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Deutschland: Ist die Stimmung schlechter als die Lage?




19.10.18 22:10
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die zurzeit schwächeren Frühindikatoren sollten nicht überbewertet werden. 2019 stützt der Konsum die deutsche Konjunktur, so die Analysten der Helaba.

Zudem dürfte der negative Sondereffekt durch das neue Prüfverfahren für Automobile zur Jahreswende auslaufen.

Die vom Mannheimer ZEW befragten Finanzanalysten seien für Deutschland zurzeit ähnlich pessimistisch wie 2012. Zur Erinnerung: Im Juli 2012 habe Mario Draghi seine historische "Whatever it takes"-Rede gehalten, mit der er die Märkte in der Euro-Schuldenkrise beruhigt habe. Sei die heutige Situation mit damals vergleichbar? Die rund 9 000 Unternehmen, die das ifo Institut monatlich befrage, seien offensichtlich nicht der Meinung. Sie würden optimistischer in die Zukunft schauen, auch wenn für Oktober mit einem Rückgang gerechnet werden müsse.

Verunsicherungen gebe es reichlich: So seien für die Handelskonflikte und den Brexit bislang keine tragfähigen Lösungen in Sicht. Die italienische Regierung gefährde mit ihrer unsoliden Haushaltspolitik den Zusammenhalt in der Eurozone und die Aktienmärkte hätten zuletzt korrigiert. Die deutschen Unternehmen verunsichere dies ebenfalls. Gleichwohl würden sie auch 2019 eine stabile Binnennachfrage erwarten. Die Sonderkonjunktur im Bau dürfte sich nur leicht abgeschwächt fortsetzen und die privaten Konsumausgaben in Deutschland würden nicht nur von steigenden Einkommen und einer zunehmenden Beschäftigung profitieren.

Impulse würden auch von den wirtschaftspolitischen Maßnahmen kommen: Allein die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung bei der Gesetzlichen Krankenversicherung entlaste Arbeitnehmer und Rentner um knapp 7 Mrd. Euro. Zusätzlich werde die "Mütterrente" erweitert, der Grundfreibetrag und das Kindergeld bzw. der Kinderfreibetrag erhöht. Die Rentenerhöhung dürfte erneut deutlich über der Inflation liegen. Diese Maßnahmen würden dazu beitragen, dass die privaten Konsumausgaben 2019 mit etwa 1,7% stärker zulegen würden als in diesem Jahr (1,5%). Da der Außenhandel voraussichtlich einen leicht negativen Wachstumsbeitrag erbringen werde und die Investitionen nur verhalten zulegen würden, dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 1,5% schwächer expandieren als 2018 (1,8%).

Die Unternehmen würden die schlechteren Rahmenbedingungen registrieren, die Belastungen seien bislang allerdings überschaubar. Erste negative Effekte der eingeführten gegenseitigen Zölle in den USA und China würden auch deutsche Unternehmen spüren, wenn sie in einem der beiden Staaten produzieren und in den anderen exportieren würden. Negative Effekte auf das hiesige Bruttoinlandsprodukt entstünden, wenn aus Deutschland zugeliefert werde. Deutlicher wirke sich bereits jetzt der Brexit aus. Die Pfundabwertung und das schwächere britische Wirtschaftswachstum würden deutsche Exporte erschweren.

Der rapide Rückgang des deutschen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe dürfte aber auch durch einen Sondereffekt bedingt sein. Aufgrund der Einführung eines neuen europäischen Prüfverfahrens könnten einige Automobilhersteller wichtige Modellreihen zurzeit nicht ausliefern. Aufträge und Produktion in dieser Branche seien deswegen deutlich gesunken. Erst Ende des Jahres dürfte die Lieferfähigkeit für alle Modellreihen wieder gewährleistet sein. Dies werde sich mit etwas Vorlauf positiv im Einkaufsmanagerindex niederschlagen. Für Oktober sei dies noch nicht zu erwarten. Der Wert dürfte mehr oder weniger unverändert ausfallen. (19.10.2018/ac/a/m)







 
 
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