Kolumnist: Klaus Stopp

Baader Bond Markets: "Handelskrieg treibt Kurse am Rentenmarkt weiter in die Höhe"




08.07.18 10:30
Klaus Stopp


Klaus Stopp blickt umfassend auf die Wochen am Rentenmarkt zurück. 6. Juli 2018. MÜNCHEN (Baader Bank). Die Börsen stehen weiterhin im Banne des eskalierenden Handelskriegs, den D. T., der Unberechenbare, angezettelt hat. Am Rentenmarkt macht sich die Verunsicherung der Investoren durch steigende Kurse von Bundesanleihen bemerkbar, die bekanntlich als Save Haven gelten. So notieren zehnjährige Titel wie eine bis 2/2028 laufende Bundesanleihe (WKN 110244) bei ca. 101,65 Prozent und damit deutlich über dem Jahrestief von ca. 97,50 Prozent im Februar. Die Renditen für Zehnjährige sind gleichzeitig auf ein Niveau von rund 0,328 Prozent gefallen. 

Jedoch ist eine weitere Eskalation des Handelskriegs nicht auszuschließen. So sollen diesen Freitag Zölle auf chinesische Importe in die USA im Wert von 34 Milliarden US-Dollar in Kraft treten, für die China bereits Vergeltung avisiert hat. Daraufhin hat wiederum der Egomane Trump mit weiteren Sonderzöllen auf chinesische Waren von mehr als 200 Milliarden US-Dollar gedroht. Ob nun Peking mit einem Währungskrieg auf den Handelskrieg reagiert, wird sich bald zeigen. Zumindest steht angesichts der Talfahrt des chinesischen Yuan die Frage im Raum, inwieweit China die Abwertung der eigenen Währung nutzt, auf Trumps Strafzölle zu reagieren. So schaukelt sich das System von Drohung und Gegendrohung immer weiter hoch - und die Vernunft scheint auf der Strecke zu bleiben. 

Schließlich könnte diese Art des Protektionismus den globalen Handel weltweit zwei Billionen US-Dollar kosten, wie die Ratingagentur Fitch ausgerechnet hat. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass auch Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini für die Weltwirtschaft pessimistisch eingestellt ist. Das Extremrisiko eines Handelskriegs drohe schon bald das Wachstum zu belasten, und die US-Notenbank könnte gezwungen sein, die Zinsen wegen einer stetig steigenden Inflation schneller zu erhöhen, sagte er der Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Dabei macht Trump bekanntlich vor Drohungen gegenüber US-Unternehmen nicht Halt. So hat er den Motorradhersteller Harley-Davidson nach dessen Ankündigung, Teile der Produktion aus den USA abzuziehen, mit Schimpftiraden per Twitter überhäuft. Seitdem verhalten sich andere Unternehmen zumeist still, fürchten sie doch indirekte Boykottaufrufe von Trump. Lediglich GM hat sich erst kürzlich ebenfalls sehr kritisch über die jüngsten Maßnahmen zum Schutz der US-Wirtschaft geäußert. Aber der US-Präsident droht nicht nur vermeintlich unpatriotischen US-Firmen mit hohen Steuern und Boykottaufrufen. Nun trifft der Bannstrahl aus Washington auch den Stuttgarter Autobauer Daimler. Die EU sei möglicherweise so schlimm wie China, nur kleiner, hatte der US-Präsident gewettert, um erneut mit der Verhängung eines 20-prozentigen Einfuhrzolls auf Autos zu drohen. Dabei richtete er seinen Zeigefinger ausdrücklich in Richtung Untertürkheim, wo die Daimler-Zentrale sitzt. "Sie schicken uns ihren Mercedes, wir können unsere Autos nicht einführen", dröhnte Trump. Jedoch unterbreitete gestern Abend angeblich der neue US-Botschafter Grenell den deutschen Autobossen eine Lösung im Auto-Zollstreit. Allerdings könnte es sich hierbei um eine bewusste Finte handeln, da die Eingeladenen die falschen Entscheider für Zölle sind! 

Dabei haben die US-amerikanischen Firmen durchaus auch noch andere Probleme, die man anpacken sollte - etwa die hohe Verschuldung. So mache eine Rekordverschuldung die US-Unternehmen so verwundbar wie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, warnt die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Der "Schulden-Exzess" berge "signifikante Risiken", schreiben die Analysten. So haben US-Unternehmen insgesamt Schulden von 6,3 Billiarden US-Dollar angehäuft. Damit sind die Schulden seit 2006 um 150 Prozent gestiegen, aber die Unternehmen verdienen jetzt auch deutlich mehr. 

Allerdings addieren sich die Schulden inzwischen auf mehr als das Vierfache des operativen Gewinns, so S&P. Im Jahr 2006 war es noch weniger als das Dreifache. Damit droht den US-Firmen das Ergebnis der weltweiten Strategie der Notenbanken auf die Füße zu fallen. Schließlich haben diese nach der Finanzkrise über Kredite und Anleihekäufe Billionen von US-Dollar in die Finanzmärkte gepumpt und parallel dazu die Zinsen extrem niedrig gehalten. Die Rechnung für diese expansive Geldpolitik könnte also schon bald den US-Unternehmen serviert werden. 

QE der EZB treibt Target2-Saldo vor sich her

Seit Anfang 2015 sind unter anderem bedingt durch die Anleihekäufe der nationalen Notenbanken im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) die Target2-Salden angestiegen. So ist es beispielsweise nur noch eine Frage der Zeit, bis die Forderungen der Deutschen Bundesbank die Marke von einer Billion Euro überschreiten. Vor diesem Hintergrund sind sicherlich auch die jüngsten Äußerungen des Bundesbankpräsidenten, Jens Weidmann, zu verstehen, der als Hauptaufgabe des zukünftigen EZB-Präsidenten die Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum unter Berücksichtigung der Preisstabilität anmahnt. Ob er sich sogar höchst persönlich damit beschäftigen muss, werden wir allerdings erst in einigen Monaten erfahren. Denn der Vertrag von Mario Draghi ist bis Ende Oktober 2019 terminiert, und über die Personalie seiner Nachfolge wurde noch nicht beraten.


"Rückkehr zur Normalisierung der Geldpolitik notwendig." 
  In diesem Zusammenhang hat auch erst vor wenigen Tagen der EZB-Chefvolkwirt Peter Praet darauf verwiesen, dass man inzwischen erhebliche Fortschritte erzielt habe, die Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielzone von 2 Prozent zu treiben. Daran wird sich seines Erachtens auch nach dem Ende der Anleihekäufe nichts ändern. Das wäre allerdings schon Grund genug, sich von der expansiven Geldpolitik zeitnah zu verabschieden, was inzwischen von immer mehr EZB-Ratsmitgliedern gefordert wird.

Jedoch verweisen führende Notenbanker wie der Chef der Banque de France, Villeroy de Galhau, auch darauf, dass die Zeit gekommen sei, zur Stärkung der Eurozone endlich die notwendigen Reformen auf den Weg zu bringen. Zu lange verlassen sich bereits die Politiker auf die "Heilkräfte" der EZB, doch können die in der Vergangenheit getroffenen Maßnahmen nicht beliebig oft wiederholt werden. Die Geldpolitik kann nicht die alleinige Antwort auf wirtschaftliche Krisen sein! Daher ist es notwendig, ein wirtschaftlich homogenes Gebilde in der Eurozone zu schaffen und sich gegen Protektionismus zu wappnen. Damit hat er sich in einem Interview mit dem "Handelsblatt" als Befürworter der Vorschläge des deutsch-französischen Duos "Mercron" geoutet. Deshalb sollte nicht länger mit der Ausarbeitung und Umsetzung dieser pro-europäischen Ideen gezögert werden, bevor noch mehr Politiker und Bürger von nationalen Gedanken infiziert werden. 

Theresa May entdeckt ihre sanfte Seite

Nach den monatelangen Querelen in der britischen Regierung um den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU gibt es nun einen überraschenden Schwenk. Um den Brexit möglichst ruhig und problemlos zu gestalten, möchte Premierministerin Theresa May ihrem Kabinett einen möglichst sanften Brexit schmackhaft machen. Demnach soll Großbritannien auch nach einem EU-Austritt, der für Ende März 2019 geplant ist, weiterhin die Import-Zölle für die EU einnehmen. Dadurch will May verhindern, dass es zu Grenzkontrollen zwischen der Republik Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland kommt. Dies geht auf Informationen des Senders ITV zurück. Von Regierungsseite gab es mit Blick auf eine geplante Kabinettsklausur am Freitag keine Stellungnahme dazu.


"Premierministerin legt neuen Plan vor." 
  Nachdem zwei frühere Pläne in der Tory-Partei keine Mehrheit gefunden hatten, gibt sich May damit flexibel. Sollte es tatsächlich gelingen, so das äußerst heikle Grenzproblem zwischen Nordirland und der Republik Irland zu entschärfen, würde dies die Position der angeschlagenen Premierministerin stärken. Allerdings muss sie zuerst noch die Hardliner unter den Brexiteers überzeugen. Dazu zählt auch Boris Johnson, der den Außenminister in London gibt und erst vor kurzem von einem möglichen Brexit-Kollaps (Breakdown) gemunkelt hatte. 

Wie es seitens ITV weiter hieß, soll May der EU auch Vorrechte für ihre Bürger anbieten, die in Großbritannien leben. Im Gegenzug soll Großbritannien der Zugang zum Dienstleistungsmarkt der EU erleichtert werden. 

Zumindest die Banken in Großbritannien sind für den Brexit gewappnet. Das bescheinigt den Instituten jedenfalls die britische Zentralbank. Wie aus einem Stress-Test der Bank of England (BoE) hervorgeht, wäre die Stabilität der Wirtschaft nicht gefährdet, selbst wenn das Land ohne Abkommen aus der EU ausscheiden sollte. Damit widerspricht sie der Einschätzung der EU-Bankenaufsicht, die vor kurzem noch davor gewarnt hatte, dass die Banken in Großbritannien nicht angemessen auf den Brexit vorbereitet seien. Allerdings warnt auch die BoE, dass sowohl von Brüssel als auch von London mehr unternommen werden müsse, um Verwerfungen für Finanzdienstleister zu minimieren. 

Indessen geht die Stadt Frankfurt davon aus, dass ihr der Brexit mindestens 5.400 neue Stellen bescheren wird. Das hat die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH errechnet. Weil die Aufsichtsbehörden keine Briefkastenfirmen dulden, müssen Finanzinstitute, die sich für Frankfurt entscheiden, größere Abteilungen in der Rhein-Main-Metropole aufbauen. 

Fed hilft Wallstreet-Banken durch die Prüfung

Dass ausgerechnet die Deutsche Bank bei der zweiten Runde des Stresstests der US-Notenbank Fed als einziger Prüfling durchgefallen ist, mag angesichts der jahrelangen Selbstfindungsversuche des Instituts nicht unbedingt verwundern. Ein Bericht des "Wall Street Journal", wonach sich die Fed aber gegenüber zwei US-Investmentbanken gnädig gezeigt hat, lässt aufhorchen.


"Deutsche Bank fällt durch Stresstest in USA."
 

Demnach wurden Goldman Sachs und Morgan Stanley vor negativen Ergebnissen des in der vergangenen Woche veröffentlichten Stresstests gewarnt. Beide Institute hätten in dem von der Fed simulierten Krisenfall nicht mehr über ausreichend Kapital verfügt und wären deshalb durchgefallen - genauso wie die Deutsche Bank eben. Goldman Sachs und Morgan Stanley aber erhielten im Vorfeld den dezenten Hinweis, die Dividenden und Aktienrückkäufe auf dem bisherigen Niveau einzufrieren, um ihr Kapital zu schonen. Wenn es um die eigenen Institute geht, kann man ja schon mal beide Augen zudrücken.


"Fed drückt bei Goldman und Morgan Stanley beide Augen zu." 
  Anstatt die Ausschüttungen der beiden Banken auf 8 Milliarden US-Dollar zu senken, dürfen die Dividenden bei zusammen 13 Milliarden US-Dollar belassen werden. Eine geplante Erhöhung auf 16 Milliarden US-Dollar gibt es zwar nicht. Aber dennoch dürfen sich die Aktionäre über unterm Strich 5 Milliarden US-Dollar freuen, die sie nur aufgrund der Gnade der Fed einstreichen dürfen. Wohl dem, der Freunde in der heimischen Notenbank hat. "America First" gilt offenbar auch bei der Fed. 

Ungewisse Aussichten für Hellas

Ungewiss bleiben die langfristigen Aussichten für Griechenland. So hat sich der Internationale Währungsfonds (IWF) skeptisch zu den Aussichten des Landes geäußert, seine Schulden langfristig ohne eine weitere Erleichterung tragen zu können. Die kürzlich mit Griechenlands europäischen Partnern vereinbarte Schuldenerleichterung habe zwar die mittelfristige Schuldentragfähigkeit deutlich verbessert, aber die längerfristigen Aussichten blieben unsicher, schreibt der IWF. Gleichzeitig hält der Fonds, der sich bekanntlich aus der Gruppe der rettenden Geldgeber von Hellas verabschiedet hat, den Anleihe-Marktzugang langfristig ohne eine weitere Schuldenerleichterung für schwierig. Ende August soll Griechenland ja wieder am Kapitalmarkt auf eigenen Beinen stehen und somit können diese Äußerungen als indirektes Plädoyer für eine weitere Schuldenerleichterung gewertet werden.


"IWF plädiert indirekt für weitere Schuldenerleichterung."
  Bank von Griechenland mahnt den Reformweg einzuhalten.

Dies wird nach Überzeugung der griechischen Notenbank den jüngsten Deal mit seinen Kreditgebern erleichtern, der unter anderem eine Streckung der Schulden beinhaltet. Längerfristig aber hängt laut der Bank von Griechenland die Schuldentragfähigkeit des Landes davon ab, dass der Reformweg beibehalten werde und es seitens der Euro-Länder weitere Schuldenerleichterungen gebe. Damit stoßen die Bank von Griechenland und der IWF in dasselbe Horn. Denn auch der IWF weist dezent auf die Bereitschaft der europäischen Partner hin, weitere Schuldenerleichterungen zu gewähren, glaubt aber, "dass es entscheidend sein wird, realistische Annahmen vor allem im Hinblick auf die Primärüberschüsse zu machen".


"Bank von Griechenland mahnt den Reformweg einzuhalten." 
  Die Finanzminister der Euro-Länder hatten im Juni eine Verlängerung der gewährten Kredite sowie eine größere Atempause von zehn Jahren bis zu ihrer Rückzahlung beschlossen. Gleichzeitig erhielt die Regierung in Athen 15 Milliarden Euro für ein Finanzpolster. Außerdem wurde die Einhaltung eines deutlichen Primärüberschusses über viele Jahre vereinbart, was auch stärkere Volkswirtschaften kaum aufzuweisen vermögen. 

von Klaus Stopp.
6. Juli 2018, © Baader Bank

Über den Autor


Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.




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