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Diese fünf geopolitischen Risiken sollten Investoren im Blick behalten




15.10.20 11:59
Lyxor Asset Management

Paris (www.aktiencheck.de) - Die US-Wahlen dominieren weltweit die Schlagzeilen, so die Experten von Lyxor Asset Management.

Allerdings gebe es weitere globale Unsicherheitsfaktoren, die sich aus Investorenperspektive auf das vierte Quartal auswirken könnten: Die Spannungen zwischen den USA und China sowie dem Iran, der Ausgang der Brexit-Verhandlungen, die Nachfolgefrage von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die sich verschlechternden Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland. Jean-Baptiste Berthon, Senior Cross-Asset Strategist bei Lyxor ETF, erläutere, worum es für Investoren in jedem dieser Risiken gehe.

US-China-Rivalität: Höheres Risiko nach den Wahlen im November

"Wird US-Präsident Trump im Amt bestätigt, wird der Druck der USA auf China durch zielgerichtete Sanktionen gegen einzelne Individuen und Unternehmen sowie zusätzliche Ausfuhrkontrollen für Technologiegüter aller Wahrscheinlichkeit nicht nachlassen", argumentiert Berthon. "China könnte darauf dann reziprok antworten." Jedoch komme es dazu nicht vor den Wahlen im November, um den Phase-One-Deal nicht zu gefährden. Bei einem Sieg von Herausforderer Joe Biden erwarte Berthon zwar mittelfristig weniger Druck durch Handelszölle, aber mehr Druck durch Regulatorik, Wirtschaftsstandards und Investitionshemmnisse. Diese würden vor allem auf Anti-Dumping-Maßnahmen sowie den Klimawandel zielen. "Nicht-tarifäre Handelshemmnisse sind machtvolle Werkzeuge, erfordern aber einen mehrheitlich demokratischen Kongress. Bis es soweit kommt, ist es unwahrscheinlich, dass die Zölle ohne ein Entgegenkommen Pekings abgewickelt werden", sage Berthon. Daher erwarte er für das vierte Quartal eine höhere Volatilität bei Technologietiteln. Diese könne sich bis in das neue Jahr erstrecken und auch Unternehmen sowie Sektoren außerhalb der Technologiebranche erfassen.

Iranfrage: Zwischen kurzfristigem Eskalationsrisiko und mittelfristigen Aussichten einer mühsamen Normalisierung

Im Hinblick auf den Irankonflikt schätze Berthon im Fall einer Niederlage Trumps, dass Washington zwischen November und Januar die Daumenschrauben weiter anziehen könnte, um ein Zurückrudern einer neuen Biden-Administration zu erschweren. Der Iran würde bei seinen Vergeltungsmaßnahmen jedoch wahrscheinlich vorsichtig bleiben. "Sollte Biden jedoch gewinnen, würde das mittelfristig die Chancen für eine Neuverhandlung des Iran-Abkommens 2021 erhöhen. Das kann den Weg für eine Wiederbelegung der iranischen Ölexporte bedeuten", so der Stratege. Biden werde es seiner Einschätzung nach jedoch schwer haben, angesichts des immensen politischen Drucks in den USA die bestehenden US-Sanktionen zurückzufahren - allerdings sei das eine Vorabbedingung Teherans für eine Aufnahme von Gesprächen. "Daher ist nicht von einem schnellen U-Turn auszugehen", gibt Berthon zu bedenken. Vielmehr könnte sich das geopolitische Risiko bis zum Jahresende verschärfen und danach schrittweise verblassen. "Den Ölpreis sollte das anfangs moderat stützen, um ihn dann - moderat - unter Druck zu setzen", sage Berthon.

Brexit: Last-Minute-Deal stütze das Pfund, sorge aber für anhaltende Volatilität nach dem Brexit

Trotz des momentanen Ringens um ein Brexit-Abkommen prognostiziere Berthon einen Abschluss in letzter Minute. "Großbritannien hat bereits einige Zugeständnisse bei den Fischereirechten gemacht, und keine der beiden Seiten möchte einen weiteren ökonomischen Schock zusätzlich zur Corona-Krise", betone Berthon. Ein Teilabkommen der EU und Großbritanniens könnte bis November im Bereich des Möglichen liegen und vor allem den Warenhandel abdecken. "Weitere Verhandlungen, etwa zu Themen wie Finanzdienstleistungen, dürften sich bis in das Jahr 2021 ziehen", erwarte Berthon. Diese Unsicherheit könnte das Pfund Sterling unter Druck halten, dann aber einem nachhaltigeren Aufschwung weichen. Die Volatilität dürfte jedoch weiterhin hoch bleiben, da die Verhandlungen weit über die Übergangsperiode hinaus, die am 31. Dezember ende, fortgesetzt würden.

Angela Merkels Nachfolgefrage werfe einen Schatten der Unsicherheit über die Eurozone

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die Zukunft der deutschen Politik. "Die Große Koalition driftet in wichtigen Politikfeldern zunehmend auseinander. Beide Parteien werden versuchen, diese Differenzen zu polarisieren", gebe Berthon zu bedenken. Zudem stehe die CDU vor der Wahl eines neuen Parteivorsitzenden, wobei es eine interne Spaltung zwischen den Kandidaten, die eine gemäßigte Linie verteidigen, und denen, die einen Rechtsruck befürworten, gebe. "Die künftige Haltung Deutschlands steht zur Diskussion. Das wird Folgen für Ausweitung der Geldpolitik, die Vergemeinschaftung von Schulden in der EU, die Einwanderung und die weitere EU-Integration haben. In der Zwischenzeit bringt der Mangel an politischer Klarheit Unsicherheiten für die Eurozone mit sich", warne Berthon. Das könnte die wirtschaftliche Reaktionsfähigkeit der EU bedrohen, mit negativen Auswirkungen auf europäische Anlagen.

Türkei und Griechenland: Der Druck steige

Nach Ansicht Berthons bleibe die Türkei wahrscheinlich weiterhin ein ehrgeiziger Akteur im Mittelmeerraum und werde die Öl- und Gasexploration fortsetzen sowie gleichzeitig versuchen, Ansprüche auf Seegebiete durchzusetzen. "Die EU könnte dann unter dem Druck Griechenlands, Zyperns und Frankreichs moderate Sanktionen gegen Einzelpersonen und Unternehmen ergreifen", so Berthon. Da die EU aber bestrebt sei, den Dialog mit der Türkei insbesondere zu Einwanderungsfragen aufrechtzuerhalten, gehe Berthon nur von moderaten Sanktionen gegen Einzelpersonen und Unternehmen aus. "Das wird die Strategie Ankaras vermutlich nicht ändern." Griechenland und die Türkei würden sich indes zwar bemühen, eine ernsthafte Eskalation zu vermeiden. Die Ungewissheit werde allerdings den Druck auf die bereits schwache türkische Wirtschaft und das Finanzsystem weiter erhöhen. "Während sich die Folgen für die Märkte auf griechische und türkische Titel konzentrieren könnten, dürfte eine ernsthafte Eskalation eine breitere Palette von Akteuren, einschließlich der EU, der NATO und der USA, mit einbeziehen. Das hätte dann umfassendere, indirekte geopolitische Konsequenzen, insbesondere im Nahen Osten und in Zentralasien", schließe Berthon. (15.10.2020/ac/a/m)






 
 
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