Bastei Lübbe-Aktie: Mit Vollgas an die Wand? Aktienanalyse




20.06.18 10:19
Vorstandswoche.de

Haar (www.aktiencheck.de) - Bastei Lübbe-Aktienanalyse von "Vorstandswoche.de":

Die Aktienexperten von "Vorstandswoche.de" raten in einer aktuellen Aktienanalyse die Aktie der Bastei Lübbe AG (ISIN: DE000A1X3YY0, WKN: A1X3YY, Ticker-Symbol: BST) zu meiden.

Das Zahlenwerk der Bastei Lübbe AG für 2017/2018 per Ende März sei schlichtweg ein Desaster. Die Experten wundere die Entwicklung nicht. Sie hätten die Aktie Mitte Oktober 2017 noch rechtzeitig bei Kursen um 5.50 Euro zum Verkauf empfohlen. Einst habe Bastei Lübbe für das vergangene Geschäftsjahr einen Umsatz von 160 Mio. Euro und ein EBITDA von 14 bis 17 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Sie hätten auch frühzeitig darauf hingewiesen, dass das EBITDA-Ziel nicht erreicht werde, und sie zudem Sonderabschreibungen erwarten würden.

Anfang November habe der damals frisch gebackene CEO Carel Halff seinen Aktionären reinen Wein eingeschenkt. Zumindest teilweise. Die Kölner hätten über eine Sonderabschreibung der Streaming-Plattform für Leseinhalte oolipo informiert. Fraglich sei allerdings, warum Halff Ende November 2017 immer noch an dem Ziel eines EBITDA von mindestens 14 Mio. Euro festgehalten habe. Schon damals müsse eigentlich jedem klar gewesen sein, dass diese Vorgabe utopisch und schlicht nicht erreichbar sei. Anfang Februar sei das Drama in den nächsten Akt gegangen. Der CEO habe weitere Sonderabschreibungen verkündet und endlich die Prognose angepasst. Es seien weitere Sonderabschreibungen im Volumen von 7 Mio. Euro gefolgt. Zudem sei mitgeteilt worden, dass aktivierte Autorenhonorare zu Abschreibungen von zusätzlichen 4 bis 5 Mio. Euro führen würden. Nach dem Geschäftsverlauf nach neun Monaten sei die Umsatzprognose auf 140 Mio. Euro reduziert und das EBITDA auf rund 5 Mio. Euro angepasst worden. Das EBIT sollte in der Region von 11 Mio. Euro negativ ausfallen.

Die Lage des großen Verlagshauses scheine aber doch sehr ernst zu sein. Die nunmehr veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2017/2018 seien ein Desaster und nochmals erheblich schlechter als im Februar kommuniziert. Das EBITDA werde sich wohl lediglich auf 0,5 Mio. Euro belaufen. Halff erwarte nunmehr ein EBIT von sage und schreibe minus 18 Mio. Euro. Im Kerngeschäft Buch habe Bastei Lübbe einen Umsatz von 85 Mio. Euro erzielt. Die Beststeller von Dan Brown und Ken Follett hätten wenigstens in diesem Bereich für ein halbwegs stabiles Geschäft gesorgt. Bitter, dass trotz dieser Bestseller bereinigt lediglich ein EBIT von 3,5 Mio. Euro verdient worden sei.

Die immense Ergebnisbelastung von aktivierten Autorenhonoraren im Volumen von 8 Mio. Euro zeige sehr deutlich, dass die Firma das operative Kerngeschäft nicht im Griff habe. Hier seien offensichtlich völlig sinnfrei Gelder für schwache Autoren im Voraus auf noch zu erstellende Manuskripte bezahlt worden. Fehler würden passieren, vor allem im Mediengeschäft. Aber die Höhe verwundere die Experten schon. Die im Segment "Digital" geführte Tochtergesellschaft Deadalic Entertainment GmbH habe ein EBITDA von rund 3 Mio. Euro erzielt. Die beste Zeit dürfte die Gesellschaft hinter sich haben. Der Hoffnungsträger "Die Säulen der Erde" sei zum Ladenhüter geworden und habe zu einer Sonderabschreibung von 3 Mio. Euro geführt.

Im Herbst 2013 habe Bastei Lübbe ihren Börsengang gefeiert. Damals sei das Unternehmen noch recht stark positioniert gewesen, und im Segment Buch seien satte Gewinne eingefahren worden. Die Mittel aus dem damaligen Börsengang von fast 25 Mio. Euro seien längst weg. Wie bereits damals, sei heute das wichtigste Standbein das Segment Buch. Wesentlicher Unterschied: Das Segment Buch verliere immer mehr an Dynamik und sei keine Cashcow mehr. Zudem: Die Bilanz von Bastei Lübbe sei heute ein Desaster und voller Schulden. Per Ende Dezember sei die Kasse lediglich mit 3,5 Mio. Euro gefüllt gewesen. Die finanziellen Verbindlichkeiten hätten zum selben Stichtag kurzfristig bei 23,7 Mio. Euro und langfristig bei 33 Mio. Euro gelegen. Mit der jüngsten Veräußerung von BuchPartner seien die Schulden um 10 Mio. Euro reduziert worden. Angesichts der Ertragszahlen dürften die Banken dennoch alles andere als begeistert sein.

Mit anderen Worten: Die Kölner seien nach über fünf Jahren Börse einmal mehr oder weniger fast an die Wand gefahren. Ob der Aufprall komme, sei aktuell noch offen. Die Experten würden eine Kapitalmaßnahme bei Bastei Lübbe für zwingend notwendig halten. Zudem seien sie gespannt, ob der Abschlussprüfer die Fortführungsprognose abzeichne. Im Gegenzug zur Ansicht des Vorstands dürfte die Talsohle nämlich noch nicht erreicht sein. Für das Jahr 2018/2019 rechne der CEO mit einem Umsatz von 95 Mio. Euro und einem EBIT von 0,5 bis 2 Mio. Euro. In diesem EBIT seien negative Einmaleffekte von 2,5 Mio. Euro inkludiert. Für das Folgejahr solle der Umsatz leicht wachsen und eine EBIT-Marge von 6 bis 8% erreicht werden.

Die Experten würden beide Prognosen für viel zu ambitioniert halten. Bastei Lübbe müsse kräftig saniert werden. Zudem hätten sie Zweifel, ob Halff dafür der richtige Mann am richtigen Ort sei. Er sei langjähriger Firmenchef der Weltbild-Gruppe gewesen. Konzernmanager seien bei kleineren, mittelständischen Unternehmen meist völlig fehl am Platz. Der Aufsichtsrat, der Halff zwar erst im Herbst 2017 eingestellt habe, sollte diese Entscheidung kritisch überprüfen und am besten sich selbst auch entfernen, damit frische Kräfte, die Kapital mitbringen würden, Bastei retten könnten.

Die Experten würden bei Bastei Lübbe zur Vorsicht raten. Das Tief dürfte hier noch nicht erreicht sein. Sie würden selbst ein Abtauchen in den Bereich der Pennystocks nicht völlig ausschließen.

Die Aktienexperten von "Vorstandswoche.de" raten die Bastei Lübbe-Aktie zu meiden. (Analyse vom 20.06.2018)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Bastei Lübbe-Aktie:

Xetra-Aktienkurs Bastei Lübbe-Aktie:
1,99 EUR 0,00% (20.06.2018, 09:50)

Tradegate-Aktienkurs Bastei Lübbe-Aktie:
2,00 EUR -0,99% (20.06.2018, 09:42)

ISIN Bastei Lübbe-Aktie:
DE000A1X3YY0

WKN Bastei Lübbe-Aktie:
A1X3YY

Ticker-Symbol Bastei Lübbe-Aktie:
BST

Kurzprofil Bastei Lübbe AG:

Die Bastei Lübbe AG (ISIN: DE000A1X3YY0, WKN: A1X3YY, Ticker-Symbol: BST) ist eine Mediengruppe mit Sitz in Köln. Die Geschäftstätigkeit fokussiert sich auf die Entwicklung und Lizensierung von Inhalten, die physisch und digital vertrieben werden. Zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören im Segment "Buch" das klassische Verlagsgeschäft sowie die periodisch erscheinenden Rätsel- und Romanhefte. Mit seinen insgesamt zwölf Verlagen und Imprints hat die Unternehmensgruppe derzeit rund 3.600 Titel aus den Bereichen Belletristik, Sach- sowie Kinder- und Jugendbuch im Angebot. Im wachsenden Segment der Hardcover-Belletristik ist das Unternehmen seit vielen Jahren einer der Marktführer in Deutschland. Gleichzeitig ist Bastei Lübbe unter anderem durch die Produktion Tausender Audio- und eBooks Innovationstreiber im Bereich digitaler Medien und Verwertungskanäle. Hierzu gehört auch die Beteiligung am renommierten Game-Publisher "Daedalic Entertainment".

Mit einem Jahresumsatz von rund 146 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2016/2017) gehört die Bastei Lübbe AG zu den größten mittelständischen Unternehmen im Verlagswesen in Deutschland. Seit 2013 sind die Aktien des Unternehmens im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Weitere Informationen sind unter www.luebbe.de zu finden. (20.06.2018/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.







 
 
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE000A1X3YY0 A1X3YY 3,06 € 1,50 €
Metadaten
Ratingstufe:verkaufen
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
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Frankfurt 1,78 € +3,19%  18.04.19
Xetra 1,86 € +1,64%  18.04.19
Stuttgart 1,785 € +1,13%  18.04.19
Düsseldorf 1,775 € +0,28%  18.04.19
München 1,78 € 0,00%  18.04.19
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