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Kolumnist: Holger Steffen

Deutsche Bank: Leichte Beute?




14.09.18 08:42
Holger Steffen

Die Deutsche Bank bleibt trotz aller Bemühungen in einer prekären
Situation. Kein Wunder, dass immer wieder Spekulationen über ein
Zusammengehen mit anderen Banken aufgewärmt werden. Dabei stand in den
letzten Tagen erneut das Modell einer Fusion zwischen Deutscher Bank und
Commerzbank im Fokus. Bei beiden besteht Handlungsbedarf, sind sie doch
in den vergangenen Jahren sowohl im europäischen als auch im
internationalen Wettbewerb trotz aller Kostensenkungen und
Umstrukturierungen weiter ins Hintertreffen geraten.
Die jüngsten Statements aus Reihen der deutschen Politik, die nach einem
deutschen bzw. am besten europäischen Champion riefen, schienen da wie
ein neues Wecksignal für allerlei Fusionsüberlegungen zu sein. Die
Commerzbank sprang auch ziemlich zügig drauf an, während die Deutsche
Bank selbst eher zurückhaltend reagierte. Dennoch war das, was aus
Frankfurt zu hören war, durchaus interessant.

Denn eine generelle Absage an einen Zusammenschluss gab es nicht. Eher
nur der Verweis darauf, dass man derzeit keine entsprechenden Ressourcen
sehe, um solch ein Projekt zu stemmen. Vorher wolle man die
Postbank-Integration und das laufende Kostensenkungsprogramm
abschließen. Man nannte sogar einen Zeitraum: eineinhalb Jahre. Die
Frage, die sich aber nicht wenige Marktteilnehmer stellen: Wäre solch
ein Zusammenschluss überhaupt sinnvoll? Denn hier würden letztlich nur
zwei Schwache zueinander finden, woraus wohl kaum ein plötzlich
erstarktes Institut entstehen könnte.

Deshalb wurde auch schnell europäischer gedacht. Und das auch zu Recht.
Denn speziell bei der Deutschen Bank findet sich eine deutliche
Diskrepanz zwischen Geschäft und Börsenbewertung. Während man trotz
einer deutlichen Schrumpfung der Bilanzsumme auf zuletzt rund 1,4
Billionen Euro immer noch auf Platz 15 in der Weltrangliste der Banken
liegt, ist die Deutsche-Bank-Aktie nach Marktkapitalisierung inzwischen
auf einen fernen 50. Platz abgerutscht. Übersetzt heißt das: Ein
potentieller Käufer würde hier, auch unter Beachtung der vorhandenen
Risiken und insb. Bilanzrisiken, noch relativ günstig zum Zuge kommen
können. Dabei wäre wohl eine europäische Lösung (bspw. BNP Paribas oder
Credit Agricole) eine interessantere Option als ein internationaler
Käufer. Allerdings könnte es hier eine Art Giftpille geben.

Denn noch ist völlig unklar, was mit den 10 % geschieht, die derzeit in
Händen der chinesischen HNA liegen. Diese will ihren Anteil verkaufen,
wobei neben einigen chinesischen Banken auch der chinesische Staatsfonds
CIC Interesse zeigt. Bleiben die Chinesen Großaktionär, dürften wohl
einige Kaufinteressenten eher Abstand nehmen. Schaut man auf die Aktie
der Deutschen Bank, wird relativ schnell deutlich: Der Markt wartet ab.
Kurzfristige Verbesserungen in der Charttechnik sind derzeit wohl
genauso zufällig wie entsprechende Verschlechterungen. Eine echte
Tendenz dürfte wohl erst dann erkennbar werden, wenn sich mindestens das
fundamentale Umfeld nachhaltig verbessert. Vorher bleibt jedes
Investment höchst spekulativ.


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