Erweiterte Funktionen


China: Im Fadenkreuz Washingtons




05.09.18 16:50
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - China steht klar im Fokus der aggressiven Handelspolitik von Donald Trump, so die Analysten der Helaba.

Ende August sei die zweite Tranche der Strafzölle in Kraft getreten, mit denen die US-Regierung Peking zu einer Kehrtwende in der Handelspolitik zwingen wolle. Die Chinesen hätten zeitgleich Gegenmaßnahmen auf US-Importe verhängt. Gespräche zwischen den beiden Regierungen seien ergebnislos geblieben. Die nächste Eskalationsstufe stehe möglicherweise schon im September an, wenn das US-Handelsministerium die Listen für weitere Zölle auf chinesische Produkte vorlegen könnte, die 2017 Importe in Höhe von 200 Mrd. Dollar ausgemacht hätten. Dies wäre - wie auch die diskutierten Autozölle - eine andere Hausnummer als die bislang verhängten Maßnahmen. Wenn sie umgesetzt würden, wäre statt mit primär mikroökonomischen und psychologischen Auswirkungen mit nennenswerten unmittelbaren Effekten auf der Makroebene zu rechnen.

Die Problematik der Vorgehensweise seitens der USA werde auch von der Wechselkursentwicklung unterstrichen. Seit dem Frühjahr habe der Yuan gegenüber dem Dollar gut 7% nachgegeben. Dies könne - je nach Lesart - entweder eine absichtliche Abwertungsstrategie der Chinesen sein. Oder es reflektiere die rationale Reaktion des Devisenmarktes auf den Handelsstreit, der die chinesische Konjunktur mehr belasten dürfte als die amerikanische. Was auch immer der Hintergrund sei, die Wirkung sei die Gleiche: Die Abwertung konterkariere die Effekte der US-Zölle, indem sie allen chinesischen Exporteuren die Wahl gebe, ihre Dollarpreise zu senken oder höhere Margen in Yuan einzustreichen.

Trotz der zunehmenden Risiken habe sich die hohe konjunkturelle Dynamik des Jahres 2017 in den ersten Quartalen von 2018 zunächst fortgesetzt. In Q2 habe die Vorjahresrate des realen BIP noch immer bei 6,7% gelegen. Die Analysten hätten angesichts des hohen Schwungs im ersten Halbjahr seine Wachstumsprognose für 2018 von 6,5% auf 6,8% angehoben. Gleichzeitig sei aber - nicht zuletzt wegen der Handelsstreitigkeiten mit den USA - das Risiko eines merklichen Schwungverlusts in den kommenden Quartalen gestiegen. Die Analysten würden nun für 2019 mit einem Wachstum von 6,2% (bisher: 6,3%) rechnen, d.h. die Verlangsamung falle mit 0,6 Prozentpunkten stärker aus als bislang gedacht.

Die chinesische Regierung dürfte angesichts des eingetrübten Ausblicks zunehmend von den Prioritäten Finanzstabilität und Eindämmung des Kreditwachstums umschwenken auf konjunkturellen Stimulus. Wie immer werde dies aufgrund der Intransparenz der Entscheidungsprozesse und der eingeschränkten Qualität und Quantität der Daten nur mit Verzögerung erkennbar werden. In welchem Umfang dabei die bisherigen Fortschritte beim Abbau des Kreditüberhangs aufgegeben würden, sei offen. Die Erfahrung zeige aber, dass die Führung in Peking zu risikoavers sei, um eine spürbare Abkühlung der Konjunktur zuzulassen ohne die Kredithähne aufzudrehen. Sie folge damit weiter ihrem Kurs, im Zweifelsfall kurzfristige Stabilität um den Preis potenzieller zukünftiger Probleme zu erkaufen. (05.09.2018/ac/a/m)






 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...