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Kolumnist: BankM

China first: Wie deutsche Mittelständler von der Belt and Road Initiative profitieren können




24.10.19 13:41
BankM

China investiert Milliarden in die Neue Seidenstraße. Bei deutschen Unternehmen kommt davon bislang nur wenig an. Neun von zehn Aufträgen gehen an chinesische Unternehmen. Wer zu den verbleibenden 10% gehören möchte, muss sich in die Wachstumspläne der Regierung einarbeiten und Baustein der chinesischen Wachstumspolitik werden. Von Ziyun Wang

Seidenstraße. Das klingt nach Abenteuer, nach exotischen Gewürzen, seltenen Stoffen und funkelnden Edelsteinen. Mit der 2013 gestarteten Belt and Road Initiative (BRI) möchte China an den Glanz einer Zeit anknüpfen, in der das damalige Kaiserreich der Mittelpunkt des Welthandels war. Neben Handelsinteressen und Wirtschaftsförderung stehen Ressourcenpolitik und geopolitische Machtansprüche im Fokus. Vor allem aber, geht es um Geld. Viel Geld. Milliarden warten darauf in den Bau von Containerhäfen, Terminals, Eisenbahnlinien, Straßen, Kraftwerken oder Raffinerien zu fließen. Das anfangs genannte Investitionsvolumen von 900 Milliarden Dollar dürfte bald erreicht sein. Bis 2020 könnte der Finanzbedarf sogar auf über 7 Billionen Dollar steigen.


Zahlen, die Begehrlichkeiten wecken. Obwohl Deutschland bislang nicht zu den mehr als 100 Ländern gehört, die ein Kooperationsabkommen mit China unterzeichnet haben, hoffen auch hierzulande viele Firmen auf ein Stück vom Kuchen. Einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) unter seinen in China tätigen deutschen Mitgliedsfirmen zufolge, erwarteten 2018 49% der Befragten einen positiven Effekt für sich durch die sogenannte Neue Seidenstraße. Dabei sieht die Realität bislang anders aus. In neun von zehn Fällen geht der Zuschlag für ein Projekt an chinesische Unternehmen, zeigen aktuelle Zahlen des Mercator Institute for China Studies.


Mittelstand bislang außen vor

Wenn doch einmal deutsche Firmen zum Zuge kommen, dann Großkonzerne. So unterzeichnete Siemens allein 2018 mehr als zehn Kooperationsvereinbarungen im Bereich Industrie 4.0 und Energieerzeugung mit chinesischen Staatskonzernen und der schwäbische Maschinenbauer Voith liefert für 200 Millionen Euro drei 470 Megawatt-Turbinen sowie die elektrische und mechanische Ausrüstung für die Erneuerung eines Wasserkraftwerks in Pakistan. Das Staudammprojekt ist wichtiger Bestandteil des Wirtschaftskorridors mit dem China seinen Westen mit dem Hafen Gwadar verbindet.


Ähnliche Erfolgsmeldungen aus dem klassischen Mittelstand sucht man vergebens. Unterhält Siemens eine eigene BRI-Task-Force mit Büro in Peking, um weltweit mögliche Seidenstraßenprojekte zu identifizieren, klagen kleinere Unternehmen über mangelnde Transparenz der Ausschreibungen und fehlende Chancengleichheit. Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Peking, kritisiert offen, dass Mittelständler nur schwer einen Zugang erhalten, weil sie meist gar keine Projektinformationen haben. Die Planungsbehörden sollten die anstehenden Aufträge klar im Netz kommunizieren und insgesamt mehr Informationen zur Verfügung stellen, lautet die Forderung.


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Der Weg dahin ist jedoch ein steiniger. Zwar steht das Versprechen größerer Transparenz im Raum, doch nicht von ungefähr hat China feste institutionelle Regeln im Rahmen kollektiver Verträge bislang umgangen. Stattdessen setzt das Reich der Mitte auf bilaterale Abkommen. Unter Ausnutzung seiner ökonomischen und politischen Stärke sind diese meist an strikte Bedingungen geknüpft. Die deutsche Regierung kritisiert dieses Vorgehen und hofft auf eine europäische Lösung. Diese ist nach dem jüngsten Vertragsabschluss zwischen China und Italien aber weiter entfernt denn je. Das macht auch den Mittelstand zunehmend skeptisch. Die positiven Einschätzungen der Maschinenbauer sanken im April 2019 jedenfalls auf 30% (siehe Abbildung oben).


Erfolgsbeispiele und Handlungsempfehlungen

Bei aller Skepsis gibt es vereinzelt aber auch andere Beispiele. So sieht man bei Knorr-Bremse einen kleinen messbaren Effekt in den Auftragsbüchern. Mindestens zwei Bestellungen für die Lieferung von Bremsen ließen sich auf die Seidenstraßen-Initiative zurückführen. Der Münchner Spezialist für Bremssysteme war von Beginn an ein wichtiger Partner beim Bau der Wagen für Chinas neue Generation von Bahnen und hofft auf die Realisierung weiterer Projekte.


Auch die GAUFF GmbH & Co. Engineering KG, ein Infrastrukturdienstleister aus Nürnberg, sammelte bereits Erfahrungen in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit. Bei einem Großprojekt in Afrika - wichtiger Bestandteil der maritimen Neuen Seidenstraße - war die Gesellschaft für die komplette Qualitäts- und Implementierungsüberwachung verantwortlich. Entwurf und Bauführung erfolgten durch die China Road Bridge Corporation (CRBC), eine der weltweit größten Baufirmen. Ausschlaggebend für den Auftrag waren die langjährige und vertrauensvolle Präsenz in Afrika und das gegenseitige Vertrauen mit den überwiegend staatlichen Auftraggebern. Übergreifend lassen sich vier Handlungsempfehlungen für Mittelständler herausarbeiten:


  • Gemeinsam mit den Großen
  • Zwar werden als Generalunternehmen fast ausschließlich chinesische Firmen beauftragt, doch deutsche Mittelständler können als Zulieferer, Dienstleister oder Kooperationspartner an den Projekten mitwirken. Das funktioniert meist über Konsortien. Am vielversprechendsten ist dabei der Weg über Partner in China oder auch Hongkong, aber auch für Subunternehmen von Global Playern wie Siemens bestehen gute Chancen.
  • Politisches Netzwerk aufbauen
  • Gerade Unternehmen, die schon in China aktiv sind, müssen sich in die Wachstumspläne der Regierung einarbeiten und ein Netzwerk zu den regionalen Entscheidungsträgern aufbauen. Die Entwicklungs- und Reformkommissionen der einzelnen Städte und Provinzen verfügen in der Regel über Projektinformationen und sind oft auch in die Vergabe von Aufträgen involviert.
  • Gezielte Suche
  • Die Chancen für Mittelständler sind dort besonders groß, wo die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) beteiligt ist. Wegen ihrer internationalen Struktur - viele europäische Länder, darunter auch Deutschland, haben sich in die von China gegründete Bank eingekauft - sorgt die AIIB für Transparenz bei Ausschreibungen. Projekte der neuen Seidenstraße-Initiative genießen zwar keine Priorität, sind aber potenzielle Ziele für Kredite.
  • Interessen bündeln
  • Einige Unternehmen haben sich im Bundesverband Deutsche Seidenstraßen-Initiative (BVDSI) zusammengefunden, um ihre Interessen zu koordinieren und Ausschreibungen besser aufzuspüren. Zudem geht es darum, Druck auf die deutsche Politik auszuüben, damit diese sich intensiv mit den Projekten rund um die neue Seidenstraße auseinandersetzt, um Mittelständlern verstärkt Zugang zu ermöglichen.

Am Ende sind wo immer auf der Welt ein großes Kraftwerk, eine Bahntrasse oder ein Flughafen entsteht, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch deutsche Teile enthalten. Unabhängig davon, muss die deutsche Wirtschaft am Erfolg der Seidenstraßen-Initiative interessiert sein. Schließlich ist China für viele Betriebe schon längst der wichtigste Absatzmarkt. Wächst die chinesische Wirtschaft, schlägt sich das auch zwischen Flensburg und Rosenheim in den Zahlen nieder. Die Erhöhung der Transportgeschwindigkeit führt zudem zur Entstehung neuer Wertschöpfungsketten. Unternehmen müssten nicht mehr zwangsläufig eigene Fabriken unterhalten, sondern können ihre Kunden aus Deutschland just in time bedienen. So liefert Porsche neuerdings zweimal pro Woche Autos per Güterzug von Bremerhaven in die chinesische Millionenstadt Chongqing und auch Daimler nutzt den Schienenweg in einem Pilotprojekt. Während ein Frachtschiff fünf Wochen benötigt, dauert der Transport auf der Schiene nur rund 14 Tage.


Ausblick – Wozu in die Ferne schweifen

Über neue Logistikzentren profitieren zahlreiche Städte und Regionen in Deutschland von der Verbindung. Allen voran Duisburg. Als Endpunkt der Neuen Seidenstraße ist die Ruhrgebietsmetropole in China bekannter als Berlin. Rund 30% des Handels per Güterzug zwischen Europa und China werden über Duisburg abgewickelt und von dort nach ganz Westeuropa weitergeschickt. Für die vom Strukturwandel gebeutelte Stadt eine große Wachstumschance. Die Zahl der vor Ort ansässigen chinesischen Unternehmen hat sich seitdem 2011 der erste Zug fuhr auf über 100 verdoppelt. In Hafennähe soll bald ein deutsch-chinesisches Handelszentrum mit 300 Unternehmen entstehen. Etwa 2.000 neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.


Wenn chinesische Firmen wie der E-Mobilitätsanbieter Nio jetzt in Deutschland an intelligenten Antriebssystemen arbeiten, ist ein Hauch der früheren Seidenstraßen-Mythologie zu spüren. Schließlich wurden schon über die alte Seidenstraße einst bedeutende Techniken wie die Papierherstellung und der Buchdruck oder die Erzeugung von Schwarzpulver aus Asien nach Westen verbreitet.  


(Der Beitrag wurde erstmals veröffentlicht im August 2019 auf der Investment Plattform China/Deutschland)
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24.10.19 , BankM
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