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EWU: Wachstumstempo lässt deutlich nach, Absenkung der Prognosen




06.11.18 16:50
Postbank Research

Bonn (www.aktiencheck.de) - Die Konjunktur im Euroraum hat sich im dritten Quartal stärker abgekühlt als erwartet, so die Analysten von Postbank Research.

Nach Zuwächsen um je 0,4% in den beiden Vorperioden habe sich das BIP im Vorquartalsvergleich nur noch um 0,2% erhöht. Aber selbst dieses vorläufige Ergebnis hübsche die Realität dank Rundungseffekten noch etwas auf. Spitz gerechnet sei im dritten Quartal das schwächste Wachstum seit Überwindung der Rezession im zweiten Quartal 2013 zu verzeichnen. Unter den großen EWU-Ländern habe Spanien mit einem Plus von 0,6% nicht nur das beste, sondern zugleich auch ein gutes Ergebnis erzielt. Frankreich sei immerhin noch auf einen Zuwachs von 0,4% gekommen. Enttäuschend sei dagegen die Entwicklung in Italien gewesen. Dort habe das BIP im dritten Quartal stagniert. Ausgerechnet das Land, das als letztes größeres EWU-Mitglied auf den Wachstumspfad zurückgefunden habe, lege damit jetzt schon wieder eine Wachstumspause ein.

Allerdings gebe es auch aus deutscher Sicht aktuell nichts zu frohlocken. Zwar gebe Destatis seine erste Schätzung für das deutsche BIP im dritten Quartal erst Mitte November bekannt. Die bislang bekannten Wachstumszahlen für die EWU insgesamt sowie für etliche Länder würden aber klar darauf hindeuten, dass aus Deutschland kein größerer Wachstumsimpuls gekommen sein könne. Die Analysten hätten daher ihre Erwartung für den BIP-Zuwachs im dritten Quartal auf 0,2% zurückgenommen, könnten aber auch ein noch schwächeres Ergebnis nicht ausschließen.

Die schwachen BIP-Daten für das dritte Quartal würden die Analysten aber nicht als Beginn einer nachhaltigen Wachstumsschwäche sehen, auch wenn die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, die insbesondere von der politischen Seite drohen würden (Italien, Möglichkeit eines No-Deal-Brexit, Handelskonflikte etc.), derzeit sicher außergewöhnlich zahlreich seien. So dürfte das erwartete, geringe Wachstum in Deutschland schon deshalb einen Ausreißer nach unten darstellen, weil sich zwischenzeitliche, durch neue Abgasregelungen bedingte Produktionseinschränkungen in der Automobilindustrie in diesem Umfang nicht wiederholen sollten.

Positiv stimme auch der ifo-Geschäftsklimaindex. Zwar sei dieser im Oktober um 0,9 auf 102,8 Punkte gefallen. Damit habe er aber nicht mehr als eine Gegenbewegung auf das zwischenzeitliche Stimmungshoch vom Spätsommer gezeigt. Im Detail signalisiere das ifo-Geschäftsklima, dass der Aufschwung der Binnenkonjunktur weiter intakt sei, während die exportorientierte Industrie offensichtlich die Folgen der externen Belastungsfaktoren zu spüren bekomme. Sowohl für Deutschland als auch für die EWU würden die Analysten weiterhin von einer Fortsetzung des Aufschwungs bei allerdings nicht mehr allzu hoher Dynamik ausgehen.

Zugleich würden sich die Analysten durch das schwache dritte Quartal veranlasst sehen, ihre 2018er BIP-Prognosen sowohl für Deutschland als auch für den Euroraum um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf nunmehr 1,8% bzw. 1,9% zu reduzieren. Für 2019 würden sie jetzt mit Zuwachsraten von jeweils 1,7% rechnen, womit sie ihre Deutschland-Prognose für kommendes Jahr leicht gesenkt hätten. Dabei würden sie weiterhin davon ausgehen, dass sich die oben genannten politischen Risiken nicht in größerem Umfang materialisieren würden. Sollte sich diese Annahme als falsch erweisen, wären ihre Prognosen für 2019 wohl zu optimistisch.

Die EWU-Inflationsrate sei im Oktober von 2,1% auf 2,2% gestiegen. Die Kerninflationsrate habe sich von 0,9% auf 1,1% erhöht. Angeführt werde der Preisauftrieb immer noch von gestiegenen Energiepreisen, wozu zuletzt ein Sondereffekt beigetragen habe. Die ausgeprägte Dürre habe in einigen Regionen zu Schwierigkeiten in den Lieferketten für Treibstoffe und Heizöl geführt. Der daraus resultierende Preiseffekt sollte aber zeitlich eng begrenzt bleiben. 2019 werde wohl der Einfluss der Energiepreise nachlassen, dafür dürfte die Kerninflation anziehen. Unsere Inflationsprognosen von 1,7% für 2018 und 2019 würden die Analysten unverändert lassen, die Risiken hätten sich aber etwas nach oben verschoben. (Zinsen und Währungen November 2018) (06.11.2018/ac/a/m)







 
 
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