Kolumnist: Redaktion boerse-frankfurt.de

Devisen: Euro nicht mehr ganz so stark




15.10.17 10:33
Redaktion boerse-frankfurt.de


Der Euro hat sich von seinem Mehrjahreshoch bei 1,20 US-Dollar entfernt. Auch perspektivisch sehen Analysten die Gemeinschaftswährung wieder schwächer. 11. Oktober 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die von vielen erwartete Gegenbewegung im Euro/US-Dollar-Wechselkurs ist da, der Euro ist zuletzt etwas schwächer geworden: Nach seinem Hoch bei 1,2093 US-Dollar im September liegt der Kurs nun bei 1,18, zwischenzeitlich waren es sogar nur 1,17 US-Dollar. Das ist allerdings immer noch der höchste Kurs seit Anfang 2015. 

Mit der Katalonien-Krise hat die jüngste Schwäche der Gemeinschaftswährung nach Ansicht von Christian Apelt von der Helaba nichts zu tun. Vielmehr gebe es wieder mehr Rückenwind für den US-Dollar: "Die US-Konjunktur hat wieder an Schwung gewonnen. Die Federal Reserve wird daher nicht nur ihren Anleihebestand abschmelzen, sondern nach einer Pause auch ihre Zinserhöhungen fortsetzen", erklärt der Devisenanalyst. 

Zudem sollten zumindest kleinere Steuersenkungen durch den Kongress kommen und das Wachstum stützen. "Das konjunkturelle Momentum dreht derzeit zu Gunsten der US-Währung, auch wenn sich das Wachstum in der Eurozone weiter als solide erweist." Der Bank zufolge könnte der Euro in den kommenden Monaten wieder in Richtung 1,10 US-Dollar fallen.

Fed hilft dem Dollar


Auch laut DekaBank waren es Nachrichten aus den USA, die dem US-Dollar geholfen haben. "Unmittelbar mit dem Zinsentscheid der US-Notenbank am 20. September ist der Euro/US-Dollar-Wechselkurs von 1,20 auf 1,18 gefallen", erklärt Christian Melzer. Die US-Leitzinsen seien zwar noch nicht verändert worden, die Notenbank habe aber eine weitere Zinserhöhung für dieses Jahr signalisiert und für Oktober den Start der Bilanzreduktion angekündigt. In zwölf Monaten sieht die Bank den Kurs bei 1,14 US-Dollar zum Euro. 

Allerdings rechnen Analysten durchaus damit, dass eine Verschärfung des Konflikts in Spanien den Euro belasten wird. "Die bislang verhaltene Reaktion des Euro heißt nicht, dass man die Entwicklungen in Madrid und Barcelona getrost ignorieren kann", betont Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Schließlich sei Katalonien die wirtschaftsstärkste Region Spaniens. "Sollte die Situation ungelöst bleiben oder gar eskalieren, könnten Sorgen um die wirtschaftliche und/oder fiskalische Situation Spaniens zunehmen und den Euro letztlich doch stärker belasten." 

Spekulieren in beide Richtungen  

Was Währungs-ETNs angeht, war in Produkten auf Euro/US-Dollar sowie Euro/Yen am meisten Umsatz zu beobachten. "Es gibt immer mal Handel in einzelnen gehebelten Euro/Dollar-Produkten, aber nichts, das irgendeinen Trend widerspiegelte", bemerkt Ivo Orlemann von der ICF Bank. Als Beispiele nennt er den ETFS 5x Short USD Long EUR (WKN A12Z32) und den ETFS 5x Long USD Short EUR (WKN A12Z31), mit denen mit Hebel 5 auf einen fallenden bzw. steigenden US-Dollar gesetzt werden kann.


OrlemannOrlemann   Die beiden ETNs gehören auch zu den Spitzenreitern auf der Umsatzliste auf Xetra und dem Frankfurter Parketthandel für die vergangenen vier Wochen. Rege gehandelt wurden außerdem die Varianten ohne Hebel (WKN A1EK0V, A1EK0W) sowie ein ETN auf Euro/Yen, der ETFS Short JPY Long EUR (WKN A1DFSF). 

Pfund wieder unter Druck  

Das britische Pfund hat nach einer kurzen Erholung im September in den vergangenen zwei Wochen wieder nachgegeben: Für 1 Euro müssen nun wieder 0,90 Pfund gezahlt werden, Ende September waren es im Tief 0,87 Pfund. "Premierministerin May mag zwar den nahezu zeitgleich angetretenen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti im Amt überlebt haben. Nach ihrem alles andere als glücklichen Auftritt auf dem Parteitag der Konservativen wird sie aber zunehmend angezählt", kommentiert Apelt.


ApeltApelt   Im Tory-Lager hat sich ein Machtkampf zwischen Boris Johnson und Theresa May gebildet, wie Marius Schad von der HSH Nordbank erläutert. "Johnson hat eine eigene Vision vom Brexit und untergräbt damit die Autorität seiner Premierministerin." Auf kurze Sicht könne das Pfund darunter leiden. 

Yen schwächelt


Deutlich verloren hat der Yen: Mittlerweile kostet der Euro wieder knapp 133 Yen, im April waren es 115 Yen. Melzer von der DekaBank weist darauf hin, dass Ministerpräsident Abe überraschend Neuwahlen für den 22. Oktober ausgerufen hat. "Im Mittelpunkt des Wahlkampfes stehen neue Ausgabenprogramme, aber keine Strukturreformen oder Lösungen für das japanische Problem der sehr hohen Staatsverschuldung." Daher werde der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik für die japanische Zentralbank schwerer und die japanische Währung belastet. 

Seitwärtsbewegung im Franken


Nicht viel Bewegung gibt es im Schweizer Franken. Seit Juli tendiert das Wechselkurspaar um 1,14 bzw. 1,15 Franken zum Euro, aktuell liegt der Kurs bei 1,15 Franken. Nach Ansicht von Nikola Stephan von der DekaBank wird der Franken auch 2018 gesucht und überbewertet bleiben. "Sein Status als sicherer Hafen beruht auf der politischen Neutralität und der widerstandsfähigen Wirtschaft." Bewältige die EU aber die politischen Hürden und schreite die wirtschaftliche Erholung Eurolands voran, was die Bank erwartet, werde der Aufwertungsdruck auf den Franken abnehmen. "Letzteres wird ab 2018 auch von der EZB unterstützt, die dann ihre Geldpolitik normalisieren und ihre Wertpapierkäufe zurückzufahren will." 

Bitcoin steigt weiter


Die Kryptowährung Bitcoin setzt unterdessen ihren Höhenflug fort. Der Kurseinbruch aus der ersten Septemberhälfte, als der Preis bis auf 2.900 US-Dollar fiel, ist längst wieder wettgemacht. Am gestrigen Dienstag wurde ein neues Allzeithoch von 4.926 US-Dollar erreicht. 

Gegenwind aus Politik und Wirtschaft gibt es zuhauf: Nach China schränkt nun auch Russland den Handel mit Kryptowährungen ein. JP Morgan-Chef Jamie Dimon hatte Bitcoins als "Betrug" bezeichnet und den Hype mit der Tulpenzwiebelspekulation in Holland im 17. Jahrhundert verglichen. IWF-Chefin Christine Lagarde mahnte hingegen, die Finanzbranche solle virtuelle Währungen ernst nehmen. 

von: Anna-Maria Borse
11. Oktober 2017, © Deutsche Börse AG



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