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BIP-Zahlen richtig einordnen




15.10.20 11:05
Grüner Fisher Investments

Rodenbach (www.aktiencheck.de) - Ende Oktober wird das US Bureau of Economic Analysis seine Schätzung für das US-BIP im dritten Quartal 2020 veröffentlichen. Erwarten Sie einen historischen Anstieg, so die Experten von Grüner Fisher Investments.

Die bisher erfassten Schätzungen, welche auf Basis von Echtzeitdaten erstellt worden seien, würden im Median einen Anstieg von 26,1 Prozent prognostizieren. Ähnlich große Sprünge, wenn nicht sogar größere, würden dabei für die meisten Industrieländer erwartet. Aktuelle Schätzungen würden sich für die Eurozone bei 39,1 Prozent bewegen, für Deutschland bei 31,1 Prozent. Die daraus resultierenden Erkenntnisse für Anleger seien begrenzt, dennoch könnten diese Daten dazu beitragen, eine gesunde Erwartungshaltung einzunehmen.

Die einfachste Feststellung bestehe darin, dass dieser historische Anstieg durch eine niedrige Basis begünstigt werde. In der Tat sei das zweite Quartal 2020 historisch schlecht gewesen, beispielsweise werde die dritte Schätzung für das US-BIP aktuell mit -31,4 Prozent beziffert. Und so wie die Experten zurückliegend darauf hingewiesen hätten, dass annualisierte Daten die Quartalsentwicklung auf ein Jahr hochrechnen würden und somit das US-BIP nicht wirklich um ein Drittel geschrumpft sei, würde der Anstieg um 26,1 Prozent im dritten Quartal nicht bedeuten, dass das US-BIP um mehr als ein Viertel gewachsen sei. Es verdeutliche einfach die Achterbahnfahrt der letzten Monate: Harte Einschnitte in den Lockdown-Monaten und eine schnelle Erholung, die sich natürlicherweise aus der Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit ergeben habe. Eine Entwicklung, die an den Aktienmärkten früh antizipiert und im Rahmen einer V-förmigen Bewegung abgearbeitet worden sei, jetzt würden die Daten sozusagen nachziehen.

Die Erwartungshaltung an das vierte Quartal 2020 verdeutliche, dass sich die Daten-Turbulenzen gegen Jahresende wieder legen würden. Vorausschauende Prognosen für das US-BIP würden die annualisierte Wachstumsrate mit 5,2 Prozent beziffern. Dieser Wert lasse immer noch auf eine hohe Dynamik schließen, allerdings würden dadurch im vierten Quartal 2020 keine neuen Rekordwerte erreicht. Kritische Betrachter würden natürlich die Verlangsamung der Erholungsbewegung in vielen Wirtschaftsbereichen bemängeln. Von einer gestärkten Basis ausgehend sei es allerdings normal, dass sich Wachstumsraten wieder auf einem moderaten Niveau einpendeln würden, nachdem die erste hochdynamische Gegenbewegung vollführt worden sei. Die Experten würden diese Entwicklung eher als Zeichen dafür sehen, dass in der Datenmenge eine gewisse Normalisierung nach den außergewöhnlichen Ereignissen im Jahr 2020 zu beobachten sei.

Voraussichtlich werde die globale Wirtschaft auch im vierten Quartal 2020 das Vorkrisenniveau nicht wieder erreichen können. Letztendlich drehe sich diese Diskussion allerdings um recht zufällige Markierungen, die eine geringe Bedeutungskraft für Aktienmärkte besitzen würden. In der Historie der Aktienmärkte seien keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass das erneute Erreichen der vorangegangenen Wirtschaftsleistung nach einer Rezession einen spürbaren Einfluss auf die Aktienmärkte habe. Die aktuelle Situation mit COVID-19 sollte hier keine Ausnahme darstellen.

Langfristige Anleger sollten die BIP-Zahlen eines Quartals weiterhin nicht zu sehr in den Fokus rücken. So wie das zweite Quartal keinen Untergang eingeläutet habe, sorge das dritte Quartal nicht zwangsläufig für Jubelstimmung an den Märkten. Die Daten würden sich in absehbarer Zeit normalisieren und die Aktienmärkte würden weiterhin in die Zukunft blicken - auch über das aktuelle Kalenderjahr hinaus. (15.10.2020/ac/a/m)






 
 
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