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Kolumnist: Holger Steffen

Deutsche Bank: Suche nach dem Notausgang?




19.03.19 07:56
Holger Steffen

Jetzt also doch: Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben offizielle
Fusionsgespräche begonnen. Wie es heißt, mit offenem Ergebnis.
Interpretiert man es richtig, geben beide Kreditinstitute derzeit
insbesondere dem Druck aus der Politik nach,  über die Bildung eines
„nationalen Champions“ zu sprechen. Allerdings ist dieses Projekt aus
vielerlei Hinsicht höchst umstritten.
Noch vor Monaten machte insbesondere Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing
- zu Recht - darauf aufmerksam, dass eine Fusion zwischen den beiden
größten privaten Geldhäusern des Landes zum jetzigen Zeitpunkt nicht
sinnvoll wäre. Denn beide Banken sind mehr oder weniger mitten in ihren
eigenen Restrukturierungsphasen und Umbaumaßnahmen.

Dennoch hielten sich hartnäckig die Spekulationen über einen
Zusammenschluss, weil auch von der Bundesregierung, insbesondere dem
Bundesfinanzministerium, immer wieder die Vorstellung geäußert wurde,
dass Deutschland endlich einen nationalen Champion benötigt, der auch im
internationalen Wettbewerb bestehen kann. Dass beide Banken in ihren
Ertragswerten noch weit davon entfernt sind, diesem Anspruch gerecht zu
werden, auch gemeinsam, wird dabei gern übersehen. Übersehen wird
augenscheinlich auch, was solch ein Zusammenschluss letztlich bedeuten
würde.

Denn so eine Fusion rechnet sich nur über hohe Synergie-Effekte, sprich
Kosteneinsparungen. Und bei einer Bank können diese Kosteneffekte vor
allem über den massiven Abbau von Filialen und Arbeitsplätzen realisiert
werden. So gehen realistische Erwartungen davon aus, dass im Fall einer
gemeinsamen Bank gerade in den Ballungsräumen jede zweite Filiale
letztlich die Türen dicht machen müsste, von den zusammengelegten
Zentralen in Frankfurt ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass insbesondere
Gewerkschaften die Fusionsgespräche mit höchstem Argwohn begleiten.

Aber auch viele Aktionäre sehen hier keinen wirklichen Nutzen. Zumal im
Markt kolportiert wird, dass die jetzigen Gespräche vor allen Dingen von
Seiten der Deutschen Bank schnell auch wieder beendet werden könnten.
Denn für Christian Sewing wäre die Entscheidung für eine Fusion
letztlich ja auch das Eingeständnis, dass er  kein Vertrauen mehr in
seine eigene Strategie hätte. So scheint das Drängen des
Deutsche-Bank-Mannes auf politische Rückendeckung auch als Versuch, am
Ende bei einem Scheitern der Gespräche den schwarzen Peter schnell nach
Berlin schieben zu können.

Dass auch der Markt in den Fusionsgesprächen deutliche Unterschiede
macht, konnte man auch am Montag in den Kursreaktionen sehen. Zwar
erreichte die Deutsche Bank ein gutes Plus von 4 %, doch die Commerzbank
brachte fast das Doppelte auf die Waage. Damit bestätigt sich auch
unsere Spekulation von letzter Woche an dieser Stelle, dass die
Commerzbank bei dieser ganzen Geschichte der größere Profiteur sein
könnte. Insgesamt gilt aber weiterhin: Ob es tatsächlich zu einem
Zusammenschluss kommt, ist trotz  der nun offiziell aufgenommenen
Gespräche alles andere als sicher. Sollten beide Banken diese schnell
wieder beenden (was im Sinne einer Beruhigung in den jeweiligen Häusern
sicherlich wünschenswert wäre), dürfte sich dies auch in den beiden
Aktien widerspiegeln. Entsprechend enge Absicherungen bleiben
empfehlenswert.



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Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
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Xetra 7,11 € +2,67%  14:02
Stuttgart 7,109 € +2,61%  14:00
Frankfurt 7,104 € +2,51%  13:58
Hamburg 7,109 € +2,51%  12:50
Düsseldorf 7,073 € +2,18%  12:00
Berlin 7,06 € +2,04%  11:35
München 7,06 € +1,73%  11:35
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