Kolumnist: Feingold-Research

DAX trotzt Corona




11.09.20 13:53
Feingold-Research

Die Corona-Pandemie ist noch längst nicht überstanden. Über 60 Länder befinden sich mit Blick auf das Infektionsgeschehen in der zweiten Welle, sie haben also wieder mehr als 20 Prozent ihrer bisher höchsten Neuinfektionszahlen erreicht. Das kommt nicht grundsätzlich überraschend, aber doch etwas früher als gedacht und nicht erst im Winter, wenn naturgemäß mehr Aktivitäten in geschlossenen Räumen stattfinden. Politisch stehen, nach zwischenzeitlichen Lockerungen, wieder schärfere Corona-Regeln auf der Agenda. Am Aktienmarkt spielt das derzeit keine Rolle. Für Trader ist unser heutiges Handwerkszeug der Turbo-Bull SB8YNZ und der Turbo-Bear JC6EF9. Auf Gold ist unser Bull der Wahl die WKN MA1KGW. Wir stellen die Einschätzung der Deka für die Börse München vor.

Wenn man der aktuellen Entwicklung in der Corona-Pandemie etwas Positives abgewinnen will, dann sind dies zum einen die weltweit erheblichen gemeinschaftlichen Anstrengungen bei der Suche nach Impfstoffen und Medikamenten sowie zum anderen die Beobachtung, dass die jüngsten Restriktionen kaum spürbar die Mobilität und die wirtschaftliche Aktivität bremsen. Die Konjunkturerholung hält an.

Expansive Geldpolitik



Viele Konjunkturindikatoren haben sich sogar mit hohem Tempo aus dem tiefen Rezessionstal herausbewegt. Doch die Erholungsgeschwindigkeit wird in den kommenden Monaten spürbar nachlassen. Die Rückkehr zur normalen wirtschaftlichen Aktivität wird ein Langstreckenlauf. Länder wie Italien und Spanien dürften erst nach 2022 ihre Produktionsniveaus von vor der Corona-Krise erreichen. Diese Perspektive birgt für die kommenden Jahre wesentliche Konsequenzen für die Kapitalmärkte: Wir erwarten bei noch längerer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und unterausgelasteter Kapazitäten eine anhaltend gedämpfte Güterpreisinflation. Dies rechtfertigt aus Sicht der Notenbanken eine über weite Teile der Zwanzigerjahre anhaltende expansive Geldpolitik.

Zeichen stehen auf Konjunkturerholung



Die von der amerikanischen Notenbank Fed gerade überarbeitete geldpolitische Strategie weist definitiv in diese Richtung: Zukünftig werden auch zeitweise über dem Inflationsziel liegende Raten hingenommen, ohne rasch die Zinsen zu erhöhen. Dies soll dabei helfen, am Ende des Tages die Inflationserwartungen bei rund 2 Prozent zu verankern. In eine ähnliche Richtung dürfte auch die Europäische Zentralbank denken, dort steht die Entscheidung über eine neue Strategie noch aus. Bei allen Unwägbarkeiten, wie wir mit der Corona-Pandemie über das infektionsträchtigere Winterhalbjahr kommen, stehen die Zeichen doch auf eine weitere Konjunkturerholung. Daran wird es mal mehr und mal weniger Zweifel geben – mit entsprechend schwankungsreichen Finanzmärkten. Und doch dominieren die massiv unterstützenden geld- und finanzpolitischen Maßnahmen. Dies verfestigt die Aussicht auf nachhaltig zinslose liquide Geldanlagen genauso wie auf eine Vermögenspreisinflation bei realen Anlageklassen wie Aktien und Immobilien. Ergänzend bieten die Corona-bedingt sogar verstärkten Megatrends der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit durchaus konstruktive Zukunftsaussichten für die Zeit nach der Pandemie.

Die wichtigsten Prognoserevisionen und Änderungen



  • Deutschland/Euroland: BIP-Aufwärtsrevision für 2020, Abwärtsrevision für 2021; Inflation-Abwärtsrevision für 2020 und 2021.
  • USA: BIP-Aufwärtsrevision für 2020, Abwärtsrevision für 2021; Inflation-Aufwärtsrevision für 2020 und 2021.
  • Euroland-Geldpolitik: Aufstockung und Verlängerung des PEPP bis Jahresende 2021.
  • DAX: Aufwärtsrevision der Kursziele.
  • Emerging Markets: Aufwärtsrevision der BIP-Prognosen für Brasilien, Russland und Polen; Abwärtsrevision der BIP-Prognosenfür Indien und Ungarn.
Die Konjunktur in den Industrieländern




Deutschland
Die Stimmung der deutschen Unternehmen hellte sich im August weiter auf. Doch nach wie vor sind die Erwartungen weit besser als die Lagebeurteilung. Immerhin tut sich auch etwas bei den „harten“ Konjunkturindikatoren. Stand Juni haben Produktion und Export etwa 50 Prozent des Corona-Einbruchs wieder aufgeholt, der Gastgewerbeumsatz knapp 60 Prozent, und der Umsatz im Einzelhandel liegt schon wieder über dem Vor-Corona-Niveau. Wir haben mit Blick auf die überraschend guten Daten unsere Prognose für 2020 etwas nach oben genommen. Doch die Dynamik des dritten Quartals wird nicht von Dauer sein. Insbesondere die letzten Meter des Aufholprozesses dürften mühsam werden.
Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt 2020 bzw. 2021: -5,4 Prozent bzw. 5,1 Prozent (bisher: -6,1 Prozent bzw. 5,2 Prozent); Inflation 2020 bzw. 2021: 0,5 Prozent bzw. 1,5 Prozent (bisher: 0,6 Prozent bzw. 1,6 Prozent).

Euroland
Die europäische Wirtschaft befindet sich nach dem Rekordeinbruch des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal 2020 wieder auf Wachstumskurs. Es ist aber eine mühsame und zerbrechliche Erholung im Euroraum. Dies zeigen die wichtigsten Frühindikatoren. Denn die seit Mitte Juli steigenden Infektionszahlen in Europa hinterlassen bereits erste Bremspuren. Dies gilt vor allem für Spanien und Frankreich. Italien hingegen ist noch mit den Aufräumarbeiten nach der ersten Welle spürbar belastet. Die gesamtwirtschaftliche Preisentwicklung ist nach wie vor schwach. Die Inflationsrate ist von 0,4 Prozent im Juli auf -0,2 Prozent im August gefallen. Deutlich gebremst haben die Energiepreise. Ohne die Energiekomponente lag die Inflationsrate im August bei 0,7 Prozent.
Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt 2020 bzw. 2021: -8,4 Prozent bzw. 7,2 Prozent (bisher: -8,8 Prozent bzw. 7,3 Prozent); Inflation 2020 bzw. 2021: 0,4 Prozent bzw. 1,0 Prozent (bisher: 0,5 % bzw. 1,1 Prozent).

USA
Die zwischenzeitlich sehr hohe Anzahl an Corona-Neuinfizierten hat sich in der wirtschaftlichen Aktivität kaum niedergeschlagen. Allerdings haben sich die Wachstumsraten der meisten Konjunkturindikatoren abgeschwächt. Ende Juli hörte die zeitlich befristete zusätzliche Arbeitslosenhilfe auf. Hierdurch fielen für die privaten Haushalte Einnahmen von knapp 700 Mrd. US-Dollar weg. Zu vermuten ist, dass sie dies mit einer geringeren Sparaktivität kompensiert haben, denn die verfügbaren Tagesdaten zum privaten Konsum deuten keine diesbezügliche Abschwächung an. Insgesamt verläuft der bisherige Aufschwung besser als ursprünglich erwartet. Von einer V-Erholung kann aber weiterhin nicht gesprochen werden.
Prognoserevision: Bruttoinlandsprodukt 2020 bzw. 2021: -3,4 Prozent bzw. 4,9 Prozent (bisher: -4,6 Prozent bzw. 5,0 Prozent); Inflation 2020 bzw. 2021: 1,1 Prozent bzw. 1,5 Prozent (bisher: 0,9 Prozent bzw. 1,4 Prozent).
Aktienmarkt Deutschland Das wirtschaftliche Umfeld für die Unternehmen ist spürbar besser geworden. Die aktuellen Stimmungsumfragen signalisieren, dass die Verbesserung von Dauer ist. Unterstützt wird diese Einschätzung durch vollere Auftragsbücher und eine zunehmende globale Handelsdynamik. Wie stark die Unternehmen von der aktuellen Entwicklung profitieren, wird sich allerdings erst mit der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen zum dritten Quartal zeigen. Die Corona-Pandemie bleibt ein belastender Faktor. Allerdings sind die angesichts der zuletzt wieder gestiegenen Neuinfektionszahlen beschlossenen Einschränkungen deutlich besser verkraftbar, sodass die Aktienmärkte kaum noch auf das Infektionsgeschehen reagieren. Die jüngsten Diskussionen der Notenbanken zeigen, dass sich die Märkte noch für lange Zeit der aktiven Unterstützung der Geldpolitik sicher sein können.
Prognoserevision: Aufwärtsrevision der Kursziele.
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Frankfurt Zertifikate
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