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Kolumnist: Ralf Flierl

Der Crash




12.03.20 14:03
Ralf Flierl


 
Erst hatten die Märkte kein Corona-Glück und dann kam auch noch Öl-Pech dazu
Verdeckte Pandemie



So ähnlich wie in unserer Unterüberschrift kann man den Kursverlauf der letzten Tage und Wochen wohl ganz zutreffend zusammenfassen. Obwohl sich der Zuwachs der COVID-19-Fälle in China seit Tagen deutlich abschwächt – wir sagen dies mit der nötigen Zurückhaltung, die man im Umgang mit chinesischen Statistiken walten lassen sollte –, ist die Ausbreitung des Coronavirus im Weltmaßstab weiter in vollem Gange. Auch die Märkte sind derzeit damit beschäftigt, einzupreisen, was eine echte Pandemie für die Unternehmen bedeuten könnte. Motto: Produktionsausfälle treffen auf hohe Schulden und sportliche Bewertungen, während Notenbanken die infizierten Märkte mit frischem Geld besprühen. Die extreme Volatilität der letzten Tage ist daher vor allem Ausdruck der Unsicherheit bezüglich der Frage, ob die Risiken auf den aktuell erreichten Kursniveaus bereits ausreichend berücksichtigt wurden. Das wiederum hängt von der Entwicklung der Nachrichtenlage ab. Aktuele Meldungen können als externe Schocks wirken, die dann zu entsprechenden (Über-)Reaktionen der Märkte führen. Einen Boden finden Märkte in der Regel nicht schon, wenn die ersten in Panik geraten, sondern erst dann, wenn auch jene aufgeben, die zunächst die Ruhe bewahrt hatten. Ob diese Panik zu irgendeinem Zeitpunkt gerechtfertigt war, ist oder sein wird, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.




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Krisenmanagement nach Affenart



Dabei ist eine Massenpanik interessanterweise umso wahrscheinlicher, je laxer das Thema zu Beginn angegangen wurde. Es ist diese scheinbare Sicherheit, die einen Überraschungsmoment à la Italien erst möglich macht. Länder wie Südkorea oder Singapur können dagegen im Umgang mit der COVID-19-Ausbreitung als geradezu vorbildlich angesehen werden. Die Bevölkerung wurde offensiv informiert und getestet und notwendige Maßnahmen wurden beherzt in Kraft gesetzt. Inzwischen ernten diese Länder erste Erfolge in Form einer deutlichen Abflachung bei den Neuinfektionen. Andere dagegen praktizieren eher ein Krisenmanagement nach Art der drei Affen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, und vor allem nichts tun. Die trügerische Hoffnung, die Sache werde sich von selbst erledigen, wird nicht aufgehen. Die Krankheitsausbrüche kommen dann nicht nur überraschend (s.o.), sondern auch umso heftiger, je weniger im Vorfeld getan wurde. Dabei spielt es gar keine Rolle, welchem Fetisch die Unverantwortlichen huldigen – ewiges Wirtschaftswachstum, offene Grenzen oder riskante (pseudo-)religiöse Rituale wie etwa Fußballspiele –, das Virus wird jede sich bietende Möglichkeit nutzen, um ein weiteres Land im Sturm zu erobern. Wie schnell in einer Umgebung exponentiellen Wachstums aus scheinbarer Sicherheit Panik werden kann, zeigt wiederum das Beispiel Italien mit seinen explodierenden Fall- und Todeszahlen. Auch der deutsche Sonderweg des „mutigen Zuwartens“ wird das Virus sicher nicht beeindrucken.


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Paukenschlag



Als wäre das alles noch nicht genug, setzte die OPEC über das Wochenende einen zusätzlichen Paukenschlag: Die Organisation erdölexportierender Länder hatte sich mit Russland, das zur sogenannten OPEC+ gehört, darauf geeinigt, dass man sich nicht mit Russland einigen werde. Die Saudis werden in dem ohnehin vom Überangebot geprägten Ölmarkt die Fördermenge weiter erhöhen, um asiatischen Kunden das schwarze Gold zum Vorzugspreis zu liefern. Das wiederum ist ein Affront gegen die Russen, die nun ihrerseits keine Förderdisziplin mehr zu üben brauchen. Als OPEC+-Staat waren sie ohnehin nicht im engeren Kreis der Kartellbrüder, an hohen Preisen aber durchaus interessiert. Das Absacken der Ölpreise um rund 30% (vgl. Abb.) ließ jedenfalls auch die Aktienmärkte in Panik geraten. Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass ein solcher Preissturz für alle Ölverbraucher ein gewaltiges Konjunkturprogramm darstellt, also nennenswerte positive Effekte hat.




Angriff auf die Fracker



Leiden werden dagegen die Produzenten, also OPEC(+), und jenes Förderland, das inzwischen auf Rang 1 steht und vom Kartell so gar nicht geschätzt wird – die USA. Gut möglich also, dass das Geplänkel zwischen Russland und Saudi-Arabien sogar ein wenig abgekartet war. Schließlich wollten die Saudis die US-Fracking-Industrie schon einmal im Jahr 2014 schleifen, was damals allerdings kläglich scheiterte. Auch diesmal dürfte dem Angriff auf die Fracker kein Erfolg beschieden sein. Ginge es streng marktwirtschaftlich zu, wären das zwar tatsächlich die Anbieter, die aufgrund hoher Förderkosten als erste aus dem Markt ausscheiden sollten, das aber würde eine entscheidende Dimension vernachlässigen: Die US-Fracking-Industrie ist auch ein US-Unabhängigkeitsprojekt gegenüber der OPEC, das man nicht alleine deshalb aufgeben wird, weil es eine Weile lang unrentabel ist. Die Assets lösen sich nicht einmal dann in Luft auf, wenn die dahinter stehenden Unternehmen genau dies tun sollten. Gut möglich, dass Unternehmen Pleite gehen, dass Banken leiden, aber das US-Fracking wird bleiben, selbst wenn die Produktion vorübergehend gedrosselt werden sollte. Für die USA hat die Ölförderung zudem lediglich eine Art Hilfsfunktion für die eigene Volkswirtschaft, während die Rohölförderung und -verarbeitung für Saudi-Arabien den Kern der dortigen Volkswirtschaft darstellt. Dass das weitverzweigte Königshaus einen enormen Finanzbedarf hat, der auch weiter gestillt werden will um die innere Stabilität des Landes zu erhalten, kommt da nur noch erschwerend hinzu. Wir gehen also davon aus, dass Saudi-Arabien in diesem Preiskampf der schwächste Spieler ist und als erstes einlenken wird, obwohl man dort am günstigsten produziert.


Kein Mangel an Meinungen



In bewegten Börsenzeiten herrscht prinzipiell kein Mangel an Kommentaren selbsternannter Experten. Erstaunlich ist, wie schnell sich Börsianer ein Laienwissen in Sachen Virus angelesen haben und dieses nun als Grundlage für intelligente Entscheidungen zu verwenden versuchen. Ganz anders sieht dies Warren Buffett, der bereits vor zwei Wochen erklärte, nicht basierend auf den aktuellen Schlagzeilen handeln zu wollen. Zwei weitere Wallstreet-Titanen haben sich in den letzten Tagen ebenfalls zu Wort gemeldet, ohne zu behaupten, eine „Viren-Glaskugel“ zu besitzen. Die Einordnung von Howard Marks und Ray Dalio kann Anleger dennoch helfen, da sie ihre jeweils ganz eigene Perspektive auf das Marktgeschehen der letzten Wochen eröffnen. Für Howard Marks steht vor allem das eigene Unwissen im Vordergrund. Nicht ohne Grund nennt er sein Memo „Nobody Knows II“. Er wisse nichts über das Coronavirus und alles, was er dazu sagen könnte, sei nichts anderes als eine Mutmaßung. Die Informationen zum Virus und dessen Verbreitung unterteilt der Star-Investor in a) Fakten b) Extrapolationen, basierend auf vergangenen Viruserkrankungen und c) pure Meinungen und Spekulationen. Das meiste, was in diesen Tagen zu lesen ist, dürfte wohl letzterer Kategorie angehören. Die ökonomischen Folgen abzusehen sei eine schwere Aufgabe: Es gäbe mindestens so viele Prognosen wie Prognostiker. Welcher davon Recht behält, sei angesichts der Dinge, die gerade in Bewegung geraten sind, kaum vorherzusehen.


Nobody knows…



Doch was machen die Börsen aus dieser Gemengelage? Sie reagierten mit einem Jahrhundertcrash. In all den Jahren seit 1896 komme eine derart heftige und schnelle Abwärtsbewegung wie in den letzten Wochen mit einer Chance von lediglich 0,1% vor. Die typische Reaktion von Anlegern auf diese Situation ist klar: Dieses Virus ist gefährlich, es wird die Weltwirtschaft beeinträchtigen – daher am besten verkaufen, bevor das Schlimmste droht. Doch dies muss laut Marks nicht notwendigerweise richtig sein. Fakt ist, dass sich die Ausgangslage verschlechtert hat. Genauso habe sich aber auch die Stimmung der Investoren enorm verschlechtert. Von einer Sache geht der Star-Investor sicher aus: Wir werden keine Wiederholung der Spanischen Grippe von 1918 sehen, die zwischen 20 und 50 Mio. Leben gekostet hat. Das neuartige Coronavirus werde vermutlich mittelfristig unsere Art zu Leben nicht verändern, weswegen es auch weiterhin möglich sei, Unternehmen zu bewerten. Howard Marks bekommt in diesen Tagen daher häufig die Frage gestellt, ob nun der richtige Zeitpunkt sei, um zu kaufen. Er beantworte dies stets mit dem Hinweis: Es ist vermutlich „ein“ guter Tag um zu kaufen. Der Markt sei vor einigen Wochen möglicherweise etwas überbewertet gewesen, nun jedoch eventuell fair oder gar günstig bepreist. Ob der Markt weiter fallen könne? Nobody knows…


Dalio, der Salon-Sozialist



Deutlich mehr im Spekulativen bewegt sich, wie gewohnt, der Hedgefonds-Manager Ray Dalio. Zwar glaubt auch Dalio, dass die Coronavirus-Krise keine langfristige Wirkung haben wird, dies zeige die Geschichte für Fälle wie die bereits genannte Spanische Grippe auf. Die Gefahr sei jedoch, dass diese Krise mit anderen, schon häufig von Dalio erwähnten Problemen zusammenfalle: Der wachsenden Ungleichheit des Wohlstands, zunehmende Verteilungskonflikte, der Aufstieg von Populisten, hohe Schuldenstände und eine ineffektive Geldpolitik sowie neue politische Mächte, die die bestehenden herausfordern. Dalio erwartet einen V- oder U-förmigen Konjunkturverlauf, am härtesten werde es auf diesem Weg aber die hoch verschuldeten Unternehmen mit unsoliden Bilanzen treffen. Der Markt wird vermutlich kaum zwischen soliden Namen und unsoliden unterscheiden. Als Antwort auf die Krise hofft er auf eine koordinierte fiskal- und geldpolitische Maßnahme. Übersetzt könnte man dies auch Modern Monetary Theory nennen. Erneut zieht Dalio die Parallele zu den 30er Jahren, in denen nach seiner Analyse nur eine Zusammenarbeit von Geld- und Fiskalpolitik zum Erfolg führte. Notwendig sind seiner Meinung nach Hilfskredite und finanzielle Unterstützung für die vom Virus am meisten betroffenen Branchen und Menschen. Die dafür aufgenommenen Schulden könnte die Federal Reserve aufkaufen und damit direkt monetarisieren – alleine schon um die Zinsen tief zu halten. Allerdings ist für Ihn eine offene Frage, ob das aktuell so zerstrittene politische System in den USA bereit ist, diese Antwort zu geben. Dalios Gedanken – so wenig sie marktwirtschaftlichen Prinzipien gehorchen – könnten wohl tatsächlich bald Realität werden. Ob man sich derlei Maßnahmen aber tatsächlich wünschen sollte, ist eine andere Frage.



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Smart Investor 3/2020


Titelstory: COVID-19

Dividendenaktien: Wenn Unternehmen einen ausgeben

Besteuerung: Großangriff auf Privateigentum 

Vervielfacher: Elf Tenbagger aus dem Minenbereich




Fazit

Mit dem Coronavirus und dem Ölpreisschock waren die Börsen gleich von zwei extremen Ereignissen betroffen. Das günstige Öl hat andererseits aber auch positive Effekte.


Ralph Malisch, Christoph Karl



       

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