Kolumnist: Geldanlage-Report

DAX: Was spricht für steigende Kurse?




21.05.13 18:02
Geldanlage-Report

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Lieber Geldanleger,


seit mehr als drei Jahrzehnten geistert die „Sell in may and go away“-Regel nun schon durch die Börsensäle der Welt. Schon 1964 schrieb darüber die „Financial Times“, 1977 das britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“.


Was ist dran an dem antiquiert klingenden Spruch? Und sollten Sie als Geldanleger sich jetzt – zum Ende des Wonnemonats – davon beeinflussen lassen?


Wenn man Studien Glauben schenkt, dann muss die allgegenwärtige Investment-Weisheit ernst genommen werden. Allerdings gibt es auch immer wieder Jahre, in denen man der Börsenweisheit nicht trauen darf.


2013 scheint genau ein solches Jahr zu sein. Es boomt an den Börsen – trotz weiter schwelender Krisen in Europa und der Welt.


Es ist erst wenige Tage her: Der DAX kletterte über 8.400 Punkte und markierte ein neues Allzeithoch. Damit taten es die deutschen Blue Chips anderen Indizes wie Dow Jones, S&P 500 oder MDAX gleich, die schon einige Wochen zuvor neue Höchststände feiern konnten.


Bis auf die BRIC-Staaten feiert die Welt eine riesige Börsenrallye: In Japan erreichte der Nikkei 225 Index ein Fünf Jahres-Hoch. Viele kleinere Emerging Markets weisen aktuell ebenfalls hervorragende Kursgewinne auf.


Angesichts der globalen Kursgewinne wirkt die Börsenregel: „Sell in may and go away“ nur wenig attraktiv.


Wer springt schon gerne


vom dahin rasenden Zug?


Und fehlende Anlagealternativen, die noch immer günstige Bewertung vieler Aktien (vor allem deutscher Titel) sowie die expansive Geldpolitik vieler Notenbanken sind ja auch gute Gründe, die für eine Fortsetzung des internationalen Aufwärtstrends an den Börsen sprechen.


Die latente Angst vor einem im Mai beginnenden, den ganzen Sommer über währenden großen Ausverkauf ist bei vielen Investoren jedoch weiterhin existent.


Jeder kleine Rücksetzer wird als erstes Indiz verstanden. Doch wo bleiben die Verkäufe? Kommen die etwa noch?


Dass die Börsen ab Mitte/Ende Mai gerne den Rückwärtsgang einlegen, ist keine Schimäre. Die Statistik liefert einige Beispiele, welche das zu bestätigen scheinen.


Besonders eindeutig sind die Ergebnisse für die USA: Anders als amüsante, aber sinnlose Weisheiten – wie etwa der sogenannte Superbowl-Indikator (Jährlich kämpfen die führenden US-Teams der National Football Conference – NFC – und der American Football Conference – AFC – um den Super Bowl.


Gewinnt das Team aus der NFC, so besagt der Indikator, geht es für die Börsen im laufenden Jahr bergauf. Gewinnt die Mannschaft aus der AFC, gehen die Kurse angeblich auf Talfahrt) – basiert die Mai-Warnung hier auf mehr als sechs Jahrzehnten trockener Zahlenanalyse.


Sommer-Blues an den Börsen


Danach sorgen die sechs Monate von Mai bis Oktober an den Börsen für die schwächsten Gewinne. Seit 1950 hat der breite Markt für die Sommermonate ein Durchschnittsplus von 0,3 Prozent vorzuweisen – eine geradezu jämmerliche Rendite, verglichen mit den sechs Monaten von November bis April: für den Zeitraum steht ein historisches Durchschnittsplus von 7,5 Prozent zu Buche.


Geht man ins Detail erkennt man aber schnell, dass die heiklen Monate nicht Mai oder Juni sind, sondern Juli und vor allem August und September. Mehr und mehr Finanzexperten raten darum, einen möglichen Verkaufszeitpunkt nach hinten zu schieben. Statt „Sell in May“ präferieren sie lieber „Sell in Summer“. Einer dieser Börsenprofis ist Dr. Dieter Rentsch, geschäftsführender Gesellschafter des Investmenthauses Aquila Capital.


Er sagt: „Wenn es an der Börse richtig knallt, dann im Sommer.“


Tatsächlich ist der Einbruch beim DAX, wie auch beim Dow Jones und S&P 500 im Spätsommer/Frühherbst frappant: Mit schöner Regelmäßigkeit purzeln die Kurse in den letzten drei Jahrzehnten ab Juli und erholen sich erst zu Beginn der kühleren Jahreszeit wieder. Es gibt aber auch immer wieder Ausnahmen von der Regel.


Zudem verzerren herausragende Einmalereignisse die Statistik: So z.B. die Asienkrise im Sommer 1997, die Russlandkrise im August 1998, der Börsencrash am 11. September 2001 nach dem Anschlag auf New York und die Lehman Pleite im September 2008.


Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit der „Sell in Summer“-Strategie (SiS) in den letzten Jahren gutes Geld verdient werden konnte (also auch wenn man die genannten Einmalereignisse herausrechnet).


Im Grunde brauchte man dafür jeweils am 01. Oktober nur einen DAX-ETF kaufen – einen Indexfonds, der exakt die Kursentwicklung des DAX abbildet. Und diesen dann am 31. Juli des darauf folgenden Jahres wieder veräußern, um danach für zwei Monate Cash zu halten, bevor das Spiel von Neuem beginnt.


So fiel der DAX in 36 Jahren im Schnitt nur im August und September ins Minus. Das Muster gilt laut Ben Jacobsen, Finanzprofessor an der Massey University in Neuseeland auch für viele andere große Aktienmärkte und tritt in England bereits seit 1694 auf.


Erfolgs-Index: DAXplus


Den Erfolg der „Sell in Summer“-Strategie lässt sich auch am DAXplus Seasonal Strategy Performance Index (WKN: A0C4BV) ablesen, den die Deutsche Börse 2005 ins Leben rief. Ein Vergleich des DAXplus zum DAX zeigt: 2008 ließen sich die Verluste mit der SiS-Strategie auf 33 Prozent begrenzen, der DAX büßte 40 Prozent ein.


SiS scheint vornehmlich eine Strategie zu sein für risikoscheue Anleger. Finanzprofessor Jacobsen, der sein Geld seit Jahren nach SiS anlegt, beteuert jedenfalls: „Ich habe fast nie große Verluste aber schon einige Jahre große Gewinne gemacht.“


Selbst wenn das stimmen mag (was nicht überprüfbar ist): Man sollte sich hüten, einzig und allein aufgrund eines einzigen Saisonmusters zu handeln. Es kann niemals schaden so viele Informationen wie möglich zu berücksichtigen, etwa über den Konjunkturzyklus, die Aktienbewertung, aber auch die Stimmungsindikatoren.


Das macht die Entscheidung für oder gegen einen Aktienkauf sicherlich komplizierter als nur einer einfachen Börsenregel nachzulaufen – doch Saisonalitäten können immer nur die Basis einer Investment-Entscheidung sein, dürfen aber niemals im Automatik-Modus umgesetzt werden.


MEIN FAZIT:


Aktuell sprechen viele übergeordneten Fakten für weiter kletternde Kurse. So gibt es keine Anzeichen, dass die Zentralbanken ihre ultra-lockere Geldpolitik aufgeben werden – auch in den kommenden Sommermonaten nicht.


Zudem steht immer noch viel Geld an der Seitenlinie, das unbedingt in den Markt will. Denn viele Investoren sind nach wie vor deutlich unterinvestiert, da man dem schnellen Anstieg nicht traute.


In jedem Aufwärtstrend kann es auch immer wieder zu kleineren oder größeren Konsolidierungsphasen mit entsprechenden Rücksetzern kommen. Diese Rücksetzer oder Rückschläge sind im Sommer unbestritten wahrscheinlicher als in den Wintermonaten, darum rate ich dazu, Aktien, die man jetzt im Depot hält, genau im Blick zu behalten und „Wackelkandidaten“ zu verkaufen.


Die Strategie „Sell in May“ oder besser: „Sell in Summer“ kann zweifellos dabei helfen, verlustreiche Tage und Wochen zu meiden. Doch nur diesen mechanischen Timing-Strategien zu folgen und in Zukunft Umsatz- und Gewinnentwicklungen und auch Analystenprognosen getrost zu ignorieren, wäre ein Fehler. Eine funktionierende Anlagestrategie muss mehr denn je alle relevanten Einflussfaktoren bewerten und das Depot flexibel daran anpassen.


Dies gilt nicht nur für einzelne Monate, sondern für das ganze Jahr.



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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
63.068,8 € 63.370,68 € -301,88 € -0,48% 20.11./17:45
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000A0C4BV8 A0C4BV 63.698 € 50.247 €
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Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
Xetra 63.068,8 € -0,48%  17:45
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