Kolumnist: Feingold-Research

DAX – Wieder in Kauflaune




01.09.20 15:23
Feingold-Research

Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche bei schwankendem Verlauf deutlich zugelegt. Auftrieb gaben dabei Hoffnungen auf Behandlungsmethoden gegen das Coronavirus, positive Signale im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der Entschluss der US-Notenbank Fed, das Inflationsziel von zwei Prozent beizubehalten, es aber im Durchschnitt über einen gewissen Zeitraum erreichen zu wollen. Dies gibt der Fed größeren Spielraum bei der Geldpolitik, was die Anleger vor allem als Signal für eine weiterhin lockere Geldpolitik mit noch länger anhaltenden Niedrigstzinsen interpretierten. Wir stellen die Einschätzung von Robert Ertl, Börse München vor.
Ein anderer Effekt der Fed-Entscheidung zeigte sich im Kurs des Euro, der gegenüber dem Dollar spürbar angezogen hat. Ende vergangener Woche belastete dies die deutschen Aktienmärkte, da Marktteilnehmer sich um die Auswirkungen auf die exportierende hiesige Industrie sorgten.

Trotz des schwächeren Wochenausklangs gewann der DAX im Wochenvergleich 2,1 Prozent auf 13.033,20 Punkte. Deutlich stärker legten die Titel von Indexwert MTU Aero Engines zu. Die Aktie des Triebwerkherstellers hatte zu den großen Verlierern in der Corona-Pandemie gezählt und profitierte nun überdurchschnittlich von den Hoffnungen auf ein Ende. Indexneuling Delivery Hero litt dagegen unter Gewinnmitnahmen und Unternehmenszahlen, die erste Woche im Dax brachte merkliche Kursverluste. Der MDax stieg im Wochenvergleich um 1,0 Prozent auf 27.527,34 Zähler. Der TecDax verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 3.109,49 Punkte. Der m:access-All-Share legte um 1,9 Prozent auf 2.894,43 Zähler zu.
Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche merklich nachgegeben. Dabei wurden die Bundespapiere von den gleichen Faktoren belastet, die den Aktienmärkten Auftrieb verliehen. Zusätzlicher Druck kam von einigen gut ausgefallenen Konjunkturdaten. In Folge der nachgebenden Kurse zog die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,51 auf -0,41 Prozent an. Die Umlaufrendite legte von -0,52 auf ebenfalls -0,41 Prozent zu.

Fed beruhigt US-Markt



An den US-Aktienbörsen hat die Ankündigung der Fed, das Inflationsziel von zwei Prozent künftig als Durchschnittsziel anzustreben, in der vergangenen Woche zu deutlichen Kurssteigerungen geführt. Der Dow-Jones rückte im Wochenvergleich um 2,6 Prozent auf 28.653,87 Punkte vor. Damit lag der Index gegenüber dem Jahresbeginn wieder im Plus. Der breiter gefasste S&P 500 verzeichnete in der vergangenen Woche neue Rekordstände, im Wochenvergleich kletterte er um 3,3 Prozent auf 3.508,01 Zähler. Auch beim technologielastigen Nasdaq-100-Index waren neue Rekordhochs zu verzeichnen, im Wochenvergleich ging es um 3,8 Prozent nach oben auf 11.995,85 Zähler.

Ausblick: Vorsichtiger Optimismus an den Märkten



Nach den jüngsten Kurssteigerungen geben sich viele Beobachter auch beim Blick auf die aktuelle Woche optimistisch für die deutschen Aktienbörsen. Die Hoffnungen auf medizinische Fortschritte im Kampf gegen Corona und eine Erholung von den wirtschaftlichen Folgen sowie die Aussicht auf eine anhaltend sehr lockere Geldpolitik könnten den Märkten weiter Auftrieb verleihen, heißt es. Die Sorgen wegen der Corona-Pandemie träten dabei fürs Erste etwas in den Hintergrund, trotz steigender Infektionszahlen in Teilen Europas. Grund hierfür seien einerseits die sinkende Zahl Neuinfizierter in den USA, andererseits die Annahme, dass es nicht erneut zu einem umfassenden Lockdown kommen werde. Allerdings könnte diese positive Stimmung bei entsprechender Nachrichtenlage auch umschlagen, denn generell herrscht bei vielen Investoren ungeachtet der jüngsten Marktentwicklung weiterhin Nervosität.




In Bezug auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dürften die Anleger gespannt auf die kommenden Konjunkturdaten blicken, von denen in den nächsten Tagen ein Reigen von Hochkarätern ansteht. So werden aus der Eurozone und Deutschland unter anderem Einkaufsmanagerindizes, Werksaufträge und Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Aus den USA kommen neben Einkaufsmanagerindizes und Handelsbilanz vor allem die Arbeitsmarktzahlen. Und in China werden ebenfalls Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Bei allen vorgelegten Zahlen werden die Anleger vor allem auf Zeichen einer weiteren Erholung der Wirtschaft von der Corona-Pandemie und auf Signale für die Entwicklung im Herbst achten.




Daneben bleiben die Themen Handelskonflikt und die kommende Präsidentschaftswahl in den USA Einflussfaktoren für die Börsen. Ob und wenn ja, wie stark sich diese aber in den kommenden Tagen auf das Marktgeschehen auswirken, hängt von der Nachrichtenlage ab.



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