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Kolumnist: Bernd Niquet

Dass muss ja eigentlich wieder schiefgehen




08.06.19 12:13
Bernd Niquet

Als ich am vergangenen Wochenende bei bestem Wetter mit dem Rad unterwegs war, habe ich mich enorm geärgert, nur mit Mühe die große Ausfallstraße überqueren zu können, weil ein Auto nach dem anderen kam. Alle wollten sie nach draußen, ins Grüne, in die Natur, die Insassen.

Zwangsläufig musste ich an das Klimathema denken: Wahrscheinlich wird die einzige Möglichkeit, dieses Thema zu lösen, darin bestehen, diese Leute alle umzubringen.


Das kennen wir ja schon, wir Deutschen.


Dass die Wissenschaft etwas vorgibt, und dann alle, die da nicht hineinpassen, umgebracht werden.


Ist das jetzt zu weit hergeholt? Ja, natürlich! Das sind völlig abstruse Gedanken, die ich hier äußere. Aber trotzdem. Ich bin ja selbst ein Deutscher. Und weiß daher, dass sich da durchaus etwas unter der Oberfläche befindet. Wie der Permafrost unter der russischen Tundra.


Ich habe ja eine riesige Menge Sympathie für die junge Generation und ihre Proteste. Für die Mädels von Fridays For Future. Ich finde es klasse, dass sie sich einmischen und ihren Protest artikulieren.


Doch ist dieser apodiktische Glaube an die Wissenschaft nicht gefährlich? Die Wissenschaft scheint immer mehr zur neuen Religion zu werden.


Und hatten wir genau das nicht auch schon einmal? Mein Vater hat immer gesagt: Die Engländer haben aus den Mendelschen Erbgesetzen eine prima Pferdezucht gemacht. Wir Deutschen mussten daraus jedoch gleich eine Weltanschauung machen.


Das kann man jetzt natürlich nicht miteinander vergleichen. Die Wissenschaft dort und die Wissenschaft hier. Aber trotzdem.


Wenn ich heute die völlig unkritische Haltung der Vertreterinnen von Fridays For Future zur Wissenschaft vom Klima höre, muss ich auch immer sofort an den wissenschaftlich fundierten Marxismus-Leninismus denken. Da konnte ja auch keiner gegen an. Das war eben einfach so. Das war die wissenschaftliche Weltanschauung von Partei und Arbeiterklasse. Und Ende der Geschichte.


Müsste jetzt nicht ein großer gesellschaftlicher Dialog über die Methoden und die Funktionsweise der Wissenschaften beginnen?


Müsste. Aber wer hat denn davon heute noch eine Ahnung? Das Bewusstsein aus Popperschen Zeiten, dass alle Theorien stets und immer fehlbar sind, und dass man keine Theorie jemals positiv beweisen kann, ist doch völlig verloren gegangen.


Heute hält man das, was die Mehrheit der Forscher behauptet, schlichtweg für wahr. Wissenschaftliche Methodenlehre wird ja an den Schulen nicht gelehrt. Und schon gar nicht Kant gelesen. Ansonsten wüsste man um den fragilen Zustand jeder Theorie. Dass Theorien immer nur Theorien sind, und sich überhaupt nur bedingt auf die Wirklichkeit beziehen. Und sie immer nur so lange vorläufig gültig sind, bis es eine bessere Theorie zur Erklärung der Beobachtungen gibt.


Doch was sollen Abiturientinnen davon wissen? Und die Journalisten verstehen sicher noch weniger davon! Noch weit, weit weniger.


Im Endeffekt sind wir auf dieser Weise heute zu einer nahezu alles abdeckende quasi-religiösen Glaubensgemeinschaft geworden. Die einen glauben an Gott, und die anderen daran, dass die Wissenschaft genauso wahr ist, wie die Christen, Muslime und was es sonst noch alles gibt, ihre Götter halten.


Der große Vorteil der Wissenschaften wäre es: Sie könnten ihre Karten aufdecken. Ihre eigenen Annahmen offenlegen und kritisch hinterfragen. Öffentlich. In großem Rahmen.


Dass sie das jedoch nicht tun, macht mich stutzig.




Bernd Niquet







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