Devisen relativ unbeeindruckt von Aktienmarktturbulenzen




16.08.19 13:54
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Der Euro hat unter dem jüngsten Ausverkauf an den Aktienmärkten etwas gelitten und gegenüber dem US-Dollar abgewertet, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Für einen Euro zahle man momentan 1,115 US-Dollar. Dies passe auf den ersten Blick auf den üblichen Reflex der Investoren, bei Turbulenzen verstärkt Dollar-Assets zu kaufen. Jedoch würden die Analysten die Aufwertung des Dollar nicht für nachhaltig halten, denn die Schwäche der Aktienmärkte und die Zuspitzung des Handelskrieges erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank im September erneut den Leitzins senken werde. Dabei könnte es auch zu einem größeren Schritt von 50 Basispunkten kommen.

Spekuliert werde auch, dass die FED in einer außerordentlichen Sitzung diesen Schritt unternehmen könnte. Angesichts der immer noch robusten Konjunkturlage in den USA erscheine dies etwas übertrieben und könnte unnötig viel Unruhe auslösen. Zur Erinnerung: Die Arbeitslosenrate befinde sich in den USA in der Nähe des 50-Jahres-Tiefs und das Wirtschaftswachstum habe im zweiten Quartal bei 2,1% gelegen. Die EZB werde aller Voraussicht nach anders als die FED wesentlich kleinere Zinsschritte unternehmen, sodass sich die Zinsdifferenz zugunsten des Euro einengen dürfte.

Auf Sicht der nächsten Tage sei auf die PMI-Indikatoren aus der Eurozone zu achten (erste Schätzung für August) sowie die Sitzungsprotokolle der FED und der EZB. Letztere sollten mit besonderer Sorgfalt studiert werden, da sie möglicherweise deutlichere Hinweise enthalten würden, wohin und in welchem Tempo die Notenbanken zu steuern beabsichtigen würden. Am Ende der kommenden Woche finde darüber hinaus noch der G7-Gipfel in Biarritz statt, wo die Worte des US-Präsidenten Donald Trump sicherlich wieder für Ausschläge an den Devisenmärkten sorgen dürften. Theoretisch könnte er mit der direkten Intervention der USA an den Währungsmärkten drohen.

Zuletzt habe sich EUR/GBP stets nah an der Grenze von 0,9 bewegt und sei zum 25.07. sogar bis auf 0,89 abgesackt. Darauf sei allerdings eine nahezu kontinuierliche Teuerung des Euros gegenüber dem Pfund bis zum 12.08. auf 0,93 gefolgt und bewege sich derzeit bei 0,92. Die Bank of England (BOE) habe am 01.08. ihren Diskontsatz von 0,75% beibehalten, aber auch die wirtschaftlichen Risiken des anstehenden Brexits zu bedenken gegeben. Die politische Stimmung in Großbritannien sei genau so hektisch, wie es die Wechselkurse vermuten lassen würden. Ende Juli sei Boris Johnson als der Gewinner, und somit als neuer Premierminister, der Urwahl der Tories bekannt gegeben worden.

Johnson vertrete den klaren Standpunkt eines "do-or-die" Brexit zum 31. Oktober, also einen Austritt Großbritanniens aus der EU zum 31.10., egal ob mit Deal oder ohne. Allgemein habe Johnson eine geringe Zustimmungsrate und die von ihm geführte Regierung sogar die niedrigste Zustimmgsrate der letzten 40 Jahre. Der Oppositionsführer Jeremy Corbyn habe kurz nach der Wahl schon ein Misstrauensvotum in Aussicht gestellt und durch eine Neubesetzung von Ministerposten sei die Mehrheit der Konservativen auf einen Sitz geschrumpft.

Politischer Gegenwind komme auch aus der Landwirtschaft, welche teils stark von der EU gefördert werde und einen Ersatz für die wegefallenden Subventionen fordere. Und auch die Autoindustrie, welche stark vom Export in EU Ländern profitiere und ein Motor der britischen Wirtschaft darstelle, warne vor den Risiken eines harten Brexits und drohe mit Werksverlagerungen in die EU. Ein Deal stehe jedoch nicht in Aussicht, da Johnson die Streichung des durch May ausgehandelten Backstop als Grundvoraussetzung für neue Verhandlungen setze und die EU den Backstop als unverhandelbar erkläre.

Noch sei aber Zeit für Johnson, denn das Parlament befinde sich bis zum 03.09. in der Sommerpause und gebe ihm somit die Möglichkeit eines verlängerten Wahlkampfes und zur Verbesserung seiner Verhandlungsposition. Und auch wenn Johnson bisher keinen Schritt auf die EU zugemacht habe, so habe er Förderprogramme für das Gesundheitssystem und die Strafverfolgung angekündigt und versuche damit seinen nationalen Rückhalt zu stärken. Die nahe Zukunft werde von Spekulationen um ein Misstrauensvotum nach der Sommerpause und Johnsons Möglichkeiten das Parlament zu beurlauben bestimmt. Weiter würden auch die gemischten Signale aus den USA bezüglich eines Handelabkommens nach dem Brexit Einfluss auf den Wechselkurs haben. (Ausgabe vom 15.08.2019) (16.08.2019/ac/a/m)







 
 
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