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China: Regierung sorgt sich um hohe Rohstoffpreise und Aufwertung




09.06.21 10:10
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Aktuelle Entwicklungen: Nach schwachen BIP-Zahlen für das erste Quartal haben auch zu Beginn des zweiten Quartals die Zahlen zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen leicht enttäuscht, so die Analysten der DekaBank.

Die Einzelhandelsumsätze seien im April im Monatsvergleich lediglich um 0,3% gestiegen, obwohl die Corona-Beschränkungen weitgehend aufgehoben seien. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bevölkerung noch Zeit benötige, um zu ihrem Konsumverhalten vor der Pandemie zurückzukehren. Daher hätten die Analysten der DekaBank ihre BIP-Prognose für 2021 von 9,6% auf 9,0% revidiert. Insgesamt bleibe der Aufschwung aber intakt. Noch immer würden sich die Exporte kräftig entwickeln und auch die Anlageinvestitionen seien eine Stütze für die Konjunktur. Der starke Preisanstieg bei Rohstoffen schlage sich zwar bislang nicht in einer unerwünscht hohen Inflation für Konsumgüter nieder, doch die Unternehmen würden aufgefordert, durch erhöhte Lagerhaltung Engpässe zu vermeiden. Zudem seien die Möglichkeiten eingeschränkt worden, über Derivate auf steigende Rohstoffpreise zu wetten. Auch in den Devisenmarkt greife die Regierung ein: Anhaltende Kapitalzuflüsse hätten zu einer Aufwertung des Renminbi geführt, die aus Sicht der Zentralbank in unerwünscht schnellem Tempo verlaufe. Die Anhebung des Mindestreservesatzes für Fremdwährungseinlagen sei ein Signal, dass man diese Aufwertung bremsen möchte. Nachdem die jüngste Volkszählung gezeigt habe, dass die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter schneller schrumpfe als bislang unterstellt, habe die Regierung die Geburtenkontrolle weiter gelockert. Familien dürften nun drei statt zwei Kinder haben, was aber aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten für viele Paare ein unerfüllter Wunsch bleiben dürfte.

Perspektiven: Die chinesische Wirtschaft habe nach einem kurzen Corona-bedingten Einbruch schnell wieder Tritt gefasst. In den kommenden Jahren dürfte sie von Produktivitätsfortschritten gestützt bleiben, da Teile der Wirtschaft noch immer nicht auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten würden und die Regierung die Förderung innovativer Techniken zu einem Schwerpunkt ihrer Wirtschaftspolitik gemacht habe. Die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens RCEP von 15 asiatischen Ländern stärke zudem die regionale Zusammenarbeit und die Stellung Chinas als mit Abstand größte der beteiligten Volkswirtschaften. Dennoch schwäche sich das Wirtschaftswachstum ab, nachdem die Aufholbewegung nach dem Corona-Einbruch zu hohen Wachstumsraten geführt habe. Mittel- und langfristig belaste vor allem die demografische Entwicklung: Die Arbeitsbevölkerung schrumpfe, seit sie 2017 ihren Hochpunkt erreicht habe. Mit der Verlangsamung des Zuzugs in die Städte verliere zudem ein wichtiger Treiber des Produktivitätsfortschritts an Kraft. Die Regierung sei außerdem bemüht, die hohe Verschuldung unter Kontrolle zu halten. Hinzu komme die Konfrontation mit den USA. US-Präsident Biden dürfte diese zwar weniger schrill führen als sein Vorgänger, doch besonders im Technologiebereich dürfte auch er Anstrengungen unternehmen, Chinas Entwicklung zu bremsen. Die Entwicklung des chinesischen Renminbis dürfte auf Sicht der kommenden zwölf Monate, in denen die Analysten der DekaBank gegenüber dem US-Dollar weitgehend eine Seitwärtsbewegung erwarten würden, von guten Wirtschaftswachstumszahlen gestützt bleiben. In der Zeit danach dürfte die Währung etwas verlieren, wenn die Wachstumsdynamik nachlasse.

Länderrisiko: Die Corona-Krise habe zu einem deutlichen Schuldenanstieg bei Staat und Unternehmen in China geführt. Aufgrund der geringen Abhängigkeit von Auslandskapital könne die Regierung über die Zentralbank und das staatliche Bankensystem aber die Risiken für das Finanzsystem unter Kontrolle halten. Den Ratingtrend würden die Analysten der DekaBank als stabil einschätzen. Die Ratings der Agenturen (S&P: A+; Moody‘s: A1; Fitch: A+) würden zeigen, dass das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Chinas sehr hoch sei. (Emerging Markets Trends vom 08.06.2021) (09.06.2021/ac/a/m)





 
 
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