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Kolumnist: Cornelia Frey

DAX: Anleger bleiben nervös




12.08.19 13:52
Cornelia Frey

Euwax

Handelskonflikt: Unternehmen bereiten sich auf weitere Eskalation vor
 
Die Lage an den Aktienmärkten ist auch zu Wochenbeginn fragil. Dabei sah es im frühen Handel für den deutschen Leitindex gar nicht so schlecht aus. Schwache Vorgaben – vor allem aus den USA – konnten dem DAX am Morgen wenig anhaben, und der deutsche Leitindex zog sogar deutlich an. Doch das Plus von gut 0,5 Prozent war nicht von Dauer und der DAX gab schon zügig seine eingefahrenen Gewinne wieder ab. Da für heute keine wesentlichen Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung anstehen, dürfte sich an der fragilen Gesamtsituation vorerst wenig ändern.
 
China vs. USA: Lage bleibt angespannt
Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist weiterhin DAS Top-Thema für viele Marktteilnehmer. Wie Donald Trump am Wochenende mitteilte, will er möglicherweise die nächste Verhandlungsrunde mit Peking absagen: "Wir werden sehen, ob wir das Treffen im September aufrechterhalten", sagte Trump am Freitag. Die USA seien noch nicht bereit, "ein Abkommen zu schließen, aber wir werden sehen". Hoffnungen auf eine in Kürze anstehende Einigung im Handelsstreit hegt in diesen Tagen kaum ein Marktteilnehmer. Doch nicht nur Washington erhöht den Druck auf Peking. Auch der Renminbi gab zu Wochenbeginn noch einmal nach. Der neue Mittelkurs für den Dollar lag zuletzt bei 7,0211 Yuan - verglichen mit einem letzten Kurs von 7,0624 des Außen-Yuan am Freitagabend in Hongkong. Während Donald Trump vor allem verbal den Druck erhöht, scheint Peking schon zum Handeln bereit…

US-Unternehmen bereiten sich in diesen Tagen offenbar bereits auf eine weitere Eskalation im Handelsstreit vor. Laut einem Bloomberg-Bericht von vergangener Woche sind Warenhäuser rund um den Hafen von Los Angeles nahezu komplett ausgebucht. Nur ein bis zwei Prozent der zur Verfügung stehenden Lagerfläche ist derzeit noch leerstehend. Ungewöhnlich wenig, denn immerhin beläuft sich die Gesamtkapazität der Lagerflächen auf fast 550 Millionen Quadratmeter. Oder, wie Bloomberg schreibt, „genug, um neun Millionen Fahrzeuge darin unterzubringen“. Rund um die Häfen von Los Angeles und Long Beach werden rund 50 Prozent der Importe aus China abgewickelt und in den Lagerhallen rund um „Inland Empire“ zwischengelagert. Das „Inland Empire“ ist mittlerweile die größte Ansiedlung von Lagerhäusern und Versandhallen der Vereinigten Staaten für Importgüter.
 
Ölpreise: Mehr als eine technische Gegenbewegung?
Deutlich nach oben ging es zuletzt für die beiden Ölsorten Brent Crude Oil sowie WTI. WTI konnte am Freitag sogar um fast 4,5 Prozent zulegen und somit einen Großteil der angehäuften Wochenverluste nivellieren. Analysten begründen den jüngsten Preisanstieg mit einer technischen Gegenbewegung, nachdem die Ölpreise aufgrund von zunehmenden Konjunktursorgen sehr stark unter Druck standen. Aus fundamentaler Sicht scheint die Ankündigung Saudi-Arabiens zu stützen: Der OPEC-Staat erwägt offenbar eine Kürzung der Fördermengen. Zu Wochenbeginn geben die Ölpreise jedoch schon wieder nach.
 
Daimler droht Milliardenstrafe
Schlechte Neuigkeiten kommen zu Wochenbeginn mal wieder aus der Automobilbranche: Wie der „Spiegel“ berichtet, droht Daimler eine Milliardenstrafe. Aufgrund manipulierter Dieselfahrzeuge will die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Bußgeld gegen den Autobauer in Höhe von 800 Millionen Euro bis zu einer Milliarde Euro verhängen. Gänzlich überraschend wäre ein Bußgeld, selbst in dieser Höhe, für den Daimler-Konzern offenbar nicht: Bereits im zweiten Quartal stellte Daimler „für behördliche und gerichtliche Verfahren“ rund 2,4 Milliarden Euro zurück.
Selbst die Aktionäre nahmen die heutige Meldung halbwegs gelassen hin und die Daimler-Aktie notiert nicht einmal ein Prozent schwächer. Angesichts der Performance der vergangenen Monate ist das allerdings nur ein sehr schwacher Trost, da die Aktie heute (schon wieder) ein Mehrjahrestief erreichte. Nicht nur aus technischer Sicht scheint die Daimler-Aktie derzeit massiv angeschlagen.
 
Osram: AMS pokert mit
In den Bieterkampf um Osram ist nun auch der österreichische Sensor-Chip-Hersteller AMS eingestiegen. Am Sonntagabend stellte der steirische Konzern ein offizielles Kaufangebot über 38,50 Euro je Aktie. Das AMS-Gebot liegt somit gut 10 Prozent über den vorliegenden Geboten der beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle und kommt einem Gesamtvolumen von 4,3 Milliarden Euro gleich. AMS erwartet bis kommenden Donnerstag eine Antwort von Osram. Bereits im Juli bekundete der steirische Konzern schon einmal sein Interesse an Osram. Damals kippte allerdings die Finanzierung. Zumindest dieses „Problem“ scheint gelöst. Laut einem Bericht von boerse.ard.de wollen die beiden Großbanken HSBC und UBS gut 4,2 Milliarden Euro finanzieren. Einen Teil dieser Summe will AMS offenbar durch eine spätere Kapitalerhöhung refinanzieren, welche wiederum von den beiden Banken garantiert wird. Die Reaktion der Anleger ist eindeutig: Während die AMS-Aktie um fast neun Prozent nachgibt, startet die Osram-Aktie durch und legt um fast acht Prozent zu. Eine Kapitalerhöhung schmeckt Anlegern meist deutlich bitterer, als ein sich abzeichnender Bieterkampf…

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