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Kolumnist: Sven Weisenhaus

Der DAX nach dem Verfallstag




21.05.19 08:25
Sven Weisenhaus

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,


die vergangene Verfallstagswoche brachte einige Überraschungen, die über den weiteren Verlauf des DAX entscheiden könnten. Wie ist also die Lage nun einzuschätzen?


Ein kurzer Rückblick auf den Verfallstag


Der DAX wurde am Freitag zum Verfallstermin um 13 Uhr bei 12.202,76 Punkten abgerechnet und damit ein gutes Stück höher als es das ideale Ziel von 12.000 Punkten (siehe Börse-Intern vom 06.05.2019) erwarten ließ.


Grund dafür war der dynamische Anstieg vom Donnerstag (siehe blauer Pfeil im folgenden Chart), der durch die überraschende Andeutung von US-Präsident Trump ausgelöst wurde, dass die höheren Autozölle gegen die EU vorerst ausgesetzt werden könnten (siehe Börse-Intern vom 15.05.2019).


DAX - Tageschart seit September 2018


Wie die „Verfallstagsmechanismen“ gewirkt haben Dieser bullishe Impuls änderte die Situation für die Stillhalter schlagartig. Denn bis dahin hatte das Basisszenario eines Kursziels von 12.000 Punkten seit rund einer Woche Gültigkeit. Dieser Kursanstieg, der durch eine unerwartete externe Nachricht ausgelöst wurde, zwang die Stillhalter erneut zu Absicherungsmaßnahmen und dürfte dadurch die Anstiegsdynamik entsprechend verstärkt haben.

Dennoch wirkten aber die üblichen „Verfallstagsmechanismen“ weiter, denn die bullishe Kerze vom Donnerstag endete ziemlich genau an der 12.300-Punkte-Marke. Diese Marke hatte ich in meiner Verfallstagsanalyse vom 06.05. ebenfalls genannt, denn dort lag die größte Call-Position. Ein nachhaltiges Überschreiten dieser Marke hätte also weitere Absicherungsmaßnahmen erfordert, welche die Kurse weiter nach oben getrieben hätten. Das konnten die Stillhalter am Freitag aber gerade noch verhindern, denn der Kurs pendelte sich am Verfallstag deutlich darunter ein.


Eine klare charttechnische Lage


Charttechnisch ist die Lage nun eindeutig: Der DAX ist im April aus seinem breiten, übergeordneten Abwärtstrend seit Januar 2018 (rot) ausgebrochen. Der jüngste Rückfall zurück in diesen Kanal (blaue Ellipse) war ein „Fehlrückfall“ der bullish zu werten ist. Zudem wurde bei diesem Rückfall auch der Ausbruch über die wichtige grüne Zone bei 11.800 Punkten bestätigt (siehe grüner Pfeil 1), welche die Unterkante der ehemaligen Top-Formation von 2017/18 war (siehe z.B. Börse-Intern vom 08.10.2018).


Darüber hinaus hat der DAX mit dem Rückfall einen neuen Aufwärtstrend (grün) bestätigt und nicht zuletzt hat er zuvor mit dem jüngsten Hoch die 61,8%-Marke der vorangegangenen Korrektur überwunden und damit diese Korrektur formal beendet (siehe Börse-Intern vom 09.05.2019). Damit stehen nun alle Börsenampeln auf grün und die Ende Dezember begonnene Aufwärtsbewegung sollte weitergehen.


Pro und Contra eines weiteren Anstiegs


Dem stehen jedoch die fundamentalen Bedingungen entgegen, die Sven Weisenhaus zuletzt am Freitag für die US-Märkte aufgelistet hat. Allerdings hat der DAX gegenüber den US-Indizes (die bekanntlich zum Teil schon wieder neue Allzeithochs erreicht haben) einiges Aufholpotenzial.


Andererseits ist zu bedenken, dass der bullishe Kursimpuls vom Donnerstag durch eine wenig belastbare und bisher unbestätigte Meldung ausgelöst wurde. Wenn sich – wie inzwischen schon angedeutet – die so entstandenen Hoffnungen als unbegründet herausstellen, könnte es mit dem DAX auch schnell wieder abwärts gehen.


Warum die Fortsetzung der Abwärtsbewegung immer unwahrscheinlicher wird


Immerhin: Der Kurs hat mittlerweile einigen Abstand zur 12.000-Punkte-Marke und zur grünen Unterstützungszone bei 11.800 Punkten aufbauen können. Und der Abstand zum roten Abwärtstrend nimmt aufgrund dessen fallender Linien allein mit der Zeit immer mehr zu. Selbst wenn also der DAX zunächst nur in eine Seitwärtsbewegung auf seinem aktuellen Niveau einschwenken sollte, sinkt die Gefahr eines erneuten Rückfalls in den roten Kanal drastisch – und damit auch die Gefahr der Fortsetzung der Abwärtsbewegung!


Dennoch gilt: Ein klares Signal zur Fortsetzung der laufenden Aufwärtsbewegung wäre erst das Überwinden des jüngsten Zwischenhochs bei 12.435,67 Punkten (siehe roter Pfeil). Gestern fiel der DAX aber erst einmal wieder auf die 12.000er Marke zurück, nachdem US-Sanktionen gegen den chinesischen Konzern Huawei die Börsen erneut unter Druck gebracht haben. Vorerst konnte der DAX dieses Niveau jedoch abermals verteidigen (siehe grüner Pfeil 2), so dass das kurzfristige bullishe Szenario weiterhin intakt bleibt.


Mit besten Grüßen


Ihr Torsten Ewert


(Quelle: www.stockstreet.de)



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