Bitcoin einfach in die Schublade "geplatzte Blase" zu stecken, wäre unverantwortlich




11.01.19 09:40
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Bitcoin, lohnt es sich überhaupt noch darüber zu schreiben? Das ist doch diese Pseudowährung, die im Januar 2009 unter ohnehin dubiosen Umständen von einem Anonymos namens Satoshi Nakamoto in Umlauf gebracht wurde, auf die sich dann schräge und teilweise kriminelle Typen gestürzt haben und einen schwer nachvollziehbaren Hype ausgelöst haben, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Bis zu 20.000 US-Dollar seien die Menschen zeitweise bereit gewesen, für diese Illusion zu zahlen und hätten Stand heute demgegenüber 80 Prozent Wertverlust erlitten. An Negativ-Assoziationen stünden darüber hinaus im Raum: Unsinniger Energieverbrauch; reines Geldwäsche-Medium; unpraktisch in der Verwendung und viel zu langsam. Da liege die Schlussfolgerung nahe, dass mit dem Ende des Hypes auch Bitcoin am Ende sei - oder etwa nicht?

Man sollte es sich nicht zu einfach machen. Da sei zunächst festzuhalten, dass Bitcoin auch zehn Jahre nach seiner Entstehung weiterhin noch existiere. Immerhin werde ein Bitcoin heute mit 3310 Euro bewertet. Ein einfaches Gesetz der Volkswirtschaft besage: Alles, was einen Preis habe, habe auch einen Nutzen. Unter der Webadresse www.blockchain.com/de/btc/unconfirmed-transactions könne man miterleben, wie aktiv Bitcoin gehandelt werde. Alles Geldwäsche? Wohl kaum. Abgesehen davon erleichtere Bargeld ebenfalls die Geldwäsche. Sollte es deswegen abgeschafft werden? Vielleicht, aber dann schütte man vermutlich das Kind mit dem Bade aus.

Weiter beruhe Bitcoin auf einer Blockchain-Technologie, die es den Menschen erstmals erlaube, Werte über das Internet von einer Person zur anderen - also Peer to Peer und daher ohne Intermediär - zu versenden. Das eröffne die Möglichkeit ungeahnter Effizienzgewinne durch das Einsparen von Transaktionskosten. Darüber hinaus sei es bemerkenswert, dass auch Zentralbanken das Bitcoin-Phänomen ernst nehmen würden. Die britische Notenbank stelle beispielsweise fest: "Wir lehnen das monetäre System Bitcoin ab. (Aber) wir lassen uns von dem (Bitcoin-)Zahlungssystem inspirieren." Man kann Bitcoin wohl eine Katalysator-Rolle für die Forschung in Richtung einer Modernisierung unseres Geldsystems zusprechen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Wichtig sei außerdem ein Perspektivenwechsel. Natürlich lässt sich argumentieren, dass unsere Institutionen zufriedenstellend funktionieren und man daher Bitcoin nicht benötigt, berichten die Analysten der HSH Nordbank AG. Das sei die Perspektive entwickelter Volkswirtschaften. Was aber sei mit Ländern wie Venezuela, Argentinien oder Simbabwe? Also Länder, die immer wieder Hyperinflationen und die geradezu obszöne Bereicherung politischer Eliten erleben würden? Wäre Bitcoin nicht ein wichtiger Beitrag, um diese Regierungen stärker unter Druck zu setzen, den Aufbau von guten Institutionen zu beschleunigen?

Weitere Punkte, die die pauschale Ablehnung von Bitcoin fragwürdig erscheinen lassen würden, seien hier nur kurz erwähnt. So sei festzustellen, dass Bitcoin noch in den Kinderschuhen stecke, vergleichbar mit dem Internet Ende der 1980er Jahre, als etwa die Einwahl über das Modem nur in Ausnahmefällen funktioniert habe. Der Vorwurf, Bitcoin verbrauche sehr viel Energie, sei richtig. Der häufig angestellte Vergleich, das "Schürfen" von Bitcoin verbrauche so viel Energie wie Dänemark, verstelle jedoch den Blick darauf, dass es viele deutlich energieintensivere Tätigkeiten gebe, wie etwa das Schürfen von Gold, das unterschiedlichen Schätzungen zufolge mit einem Vielfachen an Energieverbrauch gegenüber Bitcoin verbunden sei.

Bitcoin einfach in die Schublade "geplatzte Blase" zu stecken, wäre unverantwortlich angesichts der Chancen, die diese immer noch junge Technologie in sich berge. Die Prognose der Analysten: Das 20-jährige Bestehen von Bitcoin dürfte mit deutlich mehr Schlagzeilen verbunden sein als der jetzige zehnjährige Geburtstag. (Ausgabe vom 10.01.2019) (11.01.2019/ac/a/m)







 
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