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Kolumnist: Ralf Flierl

Bayer: Über die absehbaren Probleme eines weiteren deutschen Weltunternehmens




15.08.18 07:08
Ralf Flierl

Kapitale Fehler Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Das scheint nicht nur für Esel, sondern auch für erfolgreiche deutsche Unternehmen bzw. deren mitunter nicht ganz so erfolgreiche Chefs zu gelten. Eines der unrühmlichsten Beispiele in der deutschen Industriegeschichte lieferte Daimler, die sich gleich mehrfach erfolglos an Fusionen versuchten. Nachdem bereits die Übernahme des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker in einem 2,8 Mrd.-EUR-Debakel endete, lieferte das Management mit der Chrysler-Fusion das bis dahin unangefochtene Meisterstück in Sachen Kapitalvernichtung. Fast 40 Mrd. EUR habe die gescheiterte deutsch-amerikanische Ehe die Schwaben gekostet, so rechnete es die Süddeutsche Zeitung nach deren Ende vor. Es scheint nun, als schicke sich der Leverkusener Bayer-Konzern an, diesen Rekord noch zu übertreffen, wiederum mit einer deutsch-amerikanischen Industrieehe, deren Logik sich genauso wenig erschließt wie seinerzeit die Verbindung des maroden Chrysler-Konzerns mit dem damals noch strahlenden Stuttgarter Stern.
Diesmal wurde ausgerechnet das Vorzeigeunternehmen Bayer mit dem US-Skandalkonzern Monsanto zusammengebunden. Schon der Preis für die Übernahme lag jenseits von Gut und Böse. Während Monsanto-Papiere das Angebot seinerzeit mit einem Freudensprung quittierten, fiel die Bayer-Aktie seit Bekanntgabe der Übernahme immer weiter zurück, sowohl absolut als auch im Vergleich zum DAX. Das Urteil der Börse, wer hier profitierte und wer draufzahlte, war also von Anfang an vollkommen eindeutig. Das Bayer-Management hatte einen kapitalen Fehler begangen.  
Meistgehasstes Unternehmen Denn dass sich Monsanto regelmäßig auf der Liste der meistgehassten Unternehmen wiederfand, hatte Gründe: Neben der teils rüden Geschäftspolitik mit gentechnisch verändertem Saatgut stand das Pflanzenschutzmittel Roundup mit der umstrittenen Chemikalie Glyphosat im Zentrum der Kritik. Zahlreiche Klagen gegen das Unternehmen sind anhängig. All dies war zum Zeitpunkt der Übernahme bekannt, dennoch erhielt Bayer nicht etwa einen Risikoabschlag, sondern bezahlte einen üppigen Aufschlag auf den damaligen Börsenkurs, der dann auch noch nachgebessert wurde. Auch wenn die Leverkusener den belasteten Namen Monsanto nach erfolgter Fusion rasch tilgten, wucherte die Vergangenheit weiter und holt den Konzern nun Schritt für Schritt ein: In einer einzigen Klage wurde dem an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Dewayne Johnson nun Schadensersatz in Höhe von knapp 290 Mio. USD zugesprochen. Der Mann war Platzwart und setzte den Unkrautvernichter Roundup zigmal pro Jahr an kalifornischen Schulen ein. Weitere 5.000 Klagen von mutmaßlichen Roundup-Opfern sind laut Tagesspiegel in den USA anhängig. Wie schon der Fall VW gezeigt hat, fackeln US-Gerichte nicht lange, wenn es darum geht, Mega-Strafen gegen ausländische Unternehmen zu verhängen. Es ist nach unserer festen Überzeugung kein Zufall, dass dieses Urteil jetzt, nach erfolgter Übernahme gesprochen wurde. Monsanto – nun unter deutscher Flagge – hat jeglichen Welpenschutz vor US-Gerichten endgültig verloren – und genau das war absehbar. Der Bayer-Kurs rauschte angesichts des Urteils gestern in die Tiefe; mehr als 12 Mrd. EUR an Börsenwert wurden vernichtet.

Im Abwärtsstrudel Was ebenfalls in die Tiefe rauscht, ist derzeit die türkische Lira. Der Verfall der Währung steht im eklatanten Gegensatz zur beständigen Selbstüberhöhung des türkischen Präsidenten. Es ist ein schönes Beispiel dafür auf welch tönernen Füßen manche Regime stehen bzw. wie leicht sie aus dem Gleichgewicht zu bringen sind. Die US-Zölle auf türkischen Stahl sind vielleicht Auslöser der jüngsten Abwärtsspirale, aber keineswegs deren Ursache. Denn obwohl die Türkei unter diversen Ausgabetiteln kontinuierlich massive Finanzhilfen aus Deutschland und Europa erhält, tut sie sich schwer, diese Hilfen auf wirtschaftlich sinnvolle Weise zu nutzen. Nicht einmal das griechische Euro-Desaster, das für die Türkei einen echten Windfall-Profit hätte darstellen können, half der türkischen Tourismus-Industrie. Auch da spielte die autokratische und zunehmend feindselige Politik eine Rolle. In einem Akt der Hilflosigkeit will Erdogan nun iPhones boykottieren und gegen negative Äußerungen zur wirtschaftlichen Lage im Lande vorgehen. Da allerdings schimmert die gleiche Geisteshaltung durch, die auch die hiesige Politik immer öfter kennzeichnet: Nicht die Schieflage oder deren Verursacher sind das Problem, sondern jene, die auf die Schieflage und deren Verursacher hinweisen.
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Fazit

Nicht nur um Tesla, auch um Bayer entwickelt sich ein Wirtschaftskrimi. Den SIW 34/2018 gibt es dann wieder wie gewohnt am nächsten Mittwoch.

Ralph Malisch, Ralf Flierl


     

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