Erweiterte Funktionen


BIP-Minus in den USA: Blaues Auge im ersten, Gemetzel im zweiten Quartal




30.04.20 12:10
Legg Mason

Baltimore (www.aktiencheck.de) - Der BIP-Rückgang in den USA fiel im ersten Quartal etwas weniger drastisch aus, als viele erwartet hatten, so Michael J. Bazdarich, Product Specialist bei der Legg Mason-Boutique Western Asset Management.

Überraschend sei dabei, dass vor allem die Ausgaben für Dienstleistungen extrem stark gefallen seien. Für das zweite Quartal werde dieser Effekt noch einmal stärker wirken, dann könnten die Zahlen wesentlich schlimmer aussehen. Die Börse werde dies einpreisen.

Dass das Bruttoinlandsprodukt der USA stark sinken würde, sei klar gewesen. Die gerade gemeldete Zahl von minus 4,8 Prozent habe aber ziemlich genau in der Mitte zwischen den besten (minus einem Prozent) und den schlechtesten (minus 11,2 Prozent) Schätzungen gelegen.

Der Rückgang des BIP resultiere fast ausschließlich aus einer Komponente: Den Verbraucherausgaben für Dienstleistungen. Zwar habe es auch starke Rückgänge bei der Produktion von Kraftfahrzeugen gegeben, was die Mitte März erfolgte Schließung von Autofabriken und Zulieferern widerspiegele. Diese seien jedoch durch Zuwächse im Baugewerbe und einem starken Rückgang der Importe ausgeglichen worden, was zur Steigerung des BIP beitrage.

Dass der Rückgang des Dienstleistungsverbrauchs so gewaltig ausgefallen sei und im Wesentlichen dem gesamten Rückgang des BIP entsprochen habe, sei ein Beweis dafür, wie anders die derzeitige Lage gegenüber früheren Krisen sei. Die Nutzung von Dienstleistungen sei typischerweise die stabilste Komponente des BIP. Selbst während der globalen Finanzkrise 2007 bis 2009 habe es in den Quartalen mit den stärksten Rückgängen des BIP nur leichte Rückgänge bei den Dienstleistungen gegeben. Im Gegensatz dazu sei im ersten Quartal 2020 der Rückgang des realen Dienstleistungsverbrauchs um ein Vielfaches höher ausgefallen als der des BIP.

Alle sprächen von einem Einbruch der Nachfrage. Dabei handle es sich eigentlich nicht um einen Einbruch, sondern um eine gezielte Unterdrückung der Nachfrage durch die Maßnahmen gegen die Pandemie. Es sei fraglich, wie wirksam fiskal- und geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen sein würden - oder wie notwendig sie seien - wenn die Nachfrage nur unterdrückt worden sei. In aller Bescheidenheit neigen wir deshalb zu der Annahme, dass der Nach-Pandemie-Aufschwung schnell und sehr weitgehend sein kann, gerade weil der Rückgang so künstlich auferlegt wurde, so Michael J. Bazdarich, Product Specialist bei der Legg Mason-Boutique Western Asset Management. Doch damit dies eintreten könne, müsse die Angebotsseite der Wirtschaft intakt sein und sich erholen können, wenn und sobald der Shutdown aufgehoben werde. Die Regierung habe versucht, diesen Übergang zu bewältigen, aber je länger der Shutdown andauere, desto größer könnten die potenziellen Probleme sein.

Allerdings, so schockierend der Rückgang der Dienstleistungsausgaben im ersten Quartal auch gewesen sei, würden diese gerade einmal etwa einen halben Monat Lockdown widerspiegeln. Selbst wenn die Wirtschaft also zum 15. Mai auf breiter Front geöffnet würde, wäre der schließungsbedingte Rückgang der Nutzung von Dienstleistungen im zweiten Quartal dreimal so groß wie im ersten Quartal. Darüber hinaus werden wir in den Sektoren, die im ersten Quartal noch zum Wachstum beitrugen, wie etwa Verbraucherausgaben für Lebensmittel (etwa durch Hamsterkäufe), Wohnungsbau und Außenhandel, wahrscheinlich noch weitere Rückgänge im zweiten Quartal erleben, so Michael J. Bazdarich, Product Specialist bei der Legg Mason-Boutique Western Asset Management.

Für das zweite Quartal stehe also ein wesentlich stärkerer Rückgang des BIP bevor, wenn Ende Juli die Zahlen kämen. Andererseits seien die jetzigen Zahlen nicht überraschend gewesen, wenn man bedenke, was man bereits über das Gemetzel im Zusammenhang mit der Schließung gewusst habe. Dementsprechend würden sich die Aktienmärkte heute angesichts der BIP-Nachrichten erholen. So schlimm der BIP-Einbruch im zweiten Quartal auch ausfallen werde: Spätestens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Zahlen sei dies bereits in den Marktpreisen eingepreist. Und vielleicht sei es das sogar schon jetzt. (30.04.2020/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.



Aktien des Tages
  

Jetzt für den kostenfreien Newsletter "Aktien des Tages" anmelden und keinen Artikel unseres exklusiven Labels AC Research mehr verpassen.

Das Abonnement kann jederzeit wieder beendet werden.

RSS Feeds




Bitte warten...