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Kolumnist: Ralf Flierl

Brexit-Boris und China-Corona




30.01.20 14:43
Ralf Flierl



 
über hellgraue und schwarze Schwäne

„Bung a bob for a Big Ben bong“



Beginnen wir mit dem Brexit, der über Jahre zum medialen Börsen-, Wirtschafts- und Politbuhmann aufgebaut wurde. Was hat man den Briten nicht alles für den Fall prophezeit, dass sie es tatsächlich wagen, die Leinen zur allfürsorglichen Brüsseler Mutter zu kappen. Es bedurfte der Entschlossenheit und auch des Draufgängertums eines Boris Johnson, um sich durch all die Schwarzmalerei nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, und den entscheidenden Schritt – trotz weiter bestehenden Unsicherheiten – einfach zu gehen. Johnson zeigt damit Macher- und Unternehmerqualitäten, die sich in aller Regel ebenfalls entscheiden müssen, ohne mit letzter Sicherheit alle Konsequenzen einer prinzipiell unsicheren Zukunft kennen zu können. Dieser Mut zur Lücke mag zwar Verwaltungsjuristen die Haare zu Berge stehen lassen, aber genau deshalb entscheiden sie auch nicht über strategische Weichenstellungen, sondern werden lediglich mit Detailfragen innerhalb eines von anderen absteckten Rahmens betraut. In Großbritannien scheint im Moment die wichtigste Frage zu sein, ob man es noch rechtzeitig schafft, am 31. Januar um 23:00 Uhr Inselzeit (entsprechend 0:00 Uhr Brüsseler Zeit) den aktuell eingerüsteten Big Ben zu einem Abschieds-„Ding Dong“ zu bewegen, wofür im Moment auch schon kräftig gesammelt wird („Bung a bob for a Big Ben bong“). Das dürfte in der Kürze der verbleibenden Zeit schwierig werden, denn die Glocke ist aufgrund von Bauarbeiten derzeit nicht ohne weiteres einsatzbereit. Dass die Briten den Brexit feiern wollen, daran ließ zumindest Johnson keinen Zweifel. Die ganze Diskussion um den Glockenschlag und dessen Kosten zeigt nicht nur die grundsätzliche britische Entspanntheit in der Sache, sondern verdeutlicht zum vorläufig letzten Mal, dass London und Brüssel hinsichtlich ihres Humor-Niveaus stets in unterschiedlichen Ligen spielten, von der deutschen Verkniffenheit in politischen und weltanschaulichen Fragen ganz zu schweigen.





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Fairness“ nach Berliner Art



Jetzt, wo der Brexit unvermeidlich ist, werden sogar aus Berlin versöhnliche Töne angeschlagen. Man mag sich vorstellen, wie schwer das fällt. So wünschte sich Außenminister Maas aktuell eine „engstmögliche Partnerschaft“, denn schließlich spiele man ja im gleichen Team. Das ist zwar in vielerlei Hinsicht tatsächlich so, aber der Bedarf an „Teamchefs“ vom Schlage Juncker oder von der Leyen ist bei den Briten sicher noch auf lange Zeit hinaus gedeckt. Man kann es ihnen nicht verübeln. Bei den schon jetzt heftig einsetzenden Umarmungsreflexen der Rest-EU sollte man vor allem zwischen den Zeilen lesen: Wenn da jedes dritte Wort „Fairness“ ist, muss man sich klar machen, dass ein solcher Begriff interpretationsfähig genug ist, um genau das als „fair“ zu bezeichnen, was zum eigenen Sendungsbewusstsein passt. Da wird etwa Wettbewerb, sofern er sich auf die Besteuerung bezieht, eilig zum „unfairen Dumping“ erklärt, würde er doch an den eigenen Einnahmeströmen nagen. Überhaupt dürfte die Hauptsorge auf Seiten der sitzengelassenen EU auch weiterhin darin bestehen, dass der Brexit – nach Überwindung der allfälligen Trennungsfriktionen – zu einem Erfolgsmodell wird. Das würde perspektivisch nicht weniger als die Existenzfrage für die Brüsseler Zentralbürokratie als den propagierten Königsweg einer europäischen Zusammenarbeit stellen.


Nach geschlagener Schlacht



Medien und Märkte nehmen den „hellgrauen Schwan“ des Brexit inzwischen ohnehin gelassen. Bei den medialen Meinungsführern stand von Anfang an weniger die echte Sorge um die Briten im Vordergrund als die Kampagne gegen deren Ausstieg. Nach geschlagener und verlorener Schlacht gibt es wenig Motivation hier weiter dagegenzuhalten, schon gar nicht mit „Argumenten“, die sich schon in der näheren Zukunft als haltlose Propaganda entpuppen könnten. Die Märkte dagegen sind zur Tagesordnung übergegangen. Wer glaubt, dass es die Marktteilnehmer in drei Jahren nicht geschafft hätten, sich angemessen an die Unsicherheiten eines Brexit heranzutasten, sollte sich vielleicht doch noch einmal ein Lehrbuch über die Funktionsweise von Märkten zu Gemüte führen. Er kann davon nur profitieren. In der Abb. zeigen wir Ihnen den Verlauf des britischen Pfundes gegenüber dem Euro mit den wesentlichen politischen Daten. Seit 2017 sehen wir eine breite Seitwärtsbewegung (gelbes Rechteck), wobei sich das Pfund seit der Amtsübernahme durch Boris Johnson in den oberen Bereich der Bandbreite vorarbeiten konnte (grüne Markierung). Seit den letzten Unterhauswahlen, die zutreffend als breites Pro-Brexit-Votum interpretiert wurden, verläuft der Kurs ohne größere Ausschläge.





Rasend schnell – bedingt tödlich



Die jüngsten Kursrückgänge an den Aktienmärkten sind dagegen nicht Ausdruck eines britischen, sondern eines globalen Phänomens. Auslöser war der neue Corona-Virus, der offiziell auf den mäßig poetischen Namen 2019-nCoV getauft wurde. Epizentrum des Ausbruchs ist die zentralchinesische Stadt Wuhan, die Verbreitung ist rasend schnell, nicht zuletzt, weil Träger des Virus in den ersten Tagen keine Krankheitssymptome aufweisen. Die Sterblichkeit für diese Virusvariante ist allerdings deutlich geringer als die bei SARS im Jahr 2002/03 und betrifft vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Soweit das, was man im Moment relativ sicher zu wissen glaubt. Viele andere Aspekte sind dagegen weiter Gegenstand von Vermutungen oder kontroversen Diskussionen; etwa die Fragen, ob das Virus von einem Fischmarkt oder aus einem Bio(waffen?)-Labor stammt und dort versehentlich oder absichtlich freigesetzt wurde. Einen guten Überblick über den Stand der Ausbreitung auf Basis der offiziellen Verlautbarungen erhält man hier. Stand heute sind demnach 98,6% der registrierten Krankheitsfälle in China aufgetreten. Im Prinzip kann das Virus aufgrund der globalen Vernetzung aber jederzeit auch an jedem anderen Ort der Welt auftreten – so beispielsweise gestern in Bayern. Ob die offiziellen Zahlen glaubhaft sind, wird zumindest für China in Frage gestellt. Kommunistische Regime sind nicht gerade dafür bekannt, Probleme im eigenen Herrschaftsbereich zeitnah und rückhaltlos zu kommunizieren – erinnert sei an die Havarie des Tschernobyl-Reaktors in der ehemaligen Sowjetunion. Insofern schießen auch aktuell die Spekulationen ins Kraut, wobei die Extreme bei „China spielt die Lage deutlich herunter“ und „die Pharmaindustrie bauscht das Problem auf“ liegen.
 


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Zu den Märkten



Die Märkte neigten – vor allem am Anfang – eher zur erstgenannten Version. Die drastischen Quarantänemaßnahmen der chinesischen Behörden wurden als Indiz für den Ernst der Lage gewertet. Die Marktteilnehmer malten sich insbesondere am Montag in düsteren Farben aus, welche Konsequenzen solche Unterbrechungen des Reiseverkehrs und des Warenfluss für eine global vernetzte Wirtschaft haben können. Eine gewisse Bestätigung dafür lieferte gestern Apple*, das anlässlich der gestrigen Vorlage von Rekordquartalszahlen auch auf eine mögliche künftige negative Beeinflussung durch den Virus bzw. durch die ergriffenen Abwehrmaßnahmen hingewiesen hatte. Die Märkte befinden sich aktuell noch inmitten der Bewertung und möglichst zutreffenden Einpreisung der Gefahren, wobei zuletzt wieder etwas optimistischer an die Sache herangegangen wurde. Allerdings hatte der 2019-nCoV-Ausbruch im Gegensatz zum Brexit praktisch keine Vorlaufzeit und ist derzeit noch mit großer Unsicherheit behaftet, was auch die Volatilität der letzten Tage erklären dürfte. Eine mögliche Pandemie wäre ein echter Schwarzer Schwan im Sinne eines zwar potenziell marktrelevanten, jedoch gänzlich unerwarteten Ereignisses. Das können Sie schon daran ersehen, dass sie den Begriff Corona-Virus in den meisten, erst wenige Wochen alten Jahresausblicken vergeblich suchen werden.
 


Sie läuft und läuft und läuft…



Angesichts eines Börsenwertes von mehr als 1.400 Mrd. USD und der damit einhergehenden hohen Gewichtung in den wichtigen US-Börsenindizes hatten die gestrigen Quartalszahlen von Apple nicht nur für die eigene Aktie eine Bedeutung, sondern auch für die Stimmung an den Börsen insgesamt. Die große Gefahr war, dass das Unternehmen nach mehr als einer Kursverdoppelung eigentlich nur noch enttäuschen konnte. Schließlich haben sich die Zahlen des Unternehmens im letzten Jahr (Geschäftsjahr 2018/19, das am 28.9.2019 endete) trotz der beachtlichen Performance der Aktie sogar verschlechtert. Mit den nun vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal 2019/20 konnte der iPhone-Hersteller jedoch überzeugen und vermutlich die Trendwende einleiten. Das Geschäft mit dem iPhone 11 entwickelt sich deutlich besser als erwartet, das Servicegeschäft konnte erneut stark zulegen und sogenannte Wearables (Apple Watch und AirPod-Kopfhörer) entwickeln sich immer mehr zu einer bedeutenden Ertragssäule. Das Ergebnis je Aktie lag mit 4,99 USD deutlich über den von den Analysten prognostizierten 4,55 USD, der Umsatz mit 91,8 Mrd. USD deutlich über der Prognose des Managements und der Wall Street. All dies klingt gut, erklärt aber noch lange nicht die mehr als 120% Kursgewinn, die die Aktie seit Jahresanfang 2019 gemacht hat.

Der Grund dafür dürfte eine fundamentale Neubewertung des Geschäftsmodells sein. Nach der Gewinnwarnung Anfang 2019 gingen Analysten von rückläufigen iPhone-Umsätzen und einem Handelskonflikt-bedingt schwierigen China-Geschäft aus. Ein Jahr später ist klar, dass die iPhone Umsätze nicht fallen, sondern erneut nach oben zeigen. Ab 2020 dürfte es zudem mit dem ersten 5G-iPhone einen groß angelegten Zyklus von „Ersatzinvestitionen“ geben. Apple* hat es zudem geschafft, ein Ökosystem aus 1,5 Mrd. im Umlauf befindlichen Endgeräten zu schaffen, deren Nutzer die Tendenz haben, Services bei Apple zu abonnieren und beim Kauf neuer Geräte immer noch überwiegend bei Apple landen. Dieser Burggraben ist groß genug, dass der Konzern heute mehr als eine Mischung aus Konsumgüter- und Softwarekonzern angesehen werden muss, nicht wie ein klassisches Konsumelektronik-Unternehmen. Damit einher geht eben auch eine völlig andere Bewertung der relativ stabilen Cashflows. Für einen Kauf dürfte die Aktie augenblicklich wohl einen Tick zu teuer sein. Auf größere Rücksetzer müssen Anleger möglicherweise jedoch noch länger warten.


 


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Titelstory: Emerging Markets – zwischen Tradition und Moderne

Zyklen: Von der Kunst, die Märkte zu lesen

Cannabisaktien: Ist die Zeit nun reif für den Einstieg?

Schlüsselwährungen: Mehr als ein Bonmot:
„Geld regiert die Welt“



Fazit

Der Vergleich zwischen Brexit und Corona-Virus zeigt – bei aller Unterschiedlichkeit – auch, dass es eigentlich nur die wirklich überraschenden Entwicklungen sind, die Märkte in Bewegung bringen. Ob die Marktteilnehmer aber schon in diesem frühen Stadium die weiteren Konsequenzen der dynamischen Virenausbreitung zutreffend abschätzen können, wagen wir allerdings zu bezweifeln. Eher wird uns wohl, abhängig von der Nachrichtenlage, zunächst eine erhöhte Volatilität erhalten bleiben.

Ralph Malisch, Christoph Karl




       

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