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Corona, die Ölförderländer und die deutschen Exporte




22.05.20 14:35
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Auswirkungen der Pandemie sind in den entlegensten Erdteilen spürbar, berichten die Analysten der Helaba.

So seien bedrohte Tiere betroffen: Die Safariurlauber würden ausbleiben, die Wildhüter könnten nicht bezahlt werden und Wilderer hätten freie Bahn. Eine andere Wirkungskette sei der Einbruch der Ölpreise durch den "Lockdown" in den Industrieländern. Die massiven Einnahmeausfälle der ölproduzierenden Staaten hätten Konsequenzen für die Bevölkerung, die Machthaber sowie - hier schließe sich der Kreis - auch für Exportländer wie Deutschland.

Habe der Ölpreis der Sorte Brent zu Jahresbeginn noch bei rund 70 US-Dollar pro Fass notiert, so sei der Preis im April unter die 20-Dollar-Marke gestürzt. Zuletzt hätten sich die Notierungen zwar auf über 30 US-Dollar erholt. In vielen Förderländern reiche dieses Niveau aber noch nicht, um die Förderkosten zu decken. Der Anteil der Ölförderung liege in einigen Ländern bei über einem Drittel des Bruttoinlandproduktes. Der Anteil der Gas- und Ölexporte von Staaten wie Algerien und Nigeria liege sogar über 90% des BIP. Viele krisengeschüttelten Staaten wie der Iran, Libyen und Venezuela sowie deren Machthaber seien existenziell abhängig von den Öleinnahmen. Auffällig sei, dass das politische System der meisten Ölförderstaaten nicht sehr stabil sei, ablesbar u.a. an einem niedrigen Demokratieindex. Je länger der Ölpreis schwächele, desto wahrscheinlicher seien hier Unruhen. Gefeit sei lediglich Norwegen, das sogar den höchsten Indexwert aller Demokratien habe.

Viele Ölförderstaaten stünden nun vor einer deutlichen Ausweitung ihrer Staatsverschuldung. Die reichen Golfstaaten hätten zwar noch eine relativ niedrige Staatsschuldenquote. Die Haushaltsdefizite der letzten Jahre seien aber teilweise bereits zweistellig ausgefallen. Kein Wunder, brauche doch beispielsweise Saudi-Arabien einen Ölpreis von über 70 US-Dollar pro Barrel, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Jetzt würden dort Ausgaben und Investitionen gekürzt sowie die Mehrwertsteuer von 5% auf 15% angehoben. Der in den letzten Jahren eingeschlagene Finanzierungsweg über die Anleihemärkte dürfte intensiviert werden. In ärmeren Ölförderländern wie dem Irak seien Defizite von über 20% des BIP zu erwarten.

Kombiniere man die Abhängigkeit von der Ölförderung am BIP und den Anteil der Ausfuhren dieser Länder am deutschen Export, stünden drei Staaten besonders im Fokus: Russland, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Deutschland habe 2019 Waren in Höhe von 41 Mrd. Euro in diese Länder exportiert, vergleichbar etwa mit den deutschen Ausfuhren nach Spanien. Alle drei Abnehmerländer würden glücklicherweise zwar hohe finanzielle Reserven in dreistelliger Milliardenhöhe ausweisen, so dass sie die Durststrecke bei den Ölpreisen noch mit am besten verkraften könnten. Allerdings werde überall der Gürtel enger geschnallt und je länger der Ölpreisverfall anhalte, desto mehr könnten diese Länder in der Rangfolge der deutschen Handelspartner abrutschen. (22.05.2020/ac/a/m)






 
 
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