprodukten, Dienstleistungen und Veranstaltungen, aber auch zu weiteren Themen. Die auf dieser Website enthaltenen Informationen sind von der Baader Bank AG sorgfältig zusammengestellt worden und werden von der Baader Bank AG regelmäßig überprüft und aktualisiert. Da sich Daten trotz aller Sorgfalt zwischen den Überprüfungsperioden geändert haben können, kann Baader Bank AG keine Gewähr für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit übernehmen. Auch beruhen die Informationen teilweise auf öffentlich zugänglichen sowie als verlässlich geltenden Quellen. Daher kann von Baader Bank AG ebenfalls keine Gewähr für Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen von Dritten übernommen werden.




Diese Website dient nur Informations- und Werbezwecken. Die auf dieser Website beschriebenen Anlageprodukte sind möglicherweise nicht für jeden Anleger geeignet und wir empfehlen, zuvor den Rat eines Anlage- und Steuerberaters einzuholen. Baader Bank AG hält möglicherweise eigene Positionen an den hier beschriebenen Anlageprodukten und dies kann Einfluss auf die dargestellten Informationen haben.




Die Vervielfältigung von auf dieser Website enthaltenen Informationen oder Daten ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Diese Website enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.




Hinweise auf mögliche Interessenkonflikte


Unter Umständen halten Gesellschaften des Baader Bank Konzerns an der Gesellschaft oder den Gesellschaften der betroffenen Wertpapiere eine Beteiligung oder handeln mit den entsprechenden Wertpapieren. Auch Organe, Führungskräfte sowie Mitarbeiter halten möglicherweise Anteile oder Positionen an Wertpapieren oder Finanzprodukten, die Gegenstand von Bewertungen sind. Die Baader Bank gehört zudem möglicherweise einem Konsortium an, das die Emission von Wertpapieren der Gesellschaft, die Gegenstand einer Bewertung sind, übernommen hat. Die Baader Bank kann ferner auch Bankleistungen oder Beratungsleistungen für den Emittenten von solchen Wertpapieren erbringen und betreut möglicherweise analysierte Wertpapiere auf Grund eines mit dem jeweiligen Emittenten geschlossenen Vertrages an der Börse oder am Markt. Organe der Baader Bank bzw. Mitarbeiter können zudem Aufsichtsratsfunktionen bei Emittenten wahrnehmen, deren Wertpapiere Gegenstand von Bewertungen sind.




Copyright ©: Verantwortlicher Ersteller für diese Internetseiten ist die Baader Bank Aktiengesellschaft, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.



powered by stock-world.de




 

 

Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...