Kolumnist: Feingold-Research

Bayer, Commerzbank, Lufthansa - Bonus für Profis




24.09.18 10:57
Feingold-Research

Immer wieder empfehlen wir, verschiedene Zertifikat-Typen im Depot zu mischen. Und dabei meinen wir nicht nur Put-Optionsscheine als Absicherung gegen fallende Kurse. Jedes Finanzprodukt hat seine ganz individuellen Stärken und Schwächen. Sie wollen die genaue Funktionsweise von Bonus-Zertifikaten verstehen? Wir erklären wie sich das Zertifikat zusammensetzt und erklären die genaue Preisbildung und die preisbildenden Einflussfaktoren. Wer Bonus-Zertifikate handeln möchte, greift auf die neuesten Zertifikate PX12X0 (Bayer) und DD90D7 (Commerzbank) und DS4XBD (Lufthansa) aus unserer Auswahl zurück…


Dazu stellen wir Ihnen den Artikel zu Bonuszertifikaten aus dem Handbuch für Anleger von der BNP Paribas vor. Weiteres Hintergrundwissen zu anderen Zertifikatstypen finden Sie hier auf der Seite der BNP Paribas. 


Die erste Frage, der wir nachgehen möchten, ist, wie das besondere Auszahlungsprofil von Bonus-Zertifikaten zustande kommt. In diesem Zusammenhang klären wir auch, was mit den Dividenden passiert, die der Basiswert gegebenenfalls während der Laufzeit ausschüttet. Zu guter Letzt erörtern wir die Preisbildung von Bonus-Zertifikaten während der Laufzeit.


So entsteht ein Bonus-Zertifikat

Wenn wir einmal den Bonusmechanismus und die Dividendenzahlungen während der Laufzeit außer Acht lassen, dann entspricht die Kursentwicklung des Bonus-Zertifikates der des Basiswertes. Die vollständige Abbildung der Kursentwicklung eines Basiswertes wird durch eine Kaufoption, in der Finanzsprache „Call“ genannt, mit einem Basispreis von null dargestellt. Deren Preis entspricht dem Kurs der Aktie abzüglich der diskontierten erwarteten Dividenden.


Jetzt muss nur noch geklärt werden, wie der Bonusmechanismus zustande kommt. Sofern der Referenzpreis des Basiswertes dem Bonusbetrag entspricht oder darüber notiert, sollte kein Verständnisproblem über die Höhe des Auszahlungsbetrags und seiner Quelle bestehen: Der Call mit dem Basispreis von null bildet die Wertentwicklung 1:1 ab. Interessant wird es bei Referenzpreisen, die unter dem Bonusbetrag liegen. In diesen Fällen sorgt eine Verkaufsoption, in der Finanzsprache „Put“ genannt, für die Finanzierung der notwendigen Differenz zwischen dem über den Call hinaus erwirtschafteten Referenzpreis und dem höheren Bonusbetrag.


Dieser Put hat einen Basispreis in Höhe des Bonusbetrags und natürlich die gleiche Laufzeit wie das Bonus-Zertifikat. Jeder Euro, den der Referenzpreis unter dem Bonusbetrag notiert, wird durch den Auszahlungsbetrag des Puts am Laufzeitende ausgeglichen. Dieser errechnet sich nämlich aus der Differenz zwischen Basispreis und Referenzpreis. In einer kurzen Formel ausgedrückt, errechnet sich der Bonusbetrag also folgendermaßen: Bonusbetrag = Auszahlungsbetrag Call + Auszahlungsbetrag Put. Liegt der Referenzpreis über dem Basispreis des Puts, so verfällt der Put natürlich wertlos.


Verbleibt eine letzte Frage: Warum erlischt dieser Mechanismus, wenn die Barriere verletzt wurde? Das liegt daran, dass der Put ab einem bestimmten Kurs des Basiswertes, nämlich genau auf Höhe der Barriere, erlischt. Diese Variante eines Puts nennt sich „Down and out Put“ oder auch „Knock-out Put“. Wir können somit zusammenfassen: Ein Bonus-Zertifikat besteht aus einem Call auf den Basiswert mit einem Basispreis von null und einem Knock-out Put auf den Basiswert mit einem Basispreis in Höhe des Bonusbetrags und einem Knock-out in Höhe der Barriere.


Dividenden

Wie wir eingangs bereits erwähnt haben, gehen die Dividenden, die der Basiswert gegebenenfalls während der Laufzeit ausschüttet, nicht verloren. Der Knock-out Put ist zwar billiger als ein herkömmlicher Put, aber nicht kostenlos am Optionsmarkt zu erwerben. Deswegen werden die Dividenden des Basiswertes zur Finanzierung des Puts und damit der Chance auf den Erhalt des Bonusbetrags benötigt.


Die Preisbildung

Verschiedene Faktoren spielen bei der Preisbildung von Bonus-Zertifikaten eine Rolle. Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass die isolierte Betrachtung einzelner Preisbildender Faktoren immer nur zu der Aussage führen kann, dass sich etwas „Wert steigernd“ oder „Wert mindernd“ auswirkt. Letzten Endes kommt es für die tatsächliche Preisentwicklung während der Laufzeit auf die Summe aller Preis bildenden Faktoren an.


Veränderungen des Kurses des Basiswertes

Ein steigender Kurs des Basiswertes wirkt sich Wert steigernd, ein fallender Wert mindernd auf den Preis eines Bonus-Zertifikates aus. Das erklärt sich alleine schon aus dem Umstand, dass der Auszahlungsbetrag an den Referenzpreis gekoppelt ist.


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Laufzeit

Der Ablauf der Laufzeit bis hin zum Laufzeitende wirkt sich Wert steigernd aus, sofern der Kurs des Basiswertes nicht allzu weit von der Barriere entfernt notiert. Das liegt daran, dass mit Ablauf der Restlaufzeit auch das Risiko eines „Knock-outs“, also eines Erlöschens des Bonusmechanismus, geringer wird. In einem solchen Szenario steigt der Wert des Knock-out Puts. Etwas anderes gilt, wenn der Kurs des Basiswertes sehr viel höher notiert als die Barriere und das Risiko eines Knock-outs aufgrund der Distanz zur Barriere sehr gering ist. Dann kommt der „normale“ Zeitwerteffekt von Optionen zum Tragen, dass nämlich der Zeitwert von Optionen mit Ablauf der Restlaufzeit fällt. In einem solchen Szenario führt der Ablauf der Restlaufzeit zu einem Wert mindernden Effekt.


Erwartete Kursschwankungen

Wie die Laufzeit kann auch eine Änderung der erwarteten Kursschwankungen beides bewirken: einen Wert steigernden, aber auch einen Wert mindernden Effekt. Notiert der Kurs des Basiswertes nicht allzu weit von der Barriere entfernt, so sinkt der Preis des Knock-out Puts, wenn mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet wird. Er steigt, wenn mit geringeren Kursschwankungen gerechnet wird. Das liegt daran, dass das Risiko eines Kock-outs, also eines Erlöschens des Bonusmechanismus, mit einer Zunahme der Kursschwankungen steigt und mit einer Abnahme der Kursschwankungen fällt. Umgekehrtes gilt, wenn der Kurs des Basiswertes sehr viel höher notiert als die Barriere und das Risiko eines Knock-outs aufgrund der Distanz zur Barriere sehr gering ist. Dann führt eine Zunahme der erwarteten Kursschwankungen zu einer Wertsteigerung, eine Abnahme der erwarteten Kursschwankungen zu einer Wertminderung des Puts.


Erwartete Dividenden

Hohe erwartete Dividenden wirken sich Wert mindernd, niedrige erwartete Dividenden Wert steigernd auf den Preis von Bonus-Zertifikaten aus. Die Höhe der Dividenden wirkt sich vor allem bei dem Call mit einem Basispreis von null aus. Wir haben ja bereits weiter oben erwähnt, dass der Preis des Calls mit einem Basispreis von null dem Kurs der Aktie abzüglich der diskontierten erwarteten Dividenden entspricht. Geht der Markt nun davon aus, dass die Dividende des Basiswertes steigt, fällt der Preis des Calls, was sich Wert mindernd auf den Preis des Bonus-Zertifikates auswirkt – und umgekehrt. Die Höhe der erwarteten Dividenden kann aber auch Einfluss auf den Preis des Knockouts haben, denn durch den Dividendenabschlag zum Zeitpunkt der Dividendenzahlung kann es zu einem Berühren oder Unterschreiten der Barriere kommen. Diese Gefahr ist naturgemäß umso größer, je höher die Dividende sein wird.


Quelle: BNP Paribas, eigene Recherche



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