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Brasilien: Starkes Wachstum im ersten Quartal 2021 trotz erneuter Corona-Welle




09.06.21 11:05
DekaBank

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die brasilianische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2021 überraschend stark gewachsen, berichten die Analysten der DekaBank.

Mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,2% gegenüber dem Vorquartal (real, saisonbereinigt) habe das Wachstum doppelt so hoch gelegen wie der Median der von Bloomberg befragten Analysten (0,6% qoq). Damit habe die Wirtschaft der Corona-Welle getrotzt, die sich in diesem Quartal aufgebaut habe.

Gegenwind habe es vom privaten Konsum gegeben, der darunter gelitten habe, dass die von der Regierung eingeführten Sondertransferzahlungen an einkommensschwache Haushalte im Dezember ausgelaufen seien. Der private Konsum sei im ersten Quartal leicht zurückgegangen (-0,1% qoq). Ebenfalls rückläufig gewesen seien der staatliche Konsum und der Außenbeitrag. So sei der starke Anstieg allein auf die dynamische Investitionstätigkeit zurückzuführen, die in diesem Quartal eine Zunahme um 4,6% qoq verzeichnet habe.

Mit dem erneuten Anstieg im ersten Quartal nach den zwei starken Quartalen habe die brasilianische Wirtschaft das Vorkrisenniveau bereits wieder erreichen können. Allerdings sprächen die dramatische Zuspitzung der Corona-Pandemie im März und die damit verbundenen regionalen Lockdowns für eine erneute Schrumpfung der Wirtschaft im zweiten Quartal - trotz der von der Regierung erneut eingeführten Transferzahlungen. Die rückläufigen Neuansteckungen und das Voranschreiten der Impfkampagne sprächen aber im dritten Quartal für eine erneute Erholung der Wirtschaft.

Allerdings werfe ein anderes Problem ihren Schatten voraus: Steigende Rohstoffpreise sowie Anpassungen bei den regulierten Preisen und Lieferengpässe würden Preisdruck entstehen lassen. Die in den vergangenen Monaten gestiegene Inflationsrate - im April auf 6,8% - zusammen mit den erneuten Transferzahlungen würden den Druck auf die Zentralbank erhöhen, den Leitzins weiter anzuheben. Vom aktuellen Niveau von 3,50% sollte die Zentralbank den Leitzins bereits zum Jahresende auf 5,50% anheben, trotz der noch vorhandenen Unterauslastung in der brasilianischen Volkswirtschaft.

Die Regierung Bolsonaro habe in den vergangenen Jahren einen Reformschub gebracht. Aufgrund der fehlenden Mehrheit für Verfassungsänderungen und des polarisierenden Stils des Präsidenten bestehe aber Unsicherheit über die Fähigkeit der Regierung, weitere Reformen durchzuführen. Der Wachstumsausblick werde durch die Corona-Pandemie und die Krise im Nachbarland Argentinien belastet. Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden schwierig bleiben; besonders würden die überbordende Bürokratie, das komplexe Steuersystem und die schlechte Infrastruktur belasten. Problematisch sei zudem die politische Polarisierung durch Präsident Bolsonaro.

Der Ratingtrend Brasiliens habe sich bereits seit 2014 aufgrund der Reformunfähigkeit früherer Regierungen, der Verschlechterung der fiskalischen Verfassung und des langfristigen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit deutlich verschlechtert. Die neue Regierung unter Bolsonaro habe mit der Rentenreform einen Meilenstein erreicht. Allerdings seien die Aussichten für weitere Reformen aufgrund der Spannungen zwischen Regierung und Kongress trübe. Fitch habe Anfang Mai vergangenen Jahres diese Spannungen als Grund für die Veränderung des Rating-Ausblicks auf negativ angeführt. Die Verschlechterung des wirtschaftlichen Ausblicks als Folge der Corona-Pandemie belaste ebenfalls die Bonität, vor allem angesichts der steigenden Verschuldung, die fast 90% des BIP betrage. (Ausgabe vom 08.06.2021) (09.06.2021/ac/a/m)







 
 
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