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Deutsche Bankenwelt im Umbruch - Einschätzung der Fintech-Experten zur Zukunft ihrer Branche




06.09.18 12:51
newskontor

Ratingen (www.aktiencheck.de) - Dieser Tage ist in der hiesigen Finanzbranche einiges in Bewegung geraten, so newskontor - Agentur für Kommunikation.

So sei die Deutsche Bank, hierzulande das größte Bankinstitut, in dieser Woche aus dem EURO STOXX 50 gefallen. Zudem habe jetzt das DAX-Gründungsmitglied Commerzbank seinen Platz für das Fintech Wirecard räumen müssen. Die Fintech-Experten würden finden, dass beides zusammen Anlass genug sei, eine Zwischenbilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die Zukunft der Fintech-Branche zu wagen. Nachfolgend würden drei Experten ihre Einschätzung zur Entwicklung der Fintech-Branche abgeben.

"Die Fintech-Branche steht gerade erst am Anfang", Joerg Bartussek, Co-Founder der Finnest GmbH

Die Fintech-Branche stehe gerade erst am Anfang, vergleichbar mit der Zeit, als die ersten Fernseher neben dem guten alten Kino aufgetaucht seien: Sie seien noch klein gewesen, das Bild sei lediglich schwarz-weiß gewesen und es habe nur sehr wenige Kanäle gegeben.

Gleichsam würden auch die meisten Fintechs aktuell noch in den Kinderschuhen stecken und mit ihren Produkten und Dienstleistungen bisher nur einzelne Nischen besetzen, welche die Banken nicht füllen könnten oder dürften.

Um sich dauerhaft innerhalb ihrer Branche und gegenüber dem Bankensektor behaupten zu können, würden sie im nächsten Schritt aber über den eigenen Tellerrand hinausschauen und das eigene Angebot verbreitern müssten - wenn es sein muss auch in Kooperation mit Banken, erste Beispiele hierfür gebe es ja bereits. Ferner würden natürlich auch Schnelligkeit und Flexibilität in der Umsetzung neuer Anwendungen sowie Transparenz, Effektivität und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells eine wichtige Rolle spielen. Fintechs, die hier etwa aufgrund personeller Kapazitäten oder aus finanziellen Gründen nicht Schritt halten könnten, würden es auf Dauer schwer haben.

"In einigen Jahren Namen wird es Fintechs geben, die im selben Atemzug mit den großen Geldinstituten genannt werden", Dr. Frank Wüller, Co-CEO der COMPEON GmbH

Dem jüngsten Erfolg von Wirecard zum Trotz merke man seit einiger Zeit ein gewisses Abflauen des anfänglichen Fintech-Hypes. Gleichzeitig scheine sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Fintechts nicht per se besser als Banken, aber Banken auch nicht automatisch besser als Fintechs seien - und dass oftmals überhaupt erst das Zusammenspiel beider Seiten den größten Mehrwert bringe. Immerhin sei der Trend, dass Banken ihre Kernkompetenzen geschickt durch Aufbrechen bestehender Strukturen mit Hilfe von Fintechs ausbauen würden, bereits jetzt klar erkennbar.

Freilich bedeute das nicht, dass Fintechs auch in Zukunft eher ein Nischendasein im Rahmen von Kooperationen führen würden. Stattdessen würden in den kommenden Jahren immer mehr Fintechs, so wie jetzt Wirecard, von sich Reden machen, indem sie sich weiter entwickeln und an Größe gewinnen würden - bis man sie schließlich im selben Atemzug mit den großen Geldinstituten dieses Landes nennen werde. Ironischerweise werde das dann wohl auch damit einhergehen, dass diese Fintechs Konzernstrukturen übernehmen würden und sich dann die Frage stellen müssten, wie die ursprüngliche Agilität überhaupt noch umgesetzt werden könne.

Interessant werde zudem sein, welche Rolle die großen Namen aus dem Silicon Valley in Zukunft spielen würden. Diese seien technologisch so weit voraus und hätten so viele Daten gespeichert, dass es für sie kein Problem darstelle, auf Kapitaldruck auch etablierte Märkte von einem Moment auf den anderen komplett zu durchdringen. Genauso sei die Frage, inwieweit China dann auf europäischer Ebene schon bereit sei.

"Langfristig werden nur wenige Fintechs überleben", Joachim Kaune, Gründer und Geschäftsführer der fundflow GmbH

Wahrscheinlich würden langfristig nur wenige, aber dafür sehr margenstarke Fintechs überleben würden. Diese Fintechs müssten echte Probleme für Ihre Kunden lösen. Zum Beispiel durch voll integrierte Gesamtlösungen - wenn nötig auch in Kooperation mit starken Partnern aus der Bankenwelt.

Was wiederum die traditionellen Geldhäuser betreffe, so werde die Digitalisierungswelle über kurz oder lang wohl viele Bankenflure gähnend leer fegen. Diese Entwicklung sei nicht mehr aufzuhalten und beschleunige sich mit jedem einzelnen Kunden, den ein Fintech gewinne und eine Bank verliere. (06.09.2018/ac/a/m)






 
 
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