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Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

ETFs: Steigende Zinsen in den USA verschrecken Anleger




10.05.22 15:38
Redaktion boerse-frankfurt.de

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Verkaufsstimmung erfasst alle Asset-Klassen, nachdem die US-Notenbank FED wie angekündigt die Zinsen erneut erhöht hat. ETF-Anleger*innen setzen bei Aktien auf Old Economy und Nachhaltigkeit, bei Anleihen auf Staatstitel.


10. Mai 2022. Frankfurt (Börse Frankfurt). Die straffere Geldpolitik der US-Notenbank schürt die Sorgen der Anleger*innen, dass die Wirtschaft noch stärker beeinträchtigt wird. Chinas Null-Covid-Politik, die Inflation, Lieferengpässe und der andauernde Krieg in der Ukraine werden zusätzlich als bestehende Belastungsfaktoren wahrgenommen. Anleihenrenditen auf zehnjährige US-Treasuries kletterten auf über 3 Prozent und damit auf das Niveau von 2018.


Marktlage: Zinserhöhungen und die Folgen belasten


Trotz des schwachen Umfeldes berichtet Frank Mohr von der Société Générale von deutlich mehr Käufen als Verkäufen der ETF-Anleger*innen in der vergangenen Woche, wenngleich das Kaufinteresse gegen Wochenende nachgelassen hatte. „Die Unsicherheit ist ein großer Faktor“, berichtet Mohr von der Stimmung der Privatanleger*innen. Dennoch sei die gute Nachricht, dass die Sparpläne weiter ausgeführt würden. „Wir sehen hier keine Veränderungen.“


„Buy the dip - hier herrscht keinerlei Panik, Rücksetzer werden aktuell gekauft.“ – so beschreibt Fabian Wörndl von Lang & Schwarz das Verhalten seiner Kund*innen.


„Obwohl die Kommunikation der FED deutlich weniger dramatisch als befürchtet war, hat der Dow fast 2000 Punkte verloren – ohne Pause, ohne Stopp“, beschreibt Jan Duisberg von der ICF Bank die Marktreaktionen. Das sei bedenklich. „Seit gut vier Monaten und fünf Wochen in Folge fallen die Kurse – eine Stabilisierung ist noch nicht absehbar.“ Die Frage sei: Wo und wann fangen sich die Märkte. „Dieser Bewegung sollte man mit Respekt begegnen, weitere Abschläge sind nicht ausgeschlossen.“


Frank Mohr


Mohr


Aktien-ETFs: Globale Tracker dominieren – Verkäufe der Emerging Markets


Im ETF-Handel der Société Générale ragen Käufe auf globale Aktientracker heraus, die für 41 Prozent der Umsätze bei Aktien-ETFs der Société Générale stünden. „Die globalen Produkte sind ganz klar dominant“, erklärt Mohr. Stark sei die Kaufseite beim MSCI World, wo der Lyxor MSCI World (FR0010315770) ganz oben auf den Kauflisten ist und in seiner nachhaltigen Variante der AMUNDI


INDEX MSCI WORLD SRI (LU2249056297) stark nachgefragt wird. Mit 20 Prozent der Umsätze in dem Bereich folgen US-Aktientracker.


Passend zur Dividendensaison wird der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield (<E00BK5BR626>) in die Depots geholt.


„Wir sehen Top-Umsätze mit Nasdaq-Produkten“, berichtet hingegen Wörndl. So stünden – häufig auch untertags – gehebelte Produkte im Mittelpunkt wie der WISDOMTREE NASDAQ 100 3X DAILY SHORT ETC (IE00BLRPRJ20) und sein Long-Pendant, der WisdomTree NASDAQ 100 3x Daily Leveraged (IE00BLRPRL42). Beide würden je nach Marktlage ge- und verkauft. Auch in Duisbergs Büchern sind gehebelte Nasdaq-Produkte ge- und verkauft worden, vor allem der Invesco EQQQ Nasdaq 100 (IE0032077012)


Anleger*innen, die auf fallende Märkte setzen, würden auch Short-Produkte auf den DAX kaufen, erklärt Wörndl, in erster Linie den Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap (LU0411075020). Verkauft werden hingegen Aktien-Tracker der Emerging Markets. Das zeige sich bei Abflüssen im Amundi MSCI Emerging Markets (LU1681045370). Duisberg vermerkt hingegen höhere Umsätze als gewöhnlich im HSBC MSCI Pacific ex Japan (<DE000A1C22P6>)


Die gestiegene Volatilität stieß ebenfalls auf hohe Nachfrage. Anleger*innen von Lang & Schwarz setzen auf den Lyxor S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll (LU0832435464). Bei der Société Générale dominiert der iShares Edge MSCI World Minimum Volatility (IE00B8FHGS14). Duisberg berichtet von Käufen zum Wochenauftakt im Deka STOXX Europe Strong Style Composite 40 (DE000ETFL052).


Sektoren: Technologie verkauft – Old Economy gefragt


Abgesehen von hohem Interesse an Indextrackern berichten die Experten von einzelnen Sektorwetten. Der Abverkauf bei Technologie-Aktien findet im ETF-Handel sein Echo. „Es ist keine Überraschung, dass wir hier mehr Verkäufe mit dem Abrutschen der Tech-Aktien sehen“, erklärt Mohr. 24 Prozent des Sektor-Volumens entfallen auf diesen Sektor. Die stärksten Verkäufe verzeichnete er in einem Branchen-Schwergewicht, dem L&G Cyber Security (IE00BYPLS672), aber auch im iShares Digitalisation ETF. (IE00BYZK4883).


Gefragt dagegen ist die Old Economy: Mohrs Kund*innen kauften vor allem Ressourcen mit dem iShares STOXX Europe 600 Basic Resources (DE000A0F5UK5), Bergbau mit dem VanEck Global Mining (IE00BDFBTQ78) und Energie mit dem iShares S&P 500 Energy Sector (IE00B42NKQ00). Ein Dauerbrenner sei das Thema Nachhaltigkeit. Bei Mohr ist der iShares Global Clean Energy (IE00B1XNHC34) entsprechend weit oben auf den Kauflisten.


Rohstoffe: Gas-Spekulationen


Bei Lang & Schwarz ebbt die zunächst hohe Nachfrage nach ETCs mit Industrie-Metallen ab.


Nach Käufen der vergangenen Tage wird jetzt der WISDOMTREE INDUSTRIAL METALS ETC (DE000A0KRKG7) wieder abgestoßen.


Mit dem Rekordhoch von 9 US-Dollar bei Natural Gas, getrieben von den Erwartungen um Gas-Embargos inmitten des Ukraine-Krieges, spekulieren Anleger*innen bei Lang & Schwarz hier vor allem gehebelt: Wörndl berichtet von enormer Nachfrage beim WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged ETC (IE00BLRPRG98)


Kryptos: Verkäufe zum Wochenbeginn – Baskets gefragt


Viel Nachfrage verzeichnet Wörndl im Krypto-Buch, wenngleich seit Wochenbeginn die Verkaufsseite Überhand hat. Mit den Kursverlusten über alle großen Kryotowährungen hinweg wird der 21Shares Bitcoin ETP (CH0454664001) und der 21Shares Terra ETP verkauft (CH1145931015). Hier verschreckt ein Kursrutsch um zuletzt 44 Prozent die Krypto-Anleger*innen. Auch Duisberg sieht die Kryptowährungen zu Wochenbeginn abgestraft, nichtsdestotrotz zeigen seine Bücher Käufe und Verkäufe vor allem bei Basket-Lösungen wie des VanEck Crypto Leaders ETN (DE000A3GWEU3) und des 21Shares Crypto Basket Index ETP (CH0445689208).


Jan Duisberg


Duisberg


Fixed Income: Staatstitel statt Unternehmensanleihen bevorzugt


Keine großen Ausschläge in die eine oder andere Richtung machen die Experten im Fixed-Income-Geschäft aus. Mohr berichtet von Käufen beim Amundi Floating Rate USD Corporate ESG (LU1681040900) sowie Käufen und folgenden Verkäufen italienischer Staatstitel (IE00B7LW6Y90). Wörndl registriert grundsätzlich mehr Handel in dem Segment. Er berichtet von Käufen europäischer Staatstitel und nennt als Beispiel den Amundi ETF Government Bond Lowest Rated EuroMTS Investment Grade (LU1681046857). Verkauft werden hingegen Inflationsprodukte, etwa der Xtrackers Global Inflation-Linked Bond UCITS ETF 1C EUR hedged (LU0290357929). Grundsätzlich würden eher Staats- als Unternehmenstitel gekauft. Mohr erklärt, dass sie womöglich als sicherer betrachtet würden.


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von: Antje Erhard 10. Mai 2022, © Deutsche Börse AG



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