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China: Volkskongress tagt, Verhalten optimistischer Konjunkturausblick bei nachlassender Dynamik




13.03.18 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Der Volkskongress ist seit einer Woche im Gang, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die wirtschaftspolitischen Zielsetzungen für das laufende Jahr würden lauten: BIP-Wachstum von ca. 6,5% p.a. (und mehr wenn möglich) und eine Zielinflation von 3,0% p.a. Zum ersten Mal seit 2012 werde ein geringeres Budgetdefizitziel von 2,6% p.a. (3,0% im letzten Jahr) angepeilt, was auf einen achtsameren Umgang mit den öffentlichen Finanzen schließen lasse, ohne dass gleichzeitig die fiskalpolitischen Bremsen zu stark angezogen würden. Die neue Zielsetzung dürfte eher symbolischen Charakter haben. Der Fokus bleibe auf mehr qualitativem Wachstum und auf eine Eindämmung der Kreditrisiken gerichtet. Der Wechselkurs solle laut Aussagen von Premierminister Li Kequiang stabil gehalten werden. Die Wortwahl lasse darauf schließen, dass das Wechselkursregime nicht im Visier für Änderungen stehe. Geldpolitisch werde eine umsichtige, neutrale Haltung bevorzugt. Das endgültige Arbeitspapier werde am 20. März veröffentlicht werden.

Von der Ankündigung zu einem geringeren Budgetdefizit sollte kein unmittelbarer restriktiver Impuls auf die Konjunktur abgeleitet werden. Vielmehr sei auch in diesem Jahr mit einer proaktiven Haltung zur rechnen. Offen sei, wie die angekündigten Steuerreduktionen im Ausmaß von CNY 800 Mrd. gegenfinanziert werden sollten. Zusätzlich sei im Budget der Zentralregierung ein Plus für CNY 30 Mrd. für Infrastrukturinvestitionen vorgesehen. Außerbudgetär seien den LGFV (Local Government Financing Vehicles) im laufendem Jahr Anleiheemissionen (Special Purpose Bonds) im Ausmaß von CNY 1,35 Bio. gestattet; das seien um CNY 550 Mrd. mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt sei somit eher von einem expansiven denn von einem restriktiven fiskalen Stimulus auszugehen.

Den ökonomischen Grundtenor für das laufende Jahr würden die Analysten als vorsichtig optimistisch umschreiben. Wenngleich die Konjunkturprognosen für China zurzeit wieder nach oben angepasst würden, seien sich die meisten Prognostiker in einer Sache einig: die Konjunkturdynamik werde im laufendem Jahr abflauen.

Die bereits publizierten Wirtschaftsdaten für Januar und Februar würden aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten, welche diesmal in den Februar gefallen seien, ein verzerrtes Bild ergeben. Dies spiegle sich im ersten Datenset des Monats, den Umfragewerte der Einkaufsmanagerindices (PMI) wider. Jener vom chinesische NBS (National Bureau of Statistics) veröffentlicht, sei auf 50,3 Punkte (51,3 im Januar) gesunken, auf den niedrigsten Wert seit Mitte 2016. Einen Rücksetzer auf 54,5 Punkte (55,3 im Januar) habe auch der PMI für den Dienstleistungssektor verzeichnet. Sämtliche Subindikatoren hätten sich auf breiter Basis verschlechtert.

Die Stimmung der Caixin Einkaufsmanagerumfrage, die vorwiegend kleinere-mittlere, eher exportlastige Betriebe als Grundgesamtheit habe und der eine bessere zyklische Aussagekraft zugetraut werde, sei nahezu unverändert im unteren Aufschwungsbereich veröffentlicht worden. Solide würden sich die Exportdaten für Februar zeigen. Das Exportwachstum habe sich auf 44,5% (ggü 11,1% im Januar) vergrößert, das Importwachstum habe sich auf 6,3% (ggü. 36,9% im Januar) verringert, der Handelsbilanzüberschuss habe sich auf USD 33,74, Mrd. ausgeweitet (ggü. 20,35 Mrd. im Januar). Auch diese Daten seien zu Jahresbeginn verzerrt. Das große Bild zeige aber, dass sich die Exporte trotz allem sehr solide entwickeln würden und sich der Handelsbilanzüberschuss vor allem mit den USA vergrößert habe.

Der Trend zu einer Wachstumsverlangsamung habe bereits in der zweiten Jahreshälfte von 2017 eingesetzt; das reale Wirtschaftswachstum sei in Q4 auf 1,6% p.q. nach 1,8% in Q3 zurückgefallen. Chinas Wirtschaft sei im abgelaufenen Jahr insgesamt mit einer Wachstumsrate von 6,9% p.a. gewachsen, das sei um 0,2 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor und wieder der erste Jahresanstieg seit 2010. Nach Sektoren gegliedert, sei der Rückfall im sekundären Sektor von einem Anstieg im Dienstleistungssektor mehr als kompensiert worden; dieser sei im Jahr 2017 um 8,0% und somit deutlich stärker als das BIP gewachsen.

Laut Ausgabenrechnung sei der Konsumsektor zu 58,8% am Wachstum beteiligt gewesen, Nettoexporte zu 9,1%. Diese beiden Träger sollten auch im laufenden Jahr die rückläufigen Wachstumsraten bei den Investitionen teilweise kompensieren können. Einkommenssteigerungen würden den Konsum ein dynamisches internationales Wirtschaftsumfeld nach wie vor den Exportsektor unterstützen.

Der schwelende Handelskonflikt mit den USA könnte den Exportsektor zukünftig allerdings belasten. Das Risiko sei mit der Erhöhung von Importzöllen auf einzelne Produktgruppen (Solar und Waschmaschinen) und auf Aluminium und Stahl durch die USA deutlich gestiegen. Der absehbare realwirtschaftliche Effekt aufgrund der bereits beschlossenen Maßnahmen sei für China zwar überschaubar. Der Anteil der betroffenen Produktgruppen an den Gesamtexporten betrage weniger als 1% der Gesamtexporte.

China zähle zwar weltweit zu den größten Stahlproduzenten, die Stahlexporte in die USA würden sich aber auf weniger als 0,1% des BIP belaufen. Auf Stahl aus China würden darüber hinaus bereits Zölle von mehr als 45% eingehoben. Die eigentliche Gefahr sei aber, dass D. Trump mit den Maßnahmen die "Büchse der Pandora" öffne. Kämen andere Produktgruppen ins Spiel (die größte Exportproduktgruppe in die USA von China seien elektronische Geräte, wie. z. b. Smartphones, Tablets und Netzwerkausstattung), wären die Auswirkungen weit gravierender.

Weitere Konfliktpunkte könnte der kurz vor Veröffentlichung stehende Bericht nach Art. 301 des "Trade Acts" sein, indem China der Verletzung geistigen Eigentums bezichtigt werde. Im April werde zudem der halbjährliche Bericht des US-Finanzministeriums über die Währungspraktiken veröffentlicht. Bis jetzt habe China auf Verhandlungen anstatt auf Gegenmaßnahmen gesetzt.

Der ökonomische Wirtschaftsberater des Politbüros Liu He sei vor zwei Woche nach Washington gereist, um die US-China Handelsbeziehungen zu besprechen. Das Treffen sei vertraulich gewesen, beide Länder seien aber darin übereingekommen, die Gespräche am Laufen zu halten. China habe versprochen, seine Märkte weiter öffnen zu wollen. Der Ton habe sich aber mittlerweile deutlich verschärft. Außenminister Wang Yi habe jüngst mit einer "notwendigen Antwort" im Falle eines Handelskrieges gedroht; erstmals würden Gegenmaßnahmen bei Kohle und landwirtschaftlichen Produkten wie Sojabohnen (würden zu den Top 3 Importgütern aus den USA zählen) diskutiert.

In jedem Fall stelle der schwelende Konflikt einen Belastungsfaktor dar, der sich auf den Finanzmärkten widerspiegle. Für die Emerging Markets und China könnte dies zu erneutem Kapitalabzug und Währungsschwäche führen. Die Stimmungsverschlechterung auf den globalen Finanzmärkten habe bereits im Monat Februar zu einer sichtbar höheren Volatilität bei Portfolioflüssen in die Emerging Marktes (EM) geführt. (Konjunktur-Update März 2018) (13.03.2018/ac/a/m)






 
 
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