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Kolumnist: Klaus Stopp

Baader Bond Markets: "Jerome Powell wird sich noch freischwimmen"




25.03.18 08:08
Klaus Stopp


Rentenhändler Klaus Stopp analysiert die Woche an den Finanzmärkten, insbesondere die Auswirkungen von Strafzöllen und den derzeitigen Stand der Brexit-Verhandlungen. 23. März 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Am gestrigen Mittwoch hat der neue Fed-Präsident Jerome Powell auf der Pressekonferenz das bekannt gegeben, was bereits im Vorfeld der zweitägigen Sitzung eingepreist war, nämlich die sechste Zinsanhebung seit Dezember 2015. Mit dieser Anpassung des Korridors um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent bis 1,75 Prozent wurde der bereits unter seiner Vorgängerin Janet Yellen beschrittene geldpolitische Weg weiter fortgesetzt. Somit kann man zwar noch nicht behaupten, dass er sich mit diesem Schritt freigeschwommen hat, aber er wird schon bald Gelegenheit haben, der zukünftigen Notenbankpolitik seinen eigenen Stempel aufzudrücken. 

Der für vier Jahre ernannte Chef der amerikanischen Notenbank hat nämlich die Aufgabe übernommen, die Leitplanken zu installieren, um die US-Konjunktur in die richtigen Bahnen zu lenken. Sicherlich besteht keine Veranlassung, ihn um diese Aufgabe zu beneiden. Denn in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump, der jeden Tag für mindestens eine Überraschung gut ist, muss er gemeinsam mit den anderen Board-Mitgliedern den für die Finanzmärkte immens wichtigen Part der geldpolitischen Zuverlässigkeit übernehmen. Deshalb wurde am gestrigen Abend sehr viel Wert auf die Wachstumsprojektionen gelegt, denn bei der letzten Vorstellung der Summary of Economic Projections (SEP) im Dezember des vergangenen Jahres waren Themen wie Handelskrieg, Steuerreform und Schuldenobergrenze noch nicht oder nur teilweise berücksichtigt. 

Bei der anschließenden Erläuterung des einstimmigen FOMC-Entscheids wurde deutlich, dass es noch zu früh ist, um die Projektion auf vier Zinsanhebungen in 2018 zu erhöhen und deshalb wurden vorerst nur je drei Schritte nach oben für 2018 und für 2019 signalisiert. Für die bereits angedeuteten Anhebungen hat man noch genügend Zeit und kann zuerst die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen abwarten. Denn die Unsicherheit infolge des sich abzeichnenden Handelskrieges zwischen den USA und China bzw. anderen wirtschaftlichen Partnern ist einfach noch zu groß. Aktuell sieht es zwar so aus, als würden die europäischen Partner einknicken und eine Eskalation vermeiden wollen. Aber ob auch China als größter Gläubiger der USA diesen Weg einschlagen wird, ist zu bezweifeln. Denn China drohte bereits mit einem Abverkauf US-amerikanischer Staatsanleihen. Sollte diese Karte gezogen werden, so hätte dies Einfluss auf die weitere Zinspolitik der US-amerikanischen Notenbank. Zumal die extrem flache Zinskurve zwischen 2 und 10 Jahren (aktuell 0,57 Basispunkte) sicherlich in Erwartung weiterer Zinsanhebungen einem massiven Verkaufsdruck nicht standhalten könnte. 

Eine Versteilerung der Kurve wäre die logische Konsequenz und würde die US-Notenbanker zum Gegensteuern zwingen. Denn in Anbetracht des riesigen Schuldenberges und den Steuergeschenken der US-Regierung kann auch die amerikanische Notenbank nicht an schnell steigenden langfristigen Zinsen interessiert sein. Zu zwei Themen gibt es in diesem Zusammenhang kurzfristig Neuigkeiten zu vermelden. So erhöhte auch Chinas Notenbank den sogenannten Reverse-Repo-Satz von 2,50 Prozent auf 2,55 Prozent und in den USA einigte sich der Kongress auf eine Zwischenlösung im US-Haushaltsstreit. 

Es gibt also noch genügend Möglichkeiten für den neuen Fed-Präsidenten, sich zu profilieren und freizuschwimmen. 

Einen Scotch auf die Strafzölle!

Peter Altmaier will’s richten. Bis Freitag will der neue Wirtschaftsminister, der gerade in Washington weilt, versuchen, drohende Strafzölle der US-Administration abzuwenden. Sicher, US-Handelsminister Wilbur Ross, einer der geistigen Väter der Strafzölle, hat ihn freundlich empfangen. Zumal Altmaier einen diplomatischen Hochseilakt probt, obwohl er formal bei dem Streit gar keine Rolle spielt. Vielmehr fallen die Entscheidungen beim US-Präsidenten und der EU-Kommission.


"Altmaier will drohenden Handelskrieg abwenden" 
  So gesehen spiegelt die Aktion von Altmaier die helle Aufregung wider, in welche die europäischen Handelspartner der USA geraten sind, nachdem D. T., der Unberechenbare, seine protektionistischen Maßnahmen angekündigt hatte. Diese verstoßen zwar gegen internationales Recht, aber einem Präsidenten wie Trump ist das einerlei. Jetzt stehen die Vertreter der Handelspartner wie Altmaier in Washington Schlange, um zu retten, was nicht zu retten ist. 

Die Crux ist, dass sich die EU das Gebaren des US-Präsidenten nicht bieten lassen darf, da dieser ansonsten an dieser Machtdemonstration weiter Gefallen findet. Dies verdeutlicht sein jüngstes Vorhaben, wonach er nun 100 chinesische Produkte in Höhe von jährlich 50 Mrd. USD mit weiteren Strafzöllen belegen will. Dies soll offenbar die Revanche für Urheberrechtsverletzungen der Chinesen sein. 

Aber nicht nur bei den Handelspartnern der USA, auch in der eigenen Wirtschaft regt sich Widerstand gegen den von Trump praktizierten Protektionismus. 45 Unternehmensverbände aus den Branchen Hightech, Textilhandel, Landwirtschaft und Automobil, die Firmen wie Apple, die Google-Mutter Alphabet, Walmart und Nike repräsentieren, warnen in einem Brief vor einer "Kettenreaktion negativer Folgen für die US-Wirtschaft". Befürchten sie doch einen Rückgang der US-Exporte von Agrar- und Industriegütern sowie Dienstleistungen und steigende Kosten für Unternehmen und Verbraucher in den USA. 

Doch Hand aufs Herz, es ist ja auch was dran, wenn Trump Ungerechtigkeiten an den Zollpraktiken beklagt. So zeigt sich, dass die EU für Autos und Produkte aller Handelssparten bislang zum Teil deutlich höhere Zölle verlangt als die USA. Bekanntlich erhebt die EU 10 Prozent auf die Einfuhr von Autos, die USA ihrerseits aber nur 2,5 Prozent. Und vergleicht man die durchschnittlichen Zölle aller Handelssparten, langt die EU mit 5,2 Prozent mehr zu als die USA mit 3,5 Prozent. Das kann auch jemand wie Altmaier nicht einfach wegargumentieren. Allerdings vermischt Trump immer wieder Themen wie Handelsungleichgewichte, Nato-Verpflichtungen oder unterschiedliche Zölle und entzieht sich damit einer rationalen Diskussion.


"Trump hat nicht ganz Unrecht" 
  Ob der deutsche Wirtschaftsminister nun einen von ihm angestrebten Kompromiss bis Freitag präsentieren kann, darf bezweifelt werden. Der Handelskrieg dürfte seinen Lauf nehmen. Darauf sollte sich die EU einstellen. Also wird die EU wohl mit Steuern auf "Ausweichprodukte" wie Jeans und Bourbon Whiskey reagieren. Und das wird wenigstens die Whisky Distilleries in Schottland, Irland und auf der schwäbischen Alb oder am Schliersee freuen. Darauf einen Scotch! 

Bankenunion wird zu einem Knackpunkt in der EU

Während die Kanzlerin Europa eher in Trippelschritten voranbringen will, möchte Emmanuel Macron die Gemeinschaft mit Verve weiterentwickeln. Aber nicht nur beim gewünschten Tempo einer EU-Reform gibt es zwischen den angestammten Partnern Deutschland und Frankreich gewisse Dissonanzen. Es ist insbesondere das Thema Bankenunion, bei dem die Unterschiede in der deutsch-französischen Freundschaft zum Ausdruck kommen. Ok, Angela Merkel hat sich zur Vollendung der Bankenunion bekannt, stellt allerdings Bedingungen. Zuvor müsse es einen weiteren Abbau der Schulden und Risiken nationaler Banken in den EU-Staaten geben, fordert die Kanzlerin.


"Gewisse Dissonanzen zwischen Merkel und Macron" 
  Deutschland sei zum einen bereit, Souveränität abzugeben, wenn Dinge durch Europa besser geregelt werden könnten und zum anderen, in der nächsten EU-Finanzperiode mehr Geld nach Brüssel zu überweisen, sagte Merkel. Was sie aber ausschließt ist, dass Haftung und Verantwortung durcheinandergebracht oder Schulden einfach vergemeinschaftet werden, ohne wettbewerbsfähig zu werden. Damit wird offensichtlich, dass ihr Macrons Pläne für einen Euro-Finanzminister und ein Eurozonen-Budget zu weit gehen, zumindest in Anbetracht der bestehenden Risikosituation europäischer Banken. Die ist zum Teil enorm, betrachtet man Griechenlands Banken, wo Problemkredite 46 Prozent der Bilanzsumme ausmachen. In Portugal sind es 14 Prozent und in Italien 12 Prozent. 

Den Abbau von faulen Krediten will nun die EU-Kommission vorantreiben, um der deutschen Skepsis gegenüber der Vollendung der Bankenunion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dies würde den Einstieg in die Einlagensicherung Edis (European Deposit Insurance Scheme) zur Folge haben, gegen den die deutschen Bankenverbände Sturm laufen. Europa dürfe sich nicht in eine Transferunion verwandeln, warnte erst vor Kurzem der Deutsche Genossenschaftsverband. 

Skeptisch sieht auch Jens Weidmann die zentralen finanzpolitischen Reformvorhaben der EU-Kommission. Ohne Debatte über den künftigen Umfang von EU-Aufgaben darf es auch keine zusätzlichen europäischen Steuereinnahmen geben, fordert der Bundesbankpräsident. Denn, so Weidmanns Credo: Der EU mehr Mittel zu verschaffen, ist schließlich kein Selbstzweck! Auch muss seines Erachtens zuerst geklärt werden, welche Aufgaben auf europäischer Ebene erledigt werden sollen. 

Trump lässt kleine und mittlere Banken von der Leine

Die Maßnahme gilt als der größte Eingriff des Gesetzgebers seit der Finanzmarktregulierung nach dem Kollaps der Großbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Der US-Senat hat nun Grünes Licht für die von D. T., dem Unberechenbaren, forcierte Lockerung der Bankenregulierung gegeben. Das Gesetz sieht vor, die kleinen und mittleren Institute in den USA in Zukunft von der Leine zu lassen. Damit wird der von Präsident Barack Obama eingeführte Dodd-Frank-Act zur Eindämmung der Crash-Gefahr weitestgehend ausgehebelt.


"Lockerung der Bankenregulierung in USA" 
  Inzwischen haben sich Republikaner und Demokraten darauf geeinigt, dass die Schwelle, nach der Banken als systemrelevant gelten, angehoben wird. Bisher werden Institute mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme als systemrelevant eingestuft und streng von der US-Notenbank unter die Lupe genommen. Künftig, wenn Trump die Banken an die lange Leine nehmen lässt, werden die Banken nach einer gestaffelten Regelung von Auflagen befreit. Ein Stresstest der Fed für Institute zwischen 50 und 100 Milliarden US-Dollar wird damit gestrichen. Banken mit Bilanzsummen zwischen 100 und 250 Milliarden US-Dollar soll dieser 18 Monate später ebenfalls erlassen werden. Als systemrelevant gelten dann nur noch Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 250 Milliarden US-Dollar 67 Mitglieder des Senats stimmten für den Gesetzentwurf, 31 dagegen. Nun muss der Gesetzentwurf noch dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden. Im Kern hat der Senat damit einen wesentlichen Teil von Obamas Finanzmarktkontrolle gekippt und das Bankensystem in den USA ist damit nicht sicherer geworden. 

von Klaus Stopp.
23. März 2018, © Baader Bank

Über den Autor


Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.




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